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MITTEILUNGEN
der
Band XXIV.
Im Auftrage des Vorstandes horausgegeben
von
Dr. L. Friederichsen,
Erstem Sekretär.
Mit einem Porträt, 53 Abbildungen auf 27 Tafeln, einer Karte
und 23 Figuren im Text.
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• *
% *
HAMBURG.
L. Friederichsen & Co.,
(Inhaber : Dr. L. u. R. F r i e d e r i c h 8 e n).
Land- und Seekartenhandlung,
geographischer und nautischer Verlag.
Neuerwall 61.
1909.
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Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
*
Alle Rechte vorbehalten,
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UNIVERSITYOF MICHIGAN
Inhalt.
Seite
Kraus, Alois, Prof. Dr.: Zweiter Reisebericht aus Ceylon und Yorder-Indien. 1—30
Lottermoser, Eckhard: Die Ergebnisse der Temperatur-Beobachtungen in
Salvador und Süd-Guatemala 31—84
Obst, Erich, Dr.: Die Oberflächengestaltung der sohlesisch-böhmischen
Kreide-Ablagerungen. Mit 21 Abbildungen auf 11 Tafeln, einer
Karte und 6 Figuren im Text 86—191
Zahn, Gustav W.von, Dr.: Die zerstörende Arbeit des Meeres an Steilküsten.
Mit 32 Original- Abbildungen auf 16 Tafeln und 16 Figuren im Text. 192—284
Friederichsen, L, Dn: Georg von Neumayer + 285—297
Petersen, Jon., Dr. : Carl Christian Gottsche f ■ • • 299—316
Sitzungsberichte vom 1. Oktober 1908 bis 2 Dezember 1909 317—348
Mitglieder Verzeichnis vom 1. Januar 1909 351—369
Abbildungen.
Porträt Georg von Neumayer's.
Tafel I — XI: Abbildungen zu »Obst, Die Oberflächeugestaltung der schlesisch-
böhmischen Kreide-Ablagerungen.«
Tafel 12—27: Abbildungen zu »von Zahn, Die zerstörende Arbeit des Meeres
an Steilkasten.«
Karten.
Tektonische Karte der schlesisch-böhmischen Kreide-Ablagerungen
400394
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UNIVERSITYOF MICHIGAN
I Original from
UNIVERSITY OF MICHIGAN
Die
Oberflächengestaltung
der
schlesisch- böhmischen
Kreide* Ablagerungen
(Ein Beispiel für die Einwirkung der Diluvialperiode auf das Relief
der deutschen Mittelgebirge)
Von Dr. phil. Erich Obst
wissenschaftlichem Hilfsarbeiter am Kolonialinstitut in Hamburg
(Seminar för Geographie)
Mit 21 Abbildungen auf 11 Tafeln, einer Karte und 6 Figuren im Text
Original »Vom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
Inhaltsverzeichnis.
Einleitung
Seite
88
Kapitel I. Der geologische Aufbau der schlesisch-
böhmischen Kreideformation 90 — 107
a) Adersbach und Weckelsdorf 91
b) Heuscheuergebirge und Reinerz-Nesselgrunder
Höhen 94
c) Gebiet der Glatzer Neisse 104
Kapitel IL Verwitterung und Abtragung im
Gebiet der schlesisch-böhmischen Kreide-
formation 108 — 157
a) Verwitterung der Kreidesandsteine 108
b) Verwitterung der plänerartigen Gesteine . . 134
c) Abtragung 138
Kapitel III. Oberflächen- und Felsformen im
Gebiet der schlesisch-böhmischen Kreide-
formation 158—188
Nachtrag und Literaturverzeichnis 189
I . '.-iqmal from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
Vorwort.
Die vorliegende Arbeit verdankt ihre Entstehung einer Exkursion
des geographischen Seminars der Universität Breslau unter der
Leitung von Herrn Prof. Dr. Passarge im Frühjahr 1907.
Die mir gestellte Aufgabe beschränkte sich zunächst darauf, die
eigentümlichen Lochbildungen, die wir an den Sandsteinfelsen der
Kreideformation in der Heuscheuer wahrgenommen hatten, eingehend
zu studieren. Bei der Arbeit im Gelände aber kam noch eine mannig-
fache Reihe anderer interessanter Verwitterungsformen hinzu, so dass
die Untersuchungen sich nicht allein den Lochbildungen zuwendeten,
sondern auf die Oberflächen- und Felsformen der Kreideformation
ausgedehnt wurden.
Zu grossem Danke verpflichtet bin ich den Herren Professoren
Passarge, Hintze l ) und Frech, *) die mir allezeit ihre Ratschläge
zu teil werden Hessen und meine Arbeit in jeder Beziehung förderten.
Auf mehreren meiner Reisen genoss ich die Unterstützung der
von dem Verlagsbuchhändler Herrn Arnold Hirt in Leipzig dem
geographischen Lehrstuhl der Universität gemachten Stiftung, wofür
ich auch an dieser Stelle meinen ergebensten Dank sage.
Die photographischen Aufnahmen habe ich zum Teil selbst auf-
genommen, zum andern Teile verdanke ich sie meinem Freunde,
Herrn H. Wolff in Breslau, der mich auf einer meiner Wanderungen
durch das gesamte Gelände begleitete und in liebenswürdigster
Weise einige Aufnahmen für mich anfertigte ; auch ihm gebührt mein
aufrichtigster Dank.
Hamburg, Mai 1909.
E. Obst.
l ) Direktor des mineralogischen Institute der Universität Breslau.
*) Direktor des geologischen Instituts der Universität Breslau.
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UNIVERSITYOF MICHIGAN
ß8
Einleitung.
Die Kreidoabiagerungen, die wir vom Kloster Grüssau über Aders-
bach und Weckelsdorf und weiter über die Heuscheuer bis tiel
hinein in den Südosten der Grafschaft Glatz verfolgen können, gehören
sämtlich der oberen Kreideformation an und sind somit als Sparen
jener gewaltigen Überflutung der Kontinente aufzufassen, durch die
der Beginn des Cenoman allenthalben gekennzeichnet wird und deren
Reste wir nicht nur in den verschiedensten Teilen Europas, sondern
auch in fast allen andern Kontinenten begegnen. l )
Die schlesisch-böhmischen Kreideablagerungen sind bereits des
öfteren der Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen.
Von den älteren Autoren wären hier Beyrich, 2 ) Geinitz, 8 ) Roth 4 )
und andere zu nennen, von den jüngeren Forschern Weithofer, 6 )
Gürich, 6 ) Petraschek, 7 ) Sturm, 8 ) Michael, 9 ) Leppla 10 ) und
Flegel. 11 ) — Bei allen diesen Untersuchungen handelt es sich indessen
*) Vergleiche E. Suess: Bau und Bild Oesterreichs, Wien 1903. Seite 166
und F. Ko8smat: Paläogeographie. Göschen 1908. Seite 98/105 und Anhang Figur 5.
8 ) E. Beyrich: Das Quadersandstein-Gebirge in Schlesien, Zeitschrift der
Deutschen Geologischen Gesellschaft 1849 Bd. I.
3 ) E. Geinitz: Das Quadersandstein-Gebirge in Deutschland. Freiberg 1849.
4 ) J. Roth; Erläuterungen zu der geognostischen Karte vom Niederechlesischen
Gebirge und den umliegenden Gegenden. Berlin 1867.
a ) K. A. Weithofer; Der SchaUlar-Schwadowiteer Muldenflügel des nieder-
schlesisch-böhmischen Steinkohlenbeckens. Jahrbuch der K. K. Geologischen
Reichsanstalt, Wien 1897 Bd. 47 Heft 3.
e ) Q. Qiirich; Erläuterungen zu der geologischen Übersichtskarte von Schlesien,
Breslau 1890.
7 ) W. Petraschek; Zur Geologie des Heuscheuergebirges. Verhandlungen der
K. K. Geologischen Reichsanstalt, Wien 1903 No. 13.
s ) F. Sturm ; Der Sandstein von Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und
seine Fauna. Jahrbuch der Kgl. Preuss. Geologischen Landesanstalt, Berlin 1900.
9 ) R. Michael; Cenoman und Turon in der Gegend von Cudova in Schlesien.
Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Bd. 45.
10 ) A. Leppla ; Geologisch-hydrographische Beschreibung des Niederschlags-
gebiets der Glatzer Neisse. Abhandlungen der Kgl. Preuss. Geologischen Landes-
anstalt N. F. Heft 32.
u ) K. Flegel; Heuscheuer und Adersbach- Weckelsdorf, eine Studie Ober die
obere Kreide im böhmisch - schlesischen Gebirge. Inaugural - Dissertation ,
Breslau 1905.
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89
ausschliesslich um die Lösung geologischer, häufig rein stratigraphischer
Probleme. Aber auch die geographische Wissenschaft findet in jener
herrlichen Landschaft mit ihren schwach welligen Ebenen und den
schroffen Sandsteinmauern, mit den grotesken Felslabyrinthen und
rätselhaften Felsformen immer neue Anregung; und zwar ist es vor
allem die Oberflächengestaltung, welche eine Bearbeitung auf den
ersten Blick ebenso interessant wie lohnend erscheinen lässt.
Die Oberflächenform einer Landschaft ist im wesentlichen das
Produkt zweier Faktoren : des geologischen Aufbaus einerseits, durch
den die Oberflächenform in ihren grossen Zügen bestimmt wird, und
der Verwitterung und Abtragung auf der anderen Seite, durch die
die Kleinformen der Landschaft and die mannigfachen Felsgestalten
herausmodelliert werden.
Hiermit ist auch uns bereits der Weg angedeutet, den wir in
unserer Betrachtung zu gehen haben werden. Wir beginnen mit
einer zusammenfassenden Übersicht über den geologischen Aufbau
des behandelten Gebietes, 1 ) wenden uns alsdann den Verwitterungs-
vorgängen zu, wie wir sie im Gelände beobachten können, um endlich
im Schlusskapitel eine Schilderung der Oberflächenform zu geben
unter besonderer Betonung der Frage, ob die heute wirksamen
Witterungsagentien imstande sind, derartige Formen zu schaffen,
oder ob wir zu ihrer Erklärung andere, heute nicht mehr wirksame
Kräfte anzunehmen gezwungen sind.
') Hierbei konnten wir uns zum grössten Teil auf die oben angegebene
Literatur stützen. Eigene neue Aufnahmen waren nur im Gebiet der Kreide
von Kronstadt notwendig.
Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
90
^
Kapitel I.
Der geologische Aufbau der schlesisch-
böhmischen Kreidefortnation.
Grundlegend für alle späteren Arbeiten über die Geologie unseres
Gebietes waren ohne Zweifel die vorzüglichen Forschungen Beyrichs,
wonngleich ihn auch teilweise der Mangel an genügenden Aufschlüssen
zu irrigen Vorstellungen über den Bau des Kreidegebirges führte. —
Er nahm an, dass in der Zeit zwischen dem Rotliegenden uud dem
Absatz der Kreideformation — die Zeit glaubte er wegen des Fehlens
der dazwischen liegenden Formationen nicht näher bestimmen zu
dürfen — grosse Veränderungen in den Formen des kristallinischen
Gebirges eingetreten seien, und dass also beim Hereinbrechen des
Cenoraanmeeres die Kreide in fertigen Buchten und Mulden zum
Absatz gelangte. In diesem Sinne schreibt er: *) „Von Neu-Tscher-
beney (nördlich von Cudova) bis über Neu-Biebersdorf hinaus sieht
man die Kreideformation in unmittelbarer Berührung mit den von
Graniten durchsetzten kristallinischen Schiefern, welche das böhmisch-
glätzische Grenzgebirge zusammensetzen, und findet dann weiter die
Kreideformation über die relativ niederen Teile dieses Gebirges aus-
gebreitet wie eine unregelmässig begrenzte Decke, die nur zwischen
Neu-Biebersdorf und Pohldorf jenseits Nesselgrund mit dem be-
deutendsten Teil der Kreideablagerungen, dem Kreidegebiet Glatz-
Schildberg, zusammenhängt; dieser mittlere Teil füllt also Busen
und Buchten des kristallinen Schiefergebirges aus, während der öst-
liche Teil der Kreideablagerungen, von Oberschwedeidorf und Putsch
anfangend, die golfartig bis Schildberg reichende Gebirgseinsenkung
erfüllt." — Die späteren Arbeiten haben allerdings zu dem Ergebnis
geführt, dass diese Vorstellung nicht ganz den wirklichen Verhältnissen
entspricht, dass die Kreideschichten nicht in fertigen Buchten des
*) Beyrich in Roths Erläuterungen zu der geognostischen Karte vom Nieder-
schlesischen Gebirge. Berlin 1867. Seite 354.
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Urgebirges zum Absatz gelangten und in diesen dann in ihrer ur-
sprünglichen Lagerung verblieben sind, sondern vielmehr starke tek-
tonische Störungen nach Ablagerung der Kroidesedimente statt-
gefunden haben, bei denen die Kreideschichten ohne wesentliche
Veränderung der horizontalen Lagerung in die Tiefe sanken, wo sie
der Verwitterung und Abtragung widerstehen konnten, während die
auf den hochgelegenen Gebirgsschollen verbleibenden Reste bald der
Zerstörung anheimfielen. Eine genaue geologische Zeitbestimmung
dieser Bruchperiode, welche übrigens das gesamte Sudetengebirge
orfasste, ist schwierig; absolut genau ist nur die Angabe postcreta-
ceisch und präglacial. Da nun die glacialen Studien Partschs zu
dem Resultat geführt haben, dass die heutigen Talsysteme im Diluvium
bereits vorhanden waren, so wird man folgern dürfen, dass das durch
tertiäre Schollenbewegung geschaffene Gebirge während der Plio-
cänperiode vollkommen Zeit zur Ausgestaltung gehabt hat. Für die
hauptsächlichsten Dislokationen ist also die jüngste Tertiärzeit (Pliocän)
zweifellos auszuschliessen *). Wenn man weiterhin mit Frech die
sndetischen Brüche mit den nordwestböhmischen Dislokationen und
Massenausbrüchen in Verbindung bringt, so gelangt man zu dem
Schluss, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Bruchbildung etwa
in der zweiten Hälfte des Miocän zum Abschluss gelangt ist und
man somit ein oligocänes Alter der Verwerfungen annehmen darf.
Zu demselben Resultat kommen übrigens auch Kalkowsky 2 ),
Petraschek 8 ) und Gürich. 4 )
In ihrem geologischen Aufbau stellen die schlesisch-böhmischen
Kreidesedimente keineswegs eine Einheit dar, so dass es zweckmässig
erscheinen wird, eine Gliederung einzuführen und folgende drei Gebiete
nacheinander zu behandeln:
a. das Kreidegebiet von Adersbach-Weckelsdorf,
b. das Heuscheuergebirge und die Reinerz-Nesselgrunder Höhen,
c. das Neissegebiet.
a. Das Gebiet von Adersbach -Weckelsdorf kann kurz gekenn-
zeichnet werden als eine ausgeprägte Mulde ohne jegliche tektonische
') Vergleiche hierzu F. Frech: Über den Bau der schlesischen Gebirge.
Geogr. Zeitschrift Bd. 8, 1902. Heft 10. Seite 568.
*) E. Kalkowsky : Über einen oligocänen Sandsteingang an der Lausitzer
Überschiebung bei Weinböhla in Sachsen. Abhandlungen der Naturwissenschaft
liehen Gesellschaft Isis in Dresden, 1897. Seite 86.
•) W. Petraschek: Über eine Diskordanz zwischen Kreide und Tertiär bei
Dresden. Ebenda 1901. Seite 108.
<) Gürich: a. a. 0. Seite 173.
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92
Störungen in ihrem Innern. Die Rinder der Malde bilden die kristallinen
Schiefer nnd Tonschiefer zwischen Schatzlar - Knpferberg - Freiberg
einerseits and im Nordosten das Gneismassiv der Eule. Innerhalb
dieses Gebietes sanken die ursprünglich horizontal gelagerten Schichten-
systeme in die Tiefe, so dass sich an den beiden Flugein, flach
muldenförmig nach dem Innern zu einfallend, zunächst die Schichten
des Karbon anlagern, dann folgt das Rotliegende und endlich die
Kreideformation selbst (Tafel I. Abb. 1). Das Liegende der Kreide-
schichten bilden in diesem Gebiet, wie aus dem eben Gesagten
hervorgeht, entweder die roten dyadischen Sandsteine oder die Porphyr-
und Melaphyrdecken des mittleren Rotliegenden. — Als unterstes
Glied der Kreideformation tritt, naturgemäss nur an den Randern
der Mulde, das Cenoman auf. Die liegendsten Schichten des Cenoman
bestehen aus einem rötlichen Sandstein, der an einzelnen Stellen in
ein grobes Konglomerat übergeht. Die Farbe sowie die Struktur
dieser Gesteine weisen unverkennbar auf das aufgearbeitete Rot-
liegende hin. Seiner eigenartigen quaderförmigen Zerklüftung wegen
hat dieser Sandstein den Namen Cenomanquader erhalten. Er bildet
in seinen oberen Lagen einen meist durch Glaukonit grünlich ge-
färbten Sandstein mittleren Korns und wird in zahlreichen Brüchen
als Baumaterial abgebaut. — Dieser cenomane Quader, der gegen
Nord und Süd nur nach aussen hin den Randrücken zusammensetzt,
zieht nun zwischen Schömberg und Friedland quer durch die von
Nordwest nach Südost streichende Synkline hindurch und bildet auf
diese Weise eine Scheide zwischen einer südlichen und einer nörd-
lichen Mulde. Für die nördliche Spezial-Mulde ist es eine bezeichnende
Erscheinung, dass hier nicht mehr das Cenoman die Ränder der Mulde
bildet ; der Cenomanquader verschwindet vielmehr in gleicher Breite in
Ost und West am Totenkopf nördlich von Trautliebersdorf und bei Klein-
Heinersdorf, so dass von hier ab ein neues Gestein als tiefstes zu
Tage tretendes Glied der Formation die Ränder bildet, der Pläner-
sandstein (Tafel I. Abb. 2). Dieser mergelige Sandstein unter-
scheidet sich von dem Cenomanquader vor allem durch seine geringe
Wetterbeständigkeit, so dass er technisch nicht verwertbar erscheint
und daher auch nirgends ein Abbau anzutreffen ist. Durch einige
Funde von Inoceramus labiatus Schloth. bestimmte Flegel ') das
Alter des Plänersandsteins als Unterturon. — Bildet dieses Gestein
in der nördlichen Spezialmulde das tiefste zu Tage tretende Glied
der Kreideablagerungen, so erscheint es in der südlichen Mulde als
>) Flegel: a. a. O. Seite 11.
Ong.nalf™
UUIVERSITYOF MICHIGAN
93
Hangendes des Cenomanquaders ; von diesem trennt ihn jedoch ein
4 — 5 m mächtiger blaugrauer, toniger Quader mittleren Korns, der
nach Flegel die Grenze zwischen Cenoman und Turon darstellt.
Flegel hat daher für ihn die Bezeichnung „Grenzquader" vorge-
schlagen. *)
In diesem Wechsel der petrographischen Facies zwischen den
cenomanen und turonen Sedimenten bei konkordanter Auflagerung
lernen wir eine bezeichnende Eigenart dieser Periode kennen, eine
Eigenart, welche auch während des Turons anhält. Die Tiefe des
Kreidemeeres schwankt fortgesetzt, wodurch auf der anderen Seite wieder-
um ein steter Wechsel in der Facies der Sedimente bedingt wird. Ent-
spricht der Cenomanquader mit seinen rötlichen Konglomeraten im
Liegenden einer Brandungs- und Flachseebildung, so sehen wir das
Kreidemeer zur Zeit der Ablagerung des Plänersandsteins sich ver-
tiefen, 2 ) und dieses Tieferwerden des Kreideozeans hielt an, so dass
sich auf seinem Grunde jene kalkigen und tonigen Gebilde absetzten,
die wir nunmehr als nächstes Glied in der Schichtenfolge der Aders-
bach-Weckelsdorfer Kreidemulde kennen lernen. Es ist ein blaues
bis blaugraues, kalkreiches Gestein, das seinen Namen „Planer"
nach der Ansicht Flegels von seinem Vorkommen bei Plauen
(Pläner = Plauener Stein) erhalten hat; nach einer anderen, mir
natürbcher scheinenden Deutung, die mir Herr Dr. Hörn, Hamburg,
gütigst mitteilte, bezeichnet man mit dem Worte Pläner ein Gestein,
das im Gegensatz zum Quader plattig, planig verwittert (planig
verwitterndes Gestein = Pläner). — Der Pläner zeichnet sich im
unverwitterten Zustande durch sehr grosse Härte aus und wird
daher vielfach zur Wegebeschotterung abgebaut. In seinen Schichten
findet man als Leitfossil den Jnoceramus Brongniarti JSow., so
dass man sein Alter wohl als Mittelturon festsetzen darf.
Die Tiefe des Kreidemeeres änderte sich nun abermals nach Ab-
lagerung des Pläners. Der Kreideozean verflachte sich wiederum, so
dass wir nunmehr als oberstes Glied des Hangenden einen Quader-
sandstein antreffen (Tafel I. Abb. 1). Dieser ebenfalls noch mittel-
turone Sandstein ist gelblich oder schmutzig-weiss gefärbt. Er
erreicht seine bedeutendste Mächtigkeit im Zentrum der Mulde bei
Adersbach und Weckelsdorf selbst, wo seine bizarren Verwitterungs-
formen immer wieder neue Scharen von Reisenden herbeilocken.
Mit steilen Wänden ragen die Denudationsreste der ehemals zu-
*) Flegel: a. a. O. Seite 9.
•) Regel: a. a. O. 8eite 11.
i . '.'idina! from
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94
sammenhängenden Decke dieses mittelturonen Sandsteins aas dem
Plänersockel auf (Holsterberg bei Adersbach, Haideberg bei Weckels-
dorf, Vostaz bei Politz). Auf weite Strecken hin aber fehlen dann
auch wieder Überreste von Quadersandstein vollkommen, so dass der
Pläner vorherrscht, so vor allem im Südosten. An der Ostgrenze
der Kreideablagerungen hat sich jedoch noch ein weiterer Rest des
Mittelquaders erhalten, der in der Braunauer Lehne den die Rand-
erhebung bildenden Cenomanquader krönt und sich von hieraus weiter
nach Südosten fortsetzt bis ins preussische Gebiet hinein, wo wir
ihn in der Wünschelburger Lehne weiter verfolgen können. — Er-
wähnung verdient noch die wichtige Tatsache, dass, je weiter wir
nach Osten vordringen, der Winkel, unter welchem die Kreide-
schichten von Nord und Süd nach dem Muldeninnern zu einfallen,
immer kleiner wird, so dass die Neigung der Schichten im äassersten
Südosten schon nur noch etwa 8° beträgt; auf diese Weise nähern
sich die Schichten allmählich der horizontalen Lagerung, welche wir
in dem zweiten Gebiet, dem Heuscheuergebirge und den Reinerz-
Nesselgrunder Höhen, als unterscheidendes Merkmal kennen lernen
werden.
b. Während im Norden und Süden die Grenzen dieses zweiten
Gebietes naturgemäss gegeben sind durch die Verbreitung der
Kreideformation selbst, ist es schwierig, es im Osten und Westen
abzugrenzen ; denn ebenso allmählich wie das Gebiet des Heuscheuer-
gebirges und der Reinerz-Nesselgrunder Höhen im Westen in die
Synkline von Adersbach-Weckelsdorf übergeht, ebenso unmerklich
neigen sich im Osten seine Schichtensysteme allmählich der Neisse-
senke zu. Hier Begrenzungslinien einzuführen, erscheint demnach
also mehr oder minder willkürlich. Dennoch sei es der Übersicht-
lichkeit wegen gestattet, das tiefe Erosionstal von Machau-Bielai als
Westgrenze anzusehen und das Gebiet im Osten durch eine Linie zu
begrenzen, welche etwa die Ortschaften Wallisfurth, Alt -Heide,
Falkenhain, Altweistritz, Langenau verbindet.
Wollen wir den geologischen Aufbau des so umgrenzten Ge-
bietes kurz kennzeichnen, so müssen wir von der Lagerung der
Schichten ausgehen. Wir hatten oben bereits betont, dass in dem
Gebiet von Adersbach- Weckelsdorf, je weiter wir nach Südosten
wandern, der Fallwinkel der Schichten ein immer kleinerer wird.
Die Synklinale Lagerung tritt allmählich immer mehr und mehr
zurück, bis sie in dem Gebiet des Henscheuergebirges und der
Reinerz-Nesselgrunder Höhen selbst schliesslich fast vollkommen
verschwindet, so dass das ganze Gebiet als eine gewaltige,
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
95
horizontal gelagerte Kreidetafel erscheint; nur an den Grenzen der
Kreideverbreitung im Süden und Südosten, wo die Kreidesedimente
an das Urgebirge anstossen, finden wir lokale Aufrichtung der
Schichten, und bei näherer Untersuchung erweist sich hier die Be-
grenzungslinie als ein Bruchrand. Eine Reihe weiterer derartiger
Verwerfungslinien durchsetzt die horizontalen Schichten des Heu-
scheuergebirges und der Reinerz-Nosselgrunder Höhen, und in diesen
beiden Tatsachen: der annähernd horizontalen Lagerung der Kreide-
schichten und der Zerstücklung dieser weit ausgedehnten Decke
durch eine Anzahl von Brüchen, kann man die charakteristische
Eigenart dieses Gebietes erkennen, eine Eigenart, die, wie wir unten
sehen werden, sich naturgemäss auch in der Oberflächenform aufs
deutlichste wiederspiegelt. Auf die spezielle Tektonik werden wir
unten ausführlich einzugehen haben; zuvor jedoch erscheint es not-
wendig, den stratigraphischen Aufbau in grossen Zügen kennen zu
lernen.
*
Wandern wir z. B. von Wünschelburg nach der Heuscheuer und
von hier nach Reinerz, so werden wir bei dieser Nordsüd-D urch-
querung einen guten Überblick erhalten (Tafel I. Abb. 3). Wir
sehen zunächst, dass im Norden dieses Gebietes das Rotliegende
wiederum als Unterlage der Kreideformation auftritt. Haben wir
dieses durchwandert, so finden wir auf der herrlichen Heuscheuer-
Kunststrasse bald Aufschlüsse in einem mürben, braunen, sandig-
mergeligen Gestein, in dem wir leicht den Plänersandstein wieder-
erkennen. Er bildet also hier wie in der nördlichen Spezialmulde
des Adersbach -Weckelsdorfer Beckens die tiefste anstehende Ab-
lagerung der Kreideformation. Seine Mächtigkeit beträgt 10 — 20 m.
Überlagert wird dieser Plänersandstein von einem blaugrauen Gestein,
dem sogen, unteren Pläner, der etwa dieselbe Mächtigkeit wie der
Plänersandstein erreicht; er ist ident mit dem mittelturonen Pläner
von Adersbach- Weckelsdorf. Weiterhin treffen wir an der Scholaster-
drehe als nächstes Glied des Hangenden einen Quadersandstein an;
es ist der mittelturone Quader der Wünschelburger Lehne, den wir
oben bereits als Fortsetzung des Quaders der Braunauer Lehne er-
wähnt hatten. In einem grossen Steinbruch wird dieser Sandstein
abgebaut. Zu unterst lagert dort .eine 5 m mächtige Schicht von
feinem gelben Sandstein, der nach oben gröber wird und bei einer
Mächtigkeit von 30 m in einen sehr feinen weissen Quador von 5 m
l ) Vergl. Flegel: a. a. 0. Seite 15.
Original frorn
UNIVERStTYOF MICHIGAN
Uß
Mächtigkeit übergeht. Den Abschluss nach oben bilden dann gröbere
weisse Sandsteine. Die Gesamtmächtigkeit dieser Ablagerungen
beträgt 60—80 m *).
Unsere Strasse beginnt nun steil anzusteigen. Wir haben den
Plateauabfall zwischen Karlsberg nnd Wünschelburg zu erklimmen.
Nach einiger Zeit bemerken wir nun an den Aufschlüssen zu beiden
Seiten des Weges, dass im Gegensatz zu der Adersbach- Weckelsdorfer
Mulde hier der mittelturone Quadersandstein nicht das oberste Glied
der Kreideformation bildet, dass vielmehr nach Ablagerung des
Mittelquaders das Kreidemeer sich abermals vertiefte, so dass sich
auf seinem Grunde wiederum kalkig- mergelige Gesteine bilden
konnten, die wir nun als Hangendes des Mittelquaders kennen lernen.
Es ist ein sehr fester, blauschwarzer Pläner, der in einer Mächtigkeit
von 100—120 m den Quader der Wünschelburger Lehne überlagert,
und für den sich die Bezeichnung „oberer Pläner" allgemein ein-
gebürgert hat. Er begleitet uns lange Zeit auf unserem weiteren
Marsche und bildet dann jene ausgedehnte Hochfläche von Karlsberg,
auf der sich schliesslich die grosse und kleine Heuscheuer und der
Spiegelberg erheben. Die fast senkrechten Wände dieser Gipfel
lassen schon von weitem erkennen, dass es wiederum ein Quader-
sandstein ist, der den oberen Pläner seinerseits noch wieder über-
lagert. Dieser obere Quadersandstein der Heuscheuer und seines
*
Bruders, des Spiegelberges, stellt die jüngste marine Ablagerung in
der niederschlesisch-böhmischen Mulde dar. Es ist ein hellgrauer
bis weisser Sandstein, der eine Mächtigkeit von fast 100 m erreicht. —
Was die stratigraphische Stellung dieses oberen Quaders anbetrifft,
so hat sich besonders Flegel in seinen Studien der böhmisch-
schlesischen Kreide eingehend damit beschäftigt. Er kommt auf
Grund seiner paläontologischen Forschungen zu dem Schlüsse, dass
„der obere Heuscheuerquader als ein Äquivalent des Kieslings-
walder Sandsteins in der Grafschaft Glatz und des Oberquaders der
Sächsischen Schweiz und der Löwenberger Mulde aufzufassen und
dem Emscher zuzurechnen ist." *) Ist diese Altersbestimmung
richtig, — Petraschek zweifelt sie an 2 ) — dann werden wir mit
Flegel den oberen Planer, der das Hangende des mittelturonen
Quaders der Wünschelburger Lehne und das Liegende der Emscher
Ablagerungen bildet, in der Tat für oberturon halten müssen und
den Karlsberger Pläner der Zone des Scaphitea Geinitzi und der
des Inoceramu8 Cuvieri zurechnen.
l ) Flegel : a. a. 0. Seite 26.
') W. Petraschek: Zur Geologie des JSeuscheuergebirges
I Original from
UNIVERSrTY OF MICHIGAN
97
Wollen wir nunmehr unsere Wanderung nach Reinerz zu fort-
setzen, so bieten sich uns zwei Wege dar. Der erste führt uns über
Friedrichsberg und Friedersdorf nach Roms und von hier nach
Reinerz; der andere etwas längere geht zunächst am Abhänge der
Friedrichsgrunder Lehne entlang, um uns dann über Utschendorf
und Rückers ebenfalls nach Reinerz zu führen. Beide Wege gewähren
einen guten Einblick in den geologischen Aufbau dieser Gegend.
Folgen wir nämlich dem ersten Wege, so wird uns auffallen,
dass der Bau des Gebirges hier im Süden dor Heuscheuer ein
anderer ist als im Norden. Der mittelturone Quader der Wünschel-
burger Lehne keilt sich nämlich in der Tiefe aus (Tafel I. Abb. 3),
so dass wir auf unserem Marsche ständig im Pläner bleiben. Haben
wir den oberturonen Karlsberger Pläner durchquert, so gelangen wir
unmittelbar in das Gebiet des unteren Pläners hinein, der uns nun
über Roms bis nach Reinerz begleitet.
Möchte es nach dem eben Gesagten so scheinen, als ob der
Gebirgsbau der Reinerz-Nesselgrunder Höhen ein durchaus einheit-
licher und leicht zu übersehender wäre, dass eben das gesamte
Gebiet von Pläner eingenommen wird, so wird uns nun der östliche
Weg von Karlsberg über Utschendorf und Goldbach nach Reinerz
zeigen, dass dem in der Tat nicht so ist. Auch hier bewegen wir
uns natürlich vom Hangenden ins Liegende ; aber nachdem wir nörd-
lich von Utschendorf den oberturonen Pläner verlassen haben und
eine kurze Strecke im mittelturonen Pläner marschiert sind, stossen
wir plötzlich auf einen Quadersandstein, der sich durch das häufige
Vorkommen von Exogyra columba und Lima canalifera als ein Äqui-
valent des Quaders der Wünschelburger Lehne kennzeichnet. Erst
kurz vor Reinerz gelangen wir wiederum in den mittelturonen Pläner,
auf welchem die Stadt selbst steht. Versucht man, die Grenze des
Goldbach - Utschendorfer Sandsteins festzustellen, so bemerkt man,
dass es sich um eine Sandsteininsel handelt, die auf allen Seiten
von mittelturonem Pläner eingeschlossen ist. Ein zweites Sandstein-
vorkommen ist weiter östlich bei der Kolonie Höllenberg zu ver-
zeichnen, und auch das Nesselgrunder Gebirgsstück" im Südosten
von Reinerz setzt sich aus fast horizontal gelagertem Quadersandstein
zusammen. Dieser eigenartige Wechsel von Pläner und Quadersand-
steinen im Süden und Südosten des Heuscheuergebirges erschwert
zunächst das Verständnis für den geologischen Aufbau dieser Gegend.
Man hat bisweilen die Vermutung ausgesprochen *), dass die isolierten
') Leppla: a. a. O. Seite 31
Mittei'.iiiigeii XXIV.
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
98
Sandsteinvorkommen, wie wir sie bei Goldbach-Utschendorf und der
Kolonie Höllenberg finden, auf toktonische Veränderung zurückzuführen
seien. Dem widerspricht jedoch der ganz allmähliche Übergang der
petrographischen Facies, den man vor allem bei Goldbach und
Utschendorf wahrnehmen kann. Wir möchten uns aus diesem Grunde
eher der von Petraschek und anderen aasgesprochenen Ansicht an-
schliessen, dass das isolierte Vorkommen von Quadersandstein in
den mittelturonen Sedimenten durch fortgesetzte Verschiebung der
Facies Verhältnisse zu erklären ist, durch welche gerade das Turon
gekennzeichnet wird. In der Gegend von Goldbach-Utschendorf und
Höllenberg wurde eben das Mittelturon in Sandfacies, weiter nördlich
und nordwestlich in der Facies des Pläners entwickelt.
Ob wir auch die Sandsteine, welche sich im Südosten von Reinerz
zwischen Neu-Biebersdorf und Falkenhain ausbreiten, sowie die Sand-
steintafel des Nesselgrundes zu diesen mittelturonen Sandsteinen
stellen dürfen, oder ob nicht vielmehr diese Ablagerungen wenigstens
zum Teil als ein Äquivalent des obersten Heuscheuerquaders (Emscher)
anzusehen sind, muss dahingestellt bleiben, da dieses Gebiet noch
einer eingehenden stratigraphischen Untersuchung harrt *). Weiter
nach Südwesten, in der Umgegend von Reinerz, grenzt die Kreide-
formation, wie bereits oben erwähnt, durch eine Verwerfung un-
mittelbar an den Gneis und Glimmerschiefer des Urgebirges an. —
Wir wenden uns nunmehr der Betrachtung der tektonischen
Störungen zu, welche die fast horizontal gelagerten Kreideschichten
des Heuscheuergebirges und der Reinerz-Nesselgrunder Höhen durch-
setzen, und es erscheint wichtig, an dieser Stelle darauf hinzuweisen,
dass wir wohl die Tatsache einer Verworfung festzustellen imstande
sind, über die Art der Bewegung indessen nur Vermutungen anstellen
können. Ob die in geringerer relativer Höhe befindlichen und an
den Rändern geschleppten Schichtensysteme der Kreide wirklich ab-
gesunken sind, oder ob nicht vielleicht das Gegenteil, ein Empor-
pressen der randlichen Massive, stattgefunden hat oder sich gar beide
*) Auf zwei, allerdings nur flüchtigen Begehungen dieser Gegend konnte ich
in dem Sandstein von Pohldorf zwei Inoceramen sammeln, welche durch einen
Vergleich mit den von Flegel aus dem Emscher der Friedrichsgrunder Lehne
gesammelten Fossilien als Inoccramus Cuvicri bestimmt wurden. Ein oberturonee
Alter dieses Sandsteins erscheint somit sehr wahrscheinlich. Aus dem Sand-
stein der Kapuziner Platten konnte ich Fossilien nicht erhalten , jedoch scheinen
mir die Lagerungsverhältnisse und die ausserordentliche Übereinstimmung in
der petrographischen Facies mit dem Pohldorfer Sandstein darauf hinzuweisen,
dass auch der Saudstein der Nesselgrunder Tafel desselben Alters — also wahr-
Hcheinlich oberturon bis Emscher — sein wird.
Ortgtal tom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
99
Bewegungen kombiniert haben, ist ein Rätsel, dessen Lösung uns
wohl niemals glücken wird. Gewiss ist diese Frage für das endgiltige
Resultat der Lagerungsverhältnisse wenig bedeutungsvoll; immerhin
aber erscheint es angebracht, gelegentlich auf diesen Punkt hinzu-
weisen, um den hypothetischen Charakter irgend eines vermuteten
Hebungs- oder Senkungsvorganges nicht zu verwischen. *) —
Man kann nach dem Vorschlage von Frech 2 ) die Verworfungen,
welche die weit ausgedehnte Kreidetafel dieses mittleren Teils der
Grafschaft Glatz durchsetzen, in zwei grosse Gruppen einteilen und
demgomäss unterscheiden :
1. diejenigen Brüche, die im wesentlichen von OSO nach WNVV
verlaufen,
2. eine Anzahl von Spalten, die von NNW nach SSO, also in
annähernd meridionaler Richtung streichen. (Vergleiche zu den
folgenden Ausführungen die angeheftete tektonische Karte der
schlesisch-böhmischen Kreideablagerungen.
Der erste von OSO nach VVNW verlaufende Bruch beginnt bei
Putsch südlich von Glatz und setzt sich in N 70°W über Nieder-
Schwedeldorf bis nördlich von Ober-Schwedeldorf fort. An dieser
Bruchlinio stösst das Rotliegende mit den nach S geneigten Kreide-
schichten aneinander. Am Roten Berge bei Putsch sind in einem
Steinbruch die Schichten unmittelbar am Bruchrand aufgeschlossen.
Die Kreideschichten sind durch die tektonische Bewegung steil auf-
gerichtet, z. T. sogar überkippt, so dass sie hier mit einem Winkel
von 80° nach N einfallen 3 ) (Tafel III. Abb. 7). Es treten vom
Liegenden ins Hangende folgende Gesteine auf:
4. Plänerkalk mit Verwitterungslehm an den Kluftflächen (Zone
des lnoceramus Brongniarti, Mittelturon),
3. Quadersandstein, ca. 15 m mächtig, deutlich nach N einfallend
(Zone des lnoceramus labiatus, Unterturon),
2. blaugrauer, kalkig -ton ige r, mittelkörniger Sandstein, 5 m
mächtig (Grenze zwischen Cenoman und Turon, Grenzquader),
1. undeutlich geschichteter Quadersandstein, ca. 80 m mächtig.
Im Hangenden ist die Zerklüftung vorwiegend. Exogyra
columbctj Ptcten asper. (Cenoman).
! ) Vergl. hierzu Frechs Ausführungen über den grossen sudetischen Rand-
bruch in: „Über den Bau der schlesischen Gebirge". Geogr. Zeitschrift, Bd. 8,
1902. Heft 10, Seite 562 ff.
*) F. Frech : Reinerz als Zentrum der Glatzer Mineralquellen. Seite 9.
8 ) Vergl. : Führer für die geologischen Exkursionen in die Grafschaft Glatz^ ,
bearbeitet von K. Flegel und E. G. Friedrich, herausgegeben von F. Frech*.
Seite 13.
t Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
100
Dem Bruch Putsch — Ober-Schwedeldorf geht etwas südlicher
eine zweite grosse Verwerfung annähernd parallel, der Heuscheuer-
bruch, welcher durch zwei Querstörungen mit dem ersten Bruch in
■
Verbindung steht. — Die erste dieser Querstörungen, an welcher
ebenso wie an der anderen die Kreide im Osten abgesunken zu sein
scheint, verläuft von Agnesfeld in der Richtung N 15°W über Czett-
ritz nach Neu-Heide. Der zweite Bruch beginnt bei der Kolonie
Wallisfurth und streicht von NNO nach SSW, bis er AltrHeide er-
reicht. Hier knickt er bajonettförmig um und geht dann in den
eigentlichen Heuscheuerbruch über. Dieser verläuft nun in der
Richtung N70°W 1 ) über Walddorf, Neu-Rückers und Friedrichsgrund
und endet auf der Hochfläche von Karlsberg. Er zerlegt das Heu-
scheuergebirge in zwei schmale Längsstreifen, welche an der Bruch-
linie in vertikaler Richtung gegeneinander verschoben worden sind;
denn von Alt-Heide bis Friedrichsgrund grenzt der Quadersandstein
der Wünschelburger Lehne unmittelbar an den oberturonen Karls-
berger Pläner, und von Neu-Rückers bis zu den Seewiesen berühren
sich an dieser Bruchspalte der mittelturone Quader und Emscher
Sandstein. Die Sprunghöhe dieser Störung schätzt Leppla unterhalb
Friedrichsgrund auf mehr als 200 m.
Die letzte von OSO nach WNW gerichtete Störung stellt eine
grosse einheitliche Verwerfung dar, welche von Grafenort über Reinerz
hinaus bis nach Roms zu verfolgen ist. Zahlreiche Quellen dringen
längs der Verwerfung aus der Tiefe herauf und haben dieser Bruch-
linie den Namen „Grafenorter Quellenspalte" eingetragen. Sie ver-
läuft in der Richtung N 80° W von Grafenort nach Neu-Batzdorf
und berührt dann weiterhin die Ortschaften Falkenhain, Neu-Biebers-
dorf, Reinerz und Roms. Die Schichten fallen längs dieser Ver-
werfung nach Nordosten ein im Gegensatz zu den beiden voran-
gegangenen parallelen Störungen, so dass hierdurch der Gebirgs-
streifen Friedersdorf — Rückers — Neu-Falkenhain die Eigenschaft
einer Grabensenke erhält.
Mit der Grafenorter Quellenspalte kreuzen sich in der Gegend
von Reinerz eine Anzahl von Verwerfungen, die nunmehr bereits der
zweiten Gruppe, den annähernd meridional verlaufenden Brüchen,
angehören. Diese gliedern sich wiederum in die westlich gelegenen
Spalten von Cudova, in die Verwerfungen südlich von Reinerz und
in zwei grosse östliche Brüche.
• *) Zu sämtlichen Messungen wurde ein Kompass verwandt, der von N(0°)
iowohl über W(90°) als auch über 0(90°) nach 8(180°) eählt. Die magnetische
•Reklination ist mit 7 1 /« ° W in Rechnung gezogen worden.
°" 9 ""' ,ram
UNIVERSITY OF MICHIGAN
101
Die bedeutendste Störungslinie in der Umgegend von Cudova
ist die sogenannte Cudovaer Quellenspalte. Sie folgt dem Westabhang
des Mensegebirges und streicht dann in N 20° — 25° W an Lewin
vorbei nach Straussenei. Eine zweite Verwerfung beginnt südlich
von Lewin und ist in der Richtung N 35° W bis nach Hronow zu
verfolgen. Beide Störungen stimmen darin überein, dass an ihnen
die Kreideschichten gegen das Urgebirge ins Liegende verworfen
wurden, so dass die an den Rändern geschleppten Schichten von
Ost und West nach dem Innern zu einfallen und breite Rücken des
Urgebirge» auf beiden Flanken die Kreide umsäumen. Durch einen
dritten mittleren Kreidebruch, der durch Cudova selbst in nord-
südlicher Richtung verläuft, wird die Kreidescholle von Cudova
schliesslich noch in zwei parallele Streifen zerlegt.
Ganz ähnlich ist der tektonische Bau der Kreide im Süden von
Reinerz. An einer nach NNW gerichteten Verwerfung wurde die
Kreide des Altarberges vom Urgebirge des Predigtstuhles losgetrennt;
die Kreideschichten fallen nach Westen ein. Eine zweite, westlich
gelegene Bruchlinie, die sogenannte Reinerzer Quellenspalte, begrenzt
die Kreide im Osten gegen den Glimmerschiefer der Hohen Mense,
welche im Westen bis zu 1084 m ansteigt. Es bilden somit — genau
wie bei Cudova — die Kreideschichten an der oberen Weistritz eine
Grabensenke; und auch hier lässt sich analog den Verhältnissen von
Cudova ein mittlerer Bruch feststellen, der, von der Dachskuppe im
Süden bis zum Freudenberg streichend, die Kreidescholle in zwei
Längsstreifen teilt.
Anlässlich der Aufnahme des Kreidegebietes von Kronstadt
konnte Verfasser den Verlauf der wichtigsten Störungslinie im Süden
von Reinerz, der sogenannten Reinerzer Quellenspalte, genauer ver-
folgen. Die Kreide von Kronstadt stellt ein von Grunwald bis nach
Schwarzwasser sich erstreckendes, etwa 1 — Vit km breites Gebirgs-
stück dar, welches längs zwei paralleler Verwerfungen in das Urge-
birge eingebettet wurde. Die westliche Verwerfung, an welcher die
Kreide vom Glimmerschiefer des böhmischen Kammes (Adler-Gebirge)
losgetrennt wurde, ist die oben erwähnte Reinerzer Quellenspalte.
Sie beginnt bei Schwarzwasser im Südosten von Kronstadt und ver-
läuft nun mit einer ausserordentlichen Gleichförmigkeit der Richtung
(N 35° W) an Kronstadt vorbei nach Friedrichswald und von hier
immer in derselben Richtung bis nach Reinerz und Roms, wo sie
sich mit der Grafenorter Quellenspalte vereinigt, um sich alsdann
in einem flachen, nach SW geöffneten Bogen nach Straussenei zu
wenden. Die östliche Begrenzungslinio des Kronstädter Kreidegebietes
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
102
zieht sich am Westabhang des Habelschwerter Gebietes entlang. Ob
sie mit der Reinerzer Quellenspalte durch eine Querverwerfang- im
Zusammenhang steht, lüsst sich bei dem vollständigen Fehlen von
Aufschlüssen im Süden von Schwarzwasser nicht entscheiden. — Die
Bruchlinie verläuft in ihrem südlichen Teil genau parallel der Rein-
erzer Quellenspalte. Nördlich von Trtschkadorf aber ändert sie ihre
Richtung und durchquert in N 5° die Reichsgrenze; kurz dahinter
nimmt sie jedoch ihren ursprünglichen Verlauf wieder an and be-
grenzt nun in der Richtung N 35° W die Schwarzen Sümpfe nnd die
Seefelder, um sich dann schliesslich mit einem scharfen Knick nach
NO zu wenden, wo sie sich mit der ersten grossen östlichen Ver-
werfung vereinigt. — Der Bruchcharakter des von diesen beiden
Linien begrenzten Kreidegebiotes von Kronstadt offenbart sich vor
allem in dem Einfallen der Schichten längs beider Verwerfung-en
nach dem Innern zu (Tafel IL Abb. 4). So konnte sowohl in einem
Aufschluss an der Strasse von Trtschkadorf wie in einem kleinen
Steinbruch südlich von Kronstadt ein deutliches Einfallen der Schichten
nach SW festgestellt werden '), und entsprechend neigen sich die
Schichten auf der entgegengesetzten Seite am Abhänge des böhmischen
Kammes, wo mehrere kleine Schurflöcher anzutreffen sind, nach NO.
Zahlreiche Quellen sprudeln besonders an der westlichen Verwerfungs-
linie hervor, von denen einige sich durch ihren Kohlensäuregehalt
besonders auszeichnen.
An die beiden Bruchlinien tritt im NW bis hinunter nach Kron-
stadt nur Pläner heran; südlich von Kronstadt jedoch stellt sich auf
beiden Seiten ein Saum von Plänersandstein ein, dessen pulverförmige
Verwitterungsprodukte dem Gestein in der Bevölkerung die Be-
zeichnung „Mehlstein" eingetragen haben. — Dieser Plänersandstein
wird dann in seiner oberflächlichen Verbreitung immer ausgedehnter,
je weiter wir nach SO kommen, bis schliesslich der Pläner bei
Schwarzwasser vollkommen verschwindet, so dass der Plänersandstein
den südlichen Abschluss des Kronstädter Kreidegebietes bildet.
Zu erwähnen ist noch die eigenartige Lagerung der Pläner-
schichten im Süden von Grunwald an der Reichsgrenze. Hier muss
offenbar eine lokale Stauung beim Absinken eingetreten sein, denn
während dio Schichten an der Verwerfung selbst noch normal nach
SO einfallen, finden wir sie in kurzer Entfernung in nahezu senk-
rechter Aufrichtung, schliesslich sogar in überkippter Lagerung, so
dass sie hier unter einem Winkel von 80°, ja sogar 60° nach NW
') Eine Messung des Fallwinkels ergab in Trtschkadorf 10° — 12°, in Korn-
t 6° — 8°, stellenweise 10°.
, i Original from
UNIVERSITYOFMirMGAJ
103
einfallen. In kurzer Entfernung nach dem Innern der Kreideverbreitung
zu beginnt dann wieder das normale Einfallen nach SO.
Was das Alter der in dem Kronstädter Graben auftretenden
Gesteine anbetrifft, so lässt sich bei dem Mangel an Aufschlüssen
auch hierüber nur wenig sagen. Aus dem Plänersandstein südlich
von Kronstadt sammelte ich einige Exemplare von lnoceramus labiatus
Schloth., die auf ein unterturones Alter der sandigen Ablagerungen
hinzuweisen scheinen. Ist diese Vermutung richtig, so wird man
den im Hangenden befindlichen Pläner als mittelturon ansprechen
dürfen und ihn dem mittelturonen Pläner von Reinerz gleichsetzen,
mit dem er ja auch in seiner oberflächlichen Verbreitung unmittelbar
zusammenhängt. —
Etwa in der Fortsetzung der Längsrichtung des Kronstädter
Grabens nach SO finden sich zwei isolierte Sandsteinvorkommen bei
Cihak und bei Nesselfleck. Sie stellen offenbar Ablagerungen in
ursprünglich vorhandenen Mulden des Urgobirges dar; denn die Be-
grenzung gegen den Gneis und Glimmerschiefer ist bei beiden eine
unregelmässig lappige Linie, die Lagerung der Schichten eine hori-
zontale. Von Fossilien fand ich in den beiden Pecten asper } Pecten
aequicostatus und Exogyra columba. Es handelt sich hier also
offenbar um zwei cenomane Sandsteininseln, die sich trotz der relativ
bedeutenden Höhe über dem Meeresspiegel erhalten haben, weil sie
eben in kleinen Becken des Urgebirges zum Absatz gelangten und
auf diese Weise geschützt waren gegen die zerstörenden Kräfte der
Verwitterung.
Die beiden grossen Östlichen Verwerfungen, zu deren Besprechung
wir nunmehr gelangen, bezeichnet Leppla als Staffelbrüche '). Sie
werden dadurch charakterisiert, dass an beiden die Kreide im NO
vom Urgebirge im SW losgetrennt wurde. — Der erste Bruch begrenzt
die Nesselgrunder Kreidetafel gegen den Gneis im Westen. Die
Verwerfung setzt am „Dürren Berge" zwischen Voigtsdorf und Kaisers-
walde ein und verläuft zunächst in der Richtung N 30° W ; später
wendet sie sich mehr nach Westen und nimmt die Richtung N 50° W
an. In dieser Richtung streicht sie an Tannigt vorbei, vereinigt
sich alsdann mit dem östlichen Bruch des Kronstädter Grabens und
endet südlich von Biebersdorf im Reinerzer Forst zwischen dem
Holzberg und der Bläskekoppe. —
Die letzte grosse Verwerfung ist die Störung Hohndorf — Alt-
Wei8tritz— Sauerbrunn— Falkenhain. Sie setzt östlich von Hohndorf
l ) Leppla: a. a. 0. Seite 33.
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
104
an der Kliegelkoppe ein und verläuft in der Richtung N 30° W bis
zum Dohlenberg, wo sie mit scharfem Knick umbiegt, um in N lO " O
Alt-Weistritz zu erreichen. Von hier nimmt sie ihre alte Richtung
von N 55° W wieder an. Am Biems-Berg setzt jedoch abermals
eine Querstörung ein, welche eine parallele Verschiebung der Ver-
werfung nach NO bewirkt. Von Sauerbrunn ab verläuft dann die
Störung mit ziemlicher Gleichförmigkeit in N 60° W, berührt
weiterhin Pohldorf und verliert sich schliesslich südlich von Falken-
hain. An dieser Verwerfung, welche die Kreidescholle im NO gegen
das horstartige Urgebirgsmassiv von Neu - Weistritz, Voigtsdorf,
Spätonwalde, Hüttengut im SW abgrenzt, hat eine bedeutende Auf-
richtung der Kreide stattgefunden, und das Einfallen der Schichten
nach NO und kennzeichnet die Verwerfung gleichzeitig als die
natürliche westliche Grenze des Neissegebietes. —
c. Wollen wir den geologischen Aufbau auch des dritten Abschnittes,
des Neissegebietes, mit einigen Worten kennzeichnen, so werden wir
sagen dürfen, dass die Kreide des Neissegebietes das im grossen
darstellt, was wir im kleinen in der Grabensenke von Kronstadt
kennen gelernt haben. Auch in dem Gebiet der Glatzer Neisse wird
die Kreideformation durch zwei parallele Brüche abgegrenzt gegen das
Urgebirge, dessen Höhen die Kreidescholle auf beiden Seiten um-
säumen; und aus der Tatsache, dass wir in dem Neissegebiet Ab-
lagerungen antreffen, die, wie wir unten sehen werden, trotz der
geringeren Meereshöhe (1 — 300 m) gleichalterig sind mit den obersten
Schichten des Heuscheuergebirges (7-900 m), dürfen wir wohl den
Schluss ziehen, dass es sich hier um eine gewaltige Einsenkung der
Kreideschichten längs der beiden parallelen Verwerfungen handelt.
Den Bruch Hohndorf — Alt-Weistritz — Falkenhain hatten wir als
nordwestliche Grenze der Neissesenke bereits kennen gelernt. Eine
zweite grosse Störungslinie setzt nördlich von Brand ein und bildet,
etwa in der Richtung N 10° — 15° W streichend, die Grenze der
Kreideformation des Neissegebietes gegen den westlichen Gneis und
Glimmerschiefer. — Am Ostabhang der Schlösselkoppe beginnend,
verläuft diese Störungslinio zunächst in N 60° W bis westlich von
Hohndorf, wo unter scharfem Knick ein Umbiegen in die Richtung
N 10" W stattfindet. Diese Richtung wird nun in dem weiteren
Verlauf im wesentlichen beibehalten. An Lichtenwalde vorbei über
Seitendorf und Rosental können wir den Bruchrand deutlich verfolgen,
bis wir zu dem Dorf Steinbach gelangen, wo einige Querverwerfungen
vorhanden zu sein scheinen. Von Steinbach aus verläuft dann die
ndverwerfung in der Richtung N 45 ° W bis westlich von Bobischau.
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
105
Hier findet abermals ein Umbiegen statt, nnd in der Richtung
N 10° W können wir nan die Störungslinie nach Böhmen hinein
verfolgen, bis sie bei Schildberg ihr Ende erreicht.
Durch eine westöstlich gerichtete Querverwerfung wird hier der
Zusammenhang mit der östlichen Randverwerfung hergestellt. Diese
verläuft von Schildberg aus zunächst parallel dem westlichen Bruch
etwa in N 5° W, bis sie bei Bobischau wieder in reichsdeutsches
Gebiet eintritt. Sehen wir von einigen unbedeutenden Quer-
verwerfungen, z. B. der ost-westlich gerichteten von Schreibendorf,
ab, welche uns deutlich die Einwirkung zweier verschiedener tek-
tonischer Richtungen, der nord-süd gerichteten und der hercynischen,
vor Augen führen, so wird man als Streichrichtung der östlichen
Bruchlinie bis Neuendorf etwa N 20 ° angeben dürfen. Hier nimmt
die Verwerfung fast genau nordsüdliche Richtung an und verläuft
nun über Kieslingswalde nach Neu-Waltersdorf, wo sie plötzlich
ihre Richtung abermals ändert, um in N 55 ° W über Alt- Waltersdorf,
Herrndorf und weiterhin an der Antonienkapelle nördlich von Grafen-
ort vorbei bis ins Neissetal sich zu erstrecken. Leppla hat — und
wohl mit Recht — die Vermutung ausgesprochen, *) dass im Neissetal
zwischen Grafenort und Rengersdorf noch eine südnördlich gerichtete
Verwerfung vorhanden sein wird, welche die Verbindung des östlichen
Bruchrandes mit dem bei Putsch beginnenden Bruch herstellen
würde. Bei der Bedeckung mit Diluvium und Alluvium lässt sich
augenblicklich hierüber eine Entscheidung nicht fällen.
Allseitig durch Bruchlinien gegen das Urgebirge abgegrenzt,
besitzt die Neissesenke nur im NW keine tektonische Grenze. Die
schwache südöstliche Neigung der Schichten des Heuscheuergebirges
aber lässt erkennen, dass der Abbruch der Neissesenke auch hier
eingewirkt hat.
Beim Einbruch der Kreidedecke an den eben kurz vorfolgten
Bruchlinien trat naturgemäss eine randliche Aufrichtung der Schichten-
systeme ein, so dass hier die ältesten Ablagerungen, die wir in dem
Neissegebiet überhaupt antreffen, in steiler Lagerung zutage treten
(Tafel II. Abb. 5 und 6). Es sind die uns schon aus den beiden
westlichen Gebieten bekannten Gesteinsarten, cenomaner Quader-
sandstein und turoner Pläner. Das Innere der Neissesenke jedoch
wird von Gesteinen eingenommen, die man gewöhnt ist, unter dem
Namen „Kieslings walder System" zusammenzufassen. Dieses besteht
aus einer unteren Abteilung, die im allgemeinen tonig -kalkige
*) Leppla : a. a. O. Seite 36/37.
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
106
Ablagerungen umfasst — den Kieslingswalder Ton — , und einer
oberen, einer Sandsteinbildung, — dem Kieslingswalder Sandstein. —
Den weitaus grössten Teil des vom Kieslingswalder System bedeckten
Raumes nehmen die Kieslingswalder Tone ein. Es sind graue oder
blaugraue Gesteine, welche durchaus an den Pläner erinnern, von
diesem jedoch durch die häufig auftretenden Ton- und Brauneisen-
steinknollen unterschieden werden, welche für die Kieslingswalder
Tone bezeichnend sind. Fast überall, wo Kieslingswalder Ton auf-
geschlossen ist, finden wir eine innige Wechsellagerung von Ton
und Sandstein, welche auf die enge Zusammengehörigkeit der beiden
Abteilungen des Kieslingswalder Systems hinweist (Tafel III. Abb. 8).
Schon während des Absatzes der tonigen Kieslingswalder
Schichten muss offenbar ein gelegentliches Seichterwerden des Kreide-
meeres stattgefunden haben, welches schliesslich dazu führte, dass
nur noch sandige Sedimente zum Absatz gelangten. Der auf diese Weise
entstandene Kieslingswalder Sandstein, welcher nur in dem Winkel
von Kieslingswalde und südlich von Mittelwalde sich erhalten hat,
ist von grauer oder graublauer Farbe und zeichnet sich vor allem
durch einen auffallenden Reichtum an Glimmerschüppchen aus; zahl-
reiche Abdrücke von Laubblättern weisen auf die Nähe der damaligen
Küste hin. — Mit dem allmählich einsetzenden Rückzug des Kreide-
ozeans vergrösserte sich dann die Korngrösse der Ablagerungen, so
dass wir im Hangenden des Kieslingswalder Sandsteins Konglomerate
beobachten (Tafel II. Abb. 5), welche uns als letzte Reste des nun
endgiltig verschwindenden Meeres in den schroffen Riffen der Hirten-
steine bei Kieslingswalde erhalten geblieben sind. — Die Kenntnis der
stratigraphischen Stellung des Kieslingswalder Systems verdanken
wir vor allem den Untersuchungen Sturms. 1 ) Dieser führte für die
Kieslingswalder Tone eine Zweigliederung ein; die untere Abteilung,
die als Leitfossil den lnoceramus Brongniarti führt, stellt er dem-
gemäss zum Mittelturon, während er die oberen Kieslingswalder
Tone nach dem Vorkommen von lnoceramus Cuvieri zum Oberturon
rechnet. Aus dem Kieslingswalder Sandstein führt Sturm Placen-
ticeras Orbignyanum Gein., Baculites ineurvatus Duj. und
Turrilites varians Schlüt. und einige andere Ammoniten an, die
gemeinsam mit den hier gefundenen Inocoramen: lnoceramus
involutus Sow. und lnoceramus lobatus Münst. entschieden auf
Emscher-Ablagerungen hinweisen, in denen sich allerdings senone
Elemente bereits stark geltend machen 2 )
') Sturm: (Siehe Seite 88, Anmerkung 7).
2 ) Sturm: a. a. O. Seite 63.
t Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
107
Die Schichten des Kieslingswalder Systems schmiegen sich natur-
gemäs8 den beim Absinken steil gestellten, stellenweise sogar über-
kippten älteren Kreideschichten an und fallen im allgemeinen von
Osten und Westen nach dem Innern der Grabensenke zu ein
(Tafel II. Abb. 5 und 6). — Auf die muldenförmige Lagerung des
Sandsteins von Rieslings wal de sowie einige andere unbedeutende
Abweichungen von der regelmässigen Lagerung einzugehen, würde
über den Rahmen dieser Arbeit hinausführen. —
Fassen wir nunmehr mit einigen Worten das Ergebnis
des ersten Teils unserer Betrachtungen zusammen, so
werden wir uns daran zu erinnern haben, dass wir in dem
Gebiet von Adersbach-Weckelsdorf eine typische Synkline
kennen gelernt hatten, deren Achse von Nordwest nach
Südost verläuft und deren Schichten dementsprechend von
Südwest und Nordost nach dem Muldeninnern einfallen.
Tektonische Störungen sind innerhalb dieser Synkline nicht
zu verzeichnen.
Das Heuscheuergebirge und die Reinerz-Nesselgrunder
Höhen sind im Gegensatz hierzu durch eine fast völlig
horizontale Lagerung der Schichten ausgezeichnet, und
diese weit ausgebreitete Decke wird zerstückelt durch eine
Reihe von Verwerfungen, welche entweder die hercynische
Streichrichtung bevorzugen oder von N nach S gerichtet sind,
oder endlich — wie die beiden östlichen Staffelbrüche —
in einer Richtung verlaufen, welche etwa der Resultierenden
der beiden Hauptrichtungen entspricht.
Das Gebiet der Glatzer Neisse endlich stellt ein lang
gestrecktes Gebirgsstück dar, das an zwei parallelen, an-
nähernd von N nach S gerichteten Verwerfungen in das Ur-
gebirge eingesunken ist. Dass der grösste Teil dieses
Gebietes von dem plänerähnlichen Kieslingswalder Ton
eingenommen wird, ist für das Zustandekommen der Ober-
flächenform von grosser Bedeutung. Denn wenn auch der
geologische Aufbau in allererster Linie massgebend für
die Oberflächenform ist, so spielen daneben die petro-
graphischen Eigenschaften der das Gebiet zusammen-
setzenden Gesteine und die damit zusammenhängende Ver-
witterung und Abtragung eine überaus wichtige Rolle.
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
108
Kapitel II.
Verwitterung und Abtragung im Gebiet der
schlesischkböhmischen Kreideformation.
Mit Rücksicht auf die Zwecke der folgenden Untersuchungen,
einen Zusammenhang zwischen Verwitterung und Oberflächenfonn
abzuloiten, erscheint es notwendig, den stratigraphischen Gesichts-
punkt nunmehr zurücktreten zu lassen und dafür mehr Gewicht auf
die petrographischen Eigenschaften der zu behandelnden Gesteine zn
legen. Wir werden daher die Sandsteine der Kreideformation auf
der einen Seite zusammenfassen und alle plänerartigen Gesteine —
also auch den Kioslingswalder Ton — ihnen gegenüberstellen.
Unter Verwitterung verstehen wir die Gesamtheit aller Zerfall-
erscheinungen des festen Gesteins, welche durch die Einwirkung der
Atmosphärilien und der Organismen herbeigeführt werden.
a. Wollen wir nun einen Einblick gewinnen in die Verwitterungs-
vorgänge, welche sich in den Sandsteinen vollziehen, so ist es not-
wendig, zunächst die chemische Zusammensetzung dieser Gesteine,
ihre Strukturverhältnisse sowie ihre sonstigen physikalischen Eigen-
schaften kennen zu lernen. — Die Sandsteine setzen sich aus zwei
Bestandteilen zusammen, einem körnigen Gemengteil, der, abgesehen
von etwaigen accessorischen Beimengungen, aus reinem Quarz besteht,
und aus mikrogranulösen Substanzen, die bald kalkiger, mergeliger,
bald toniger oder kieseliger Natur sind und die Zwischenräume
zwischen den einzelnen Quarzkörnchen mehr oder minder vollständig
erfüllen. Unterziehen wir nun die Sandsteine einer Analyse, so wird
*
es uns in der Tat gelingen, die einzelnen Substanzen voneinander zu
trennen; wir können dann angeben, wieviel Prozent Kieselsäure,
wieviel Tonerde, Kalk usw. in den Gesteinen enthalten sind; trotz-
dem worden wir enttäuscht werden, wenn wir annehmen, dass diese
chemische Untersuchung uns wertvolle Aufschlüsse über die Be-
dingungen der Verwitterung der Sandsteine geben wird. Selbst die
umfangreichste Analyse vermag nicht, diese Erwartungen zu erfüllen.
>
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
109
Es ist das nnbestreitbare Verdienst Hirsch walds *), die Un-
zulänglichkeit der chemischen Analyse für die Untersuchung der Ver-
witterung der Sandsteine ausführlich dargestellt zu haben. Er fand
nämlich, dass bei den Sandsteinen ein eindeutiger Zusammenhang
zwischen dem Prozentualgehalt an Kieselsäure und Bindemittel-
substanz auf der einen und Verwitterbarkeit auf der anderen Seite
nicht besteht. Obwohl doch der Quarz ein Mineral ist, das den Ein-
wirkungen der Atmosphärilien selbst in geologischen Zeiträumen auf
das vollkommenste Widerstand zu leisten vermag, beobachtete er
Sandsteine mit hohem Kieselsäuregehalt, die trotzdem schnell ver-
witterten. Und auf der anderen Seite konnte er feststellen, dass
sich gelegentlich Sandsteine mit einem relativ geringen Kieselsäure-
gehalt und einem prozentual hohen Bindemittelgehalt als sehr
wetterbeständig erwiesen, selbst wenn das Bindemittel aus lockrem,
pulverfbrmigen Kaolin bestand
Die mikroskopische Untersuchung lieferte nun die Lösung dieses
eigenartigen Problems. Der Zusammenhang der körnigen Bestand-
teile des Sandsteins wird nämlich noch auf eine andere Weise als
durch jene Bindemittelsubstanz bewirkt. Bei der Mehrzahl der festen
Sandsteine erkennt man an Dünnschliffen, dass die Quarzkörnchen
durch eine Uberrindung von reiner Quarzmasse miteinander verwachsen
sind, während das tonige, kalkige oder mergelige Bindemittel nur
die Hohlräume ausfüllt, welche durch das Zusammenwachsen der
Quarzkörner entstehen. 2 ) Hirschwald schlägt für diese Uberrindung
den Namen Kontaktzement vor, während er das „Bindemittel" als
Porenzement bezeichnet. Fehlt das Kontaktzement vollkommen, so
dass die einzelnen Quarzkörnchen in dem Bindemittel gleichsam
schwimmen, so nennt Hirschwald diese Erscheinung Basalzement.
In diesem Falle ist vor allem der Silifizierungsgrad des Bindemittels
zu berücksichtigen, welcher bei derartigen Sandsteinen dann geradezu
als das wichtigste Kriterium der Wetterbeständigkeit zu betrachten
ist und den Mangel an einem kieseligen Kontaktzement durchaus
ersetzen kann.
Nach diesen Darstellungen werden wir nun leicht den Mangel
einer chemischen Analyse erkennen: sie vormag zwar, den gesamten
Kieselsäuregehalt eines Sandsteins anzugeben, sie ist aber nicht
imstande, die Kieselsäure, die als Kontaktzement oder Infiltrations-
substanz des Bindemittels auftritt, von der Kieselsäure der Quarz-
l ) J. Bir8chwald ; Prüfung der natürlichen Bausteine, Berlin 1908.
8 ) Hirschwald: a. a. 0. Seite 263.
t Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
110
körnchen zu trennen. Und hierin ist eben ihre Unzulänglichkeit be-
gründet; denn gerade die Trennung der den verschiedenen struk-
turellen Bestandteilen des Gesteins angehörigen Kieselsäuremengen
würde eine chemische Untersuchung erst wirklich lohnend machen,
und hierzu roichen leider die bisherigen analytischen Methoden
nicht ans
Von den grundlegenden Untersuchungen Hirschwalds ausgehend,
dürfte es uns daher nicht genügen, die Sandsteine der Kreideformation
lediglich zu analysieren, sondern es stellte sich gleichzeitig die Not-
wendigkeit heraus, sie auch mikroskopisch zu untersuchen ! ).
Von den cenomanen Sandsteinen erschien eine ausführliche chemische
Analyse allerdings ans mehreren Gründen nicht ratsam und lohnend.
Einmal besitzen die cenomanen Ablagerungen, wie wir im ersten
Abschnitt gesehen, nur geringe oberflächliche Verbreitung und sind
eigentlich nur in den Randerhöh nngen der Adersbach-Weck eis dorfer
Mulde von Einfluss auf die Oberflächenform. Andererseits aber weisen
die cenomanen Sandsteine an ganz benachbarten Punkten bereits
makroskopisch so grosse Unterschiede auf, dass eine Probe dieses
Gesteins noch viel weniger wie bei allen anderen Sandsteinen uns
einon allgemeinen Begriff von der Zusammensetzung der ganzen Stufe
geben würde. — Daher wurde von einer Analyse des cenomanen
Sandsteins abgesehen. Das Gestein dieser Stufe ist ein rötlicher,
gelblicher, brauner oder grauer Quarzsandstein von mittlerem, selten
feinem Korn. Er zeichnet sich vor allem durch das reichliche tonige
Bindemittel aus, welches die einzelnen Quarzkörnchen von allen
Seiten umhüllt, so dass es hier durchaus angebracht ist, von Basal-
zellen t im Sinne Hirsch walds zu sprechen. Einzelne Schichten werden
gekennzeichnet durch ihren Reichtum an Glaukonitkörnchen, welche
eine mehr oder weniger intensive Grünfarbung zur Folge haben.
An anderen Stellen geht dieser cenomane Sandstein in eine rötliche
Arkose über, die aufs deutlichste das aufgearbeitete Rotliegende
erkennen lässt. Auch konglomeratische Lagen stellen sich hin und
wieder ein.
») Ich möchte an dieser Stelle nicht verfehlen, Herrn Dr. Lindner und
Herrn Dr. WyKogorski meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen. Bei den
mineralchemiechen Untersuchungen, die ich in der mineralchemischen Abteilung
des Mineralogischen Institus der Universität Breslau ausführen durfte, hatte
Herr Dr. Lindner die Güte, mich anzuleiten und zu unterstützen. Herr Dr.
Wysogoraki half mir in überaus liebenswürdiger Weise in der Bestimmung der
mikroskopischen Eigenschaften der Gesteine. Beiden Herren bin ich zu grossem
Dank verpflichtet.
Ongmalf™
UHIVERSITYOF MICHIGAN
111
Im Gegensatz zu dem cenomanen Sandstein mit seinem reichlichen
tonigen Bindemittel zeichnen sich die turonen Sandsteine, wie man bereits
mit blossem Auge wahrnehmen kann, durch ein deutliches Zurück-
treten des Bindemittels aus. Varietäten von mittlerem Korn herrschen
hier durchaus vor, wenngleich ein Feinerwerden des Korns in ein-
zelnen Bänken nicht zu verkennen ist. Andererseits treten gelegentlich
auch in dieser Stufe Lagen mit Quarzgeröllen bis zu Haselnussgrösse
auf '). In Bezug auf den Eisengehalt des Bindemittels schwankt
das Gestein vielfach und innerhalb weiter Grenzen. Häufig finden
wir parallele Lagen besonders eisenschüssiger Substanzen, die an
anderen Stellen in schrägen, nicht selten senkrechten Blättern
(Schlieren) oder auch in kugeligen Gebilden das Gestein durchsetzen.
Im Wünschelburger Steinbruch endlich findet sich die Exogyra
columba in so massenhafter Anhäufung, dass man förmlich von Exo-
gyren-Bänken sprechen muss. Dieselbe Erscheinung berichtet übrigens
R. Beck aus der Sächsischen Schweiz 2 ). Ebenfalls im Wünschel-
burger Steinbruch sind eigentümliche, offenbar minerogene Bildungen
zu beobachten. Es finden sich dort Sandsteinkugeln von einem
Durchmesser von 10 — 25 cm, welche in verschiedenen Schichten des
mittelturonen Sandsteins regellos verteilt sind. Häufig sind diese
Kugeln durch eine wenige mm starke Schicht lockeren Sandes von
dem sie umgebenden Sandstein getrennt, so dass sie dann leicht
herauszubekommen sind. In anderen Fällen fehlt diese Zwischen-
schicht wiederum, so dass die Kugeln fest in den Sandstein eingelagert
sind. Diese Kugeln zeichnen sich durch grosse Härte aus; beim
Betupfen mit Salzsäure konnte ich bei den acht untersuchten Kugeln
nur einmal ein schwaches Aufbrausen bemerken, so dass man in
diesem Falle wohl auf ein Bindemittel von Kalkcarbonat schliessen
kann.
Derartige Sandsteinkugeln sind meines Wissens aus den
schlesisch-böhmischen Kreideablagerangen und auch aus der Sächsischen
Schweiz noch nicht beschrieben worden. In Westdeutschland aber
haben A. v. Koenen s ) und seine Schüler *) sie wiederholt beobachtet,
') Käsebrettplateau, Felspartie an den Sieben Kammern (Wünschelburger
Lehne).
*) R. Beck : Erläuterungen zur geologischen Spez 'talkarte des Königsreichs
Sachsen. Sektion Königstein-Hohnstein, Blatt 84 Seite 10.
*) A. v. Koenen: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 43,
1891. Seite 790.
4 ) Erläuterungen zur geologischen Karte von Preussen, Lfg. 127, Bl. Alfeld.
Geognostisch bearbeitet von A. v. Koenen, Q. Müller und 0. Orupe. Seite 29 ff.
(Hilssandstein).
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
112
und zwar in den verschiedensten Formationen, so dass es sich keines-
wegs um eine Eigentümlichkeit nur des Kreidesandsteins zu handeln
scheint.
Zur Untersuchung gelangten drei Proben, von denen die ersten
zwei der Wünschelburger Lehne entstammen, während die letzte der
Sandsteininsel von Goldbach-Utschendorf entommen wurde.
Probe I der Wünschelburger Lehne ergab folgende chemische
Zusammensetzung :
SiO* 91.98
AI2O3 3.67
FeaOs 0.75
CaO 0.29
MgO 0.32
K2O 0.83
Na 2 0.95
H2O 1.47
100.26
Die Probe II zeigte nur wenig Abweichung hiervon:
SiOa 91.56
AI2O3 4.09
Fe 2 3 0.82
CaO 0.17
MgO 0.27
K2O 1.29
Na 2 0.57
H2O 1.37
100.14
Im Dünnschliff zeigte sich bei diesem Sandstein, dass das
Bindemittel in der Tat auffallend zurücktritt und die einzelnen
Quarzkörnchen bereits durch eine feine Haut von Kieselsäure mit-
einander verwachsen sind (schwaches Kontaktzement). Im Binde-
mittel fand sich Feldspat ziemlich reichlich vor; er war teils frisch
(nicht selten Mikroklin-Struktur), teils in tonige und glimmerige
Substanzen zersetzt. Ausserdem fanden sich spärliche Andeutungen
zersetzter Mg, Fe-haltiger Substanzen. Die Quarzkörnchen selbst
sind teils eckig, teils rundlich. Sie liegen infolge des Kontakt-
zements verhältnismässig dicht aneinander ; indessen lassen sich Poren
deutlich wahrnehmen.
Der Dünnschliff des Goldbach-Utschendorfer Sandsteins stimmt
mit dem des Wünschelburgers im wesentlichen überein. Das schwache,
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
113
kieselige Kontaktzement und das spärliche, tonige Bindemittel finden
wir auch hier wieder. Die Feldspatindividuen, die sich im Binde-
mittel vorfinden, sind zum grössten Teil in tonigo Substanzen um-
gewandelt; die Quarzkörnchen sind auch hier zum Teil eckig, zum Teil
rund geformt. Die Analyse zeigt entsprechend grosse Ähnlichkeit
mit der des Wünschelburger Sandsteins:
AhOs 3.89
FeaOs 0.94
CaO 0.07
MgO 0.21
KtO 0.72
Na*0 0.94
H2O 0.94
100.20
Ein wesentlich anderes Resultat liefert dagegen die Untersuchung
des Emschersandsteins aus dem Heuscheuergebirge. Die Analyse
lautet folgendermassen :
SiO* 98.07
AI2O3 0.66
Fe 2 0.<j 0.10
CaO 0.02
MgO 0.04
K2O 0.09
Na*0 0.04
H2O 0.50
99.52
Auffallend an dieser analytischen Untersuchung ist besonders der
hohe Kieselsäuregehalt, dessen strukturelle Bedeutung wir jedoch erst
aus der mikroskopischen Untersuchung zu erkennen vermögen. Die
grösstenteils rundlichen Quarzkörnchen sind von einer starken kon-
zentrischen Schicht von Kieselsäure umgeben, so dass die einzelnen
Individuen aufs festeste miteinander verwachsen sind. Die Raum-
erfüllung ist eine sehr vollständige, so dass die Poren von ungemein
geringer Grösse sind. Ein spärlich eisenschüssiges, ebenfalls noch
silifiziertes Zement erfüllt die Hohlräume zwischen den einzelnen
Quarzkörnchen. In diesem Porenzement finden sich nur selten Feld-
spatindividuen, etwas häufiger dunkle, aus toriigen Substanzen und
Eisenoxyd zusammengesetzte Häufchen, die offenbar das Zersetzungs-
produkt des Biotit darstellen. Muskowitblättchen sind spärlich.
MUteiluDgen XXIV 8
Original from
UNIYERSITY OF MICHIGAN
114
Ganz vereinzelt lässt sich Zirkon nachweisen. — Von der ausser-
ordentlichen Härte, welche dem Gestein infolge des ausgeprägten
kieseligen Kontaktzements eigen ist, kann man sich vielleicht erst
dann einen rechten Begriff machen, wenn man erfährt, dass den
Steinbruchsarbeitern z. B. an der Friedrichsgrunder Lehne ein Lohn-
zuschuss von 150 % gewährt werden muss, um überhaupt nur
Arbeitskräfte für dieses Material zu bekommen.
Die Sandsteinkugeln, welche im Wünschelburger Steinbruch uns
begegnet waren, finden sich in dem Emschersandstein nicht mehr.
Dafür erscheinen neue eigenartige Gebilde, die Sandlöcher, die sich
zwar ganz vereinzelt auch schon in den cenomanen Sandsteinen vor-
finden (Cihak), im Mittelquader stellenweise bereits in grösserer
Anzahl auftreten (im Wünschelburger auffallend selten, häufiger da-
gegen in Adersbach und Weckelsdorf) und nun schliesslich hier in
dem Emscher derartig massenhaft den Sandstein durchsetzen, dass
sie für die Modellierung der Felsen von grosser Bedeutung werden.
Es sind kugelförmige Hohlräume mit einem Durchmesser von
wenigen cm bis zu 1,20 m, die mit lockrem Sande angefüllt sind.
In der Farbe und der Form des Kornes weicht dieser Sand meistens
nicht ab von dem umschliessenden harten Sandstein. Nur hin und
wieder kommt es vor, dass eine Braunfärbung des lockren Sandes
eingetreten ist und sich eine eisenhaltige Schicht wie eine Rinde an
der Innenwand der Sandlöcher abgesetzt hat.
Diese eigentümlichen Bildungen sind bisher noch keiner ein-
gehenden Untersuchung gewürdigt worden, obwohl sie eine weit
verbreitete Eigentümlichkeit der verschiedensten Sandsteine darstellen.
Andree 1 ) und Haack 2 ) berichten von derartigen Loch-
bildungen aus dem Teutoburger Wald-Sandstein, A. v. Koenen 3 )
und Ebert 4 ) aus dem mittleren Buntsandstein, und schliesslich hatte
Herr Dr. Basedow die Liebenswürdigkeit, mir eine kleine Notiz
zu übersenden, in der er von ganz ähnlichen Erscheinungen in
tertiären Sandsteinen Südaustraliens berichtet. 5 ) Als Entstehungs-
*) K. Andrie: Der Teutoburger Wald bei Iburg. Inaugural - Dissertation,
Göttingen 1904, Seite 27 ff.
8 ; IV. Haack : Der Teutoburger Wald südlich von Osnabrück. Inaugural-
Dissertation, Göttingen 1907, Seite 65 ff.
■) A. v. Koenen: Erläuterungen zu der geologischen Spezi alkarte von
Preussen, 62. Lfg. Blatt Reinhausen, Seite 6 ff.
*) A. v. Koenen und 27». Ebert: Erläuterungen zu der geologischen Spezial-
karte vou Preussen, 62. Lfg. Blatt Waake, Seite 11 ff.
8 ) H. Basedow: Note on Tertiary Exposures in the Happy Valley District.
Transactions of the Royal Society of South Australia 1904, Seite 260 ff.
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
115
Ursache für die Anhäufung lockeren Sandes in festem Gestein wird all-
gemein eine lokale Konzentration, eine Konkretion von verschiedenen
leicht zerfallenden Mineralsubstanzen im Bindemittel angenommen,
welche vom Sickerwasser in lösliche Substanzen umgewandelt und
ausgelaugt werden, so dass dann „masses consisting of uncemented
sand-grains" l ) übrig bleiben. Derartige Bindemittelsubstanzen können
kalkig-dolomitisch sein, können aus Eisenkarbonat oder Kalkkarbonat
bestehen oder endlich im wesentlichen von Markasit 2 ) gebildet
werden. Die Entstehungs weise der Sandlöcher ist demnach eng
verwandt mit jener von Hirschwald als subkutane Verwitterung
beschriebenen Erscheinung 3 ) und entspricht somit in gewisser Beziehung
auch der von Walther 4 ) aus der Wüste geschilderten Verwitterung
von innen heraus, welche dort zur Bildung der Hohlblöcke Veran-
lassung gibt. 5 ) — Um einen Überblick über die Zusammensetzung der
lockeren Sandmassen zu erhalten und gleichzeitig Material für weitere
Studien dieser interessanten Bildungen zu schaffen, analysierte ich
aus drei Sandlöchern je eine Probe des lockeren Sandes und der
einschliessenden Wandung. Die Probe I und II entstammen dem
Friedersdorfer Sandstein, aus dem auch die Probe des Emschersand-
steins herrührt, dessen Analyse wir oben mitgeteilt; die Probe III
dagegen entstammt einem Sandloch des Cihaker Sandsteins.
I. Weisser Sand mit ebenfalls heller Wandung (Friedersdorf):
Lockerer Sand Wandung
SiO* 98.89 98.76
Ahos .
.... 0.91 ....
. . 0.82
FtOs
... 0.14 ....
... 0.16
CaO
... 0.03
0.04
MgO ,
, ... 0.24 ....
0.05
K*0
, ... 0.05 ....
0.09
Na 2 ...
f • • • ^^ ■ ■■ * ■ • •
.... 0.11
H2O
, ... 0.32 ....
.... 0.41
100.82
100 . 44
') Basedow: a. a. O. Seite 259.
•) Haack: a. a. O. Seite 67.
*) Hirschwald ; a. o. 0. Seite 316.
4 ) Johannes Walther: Gesetz der Wüstenbildung, Berlin 1900, Seite 20/21.
*) Es liegt nahe, anzunehmen, dass ein Zusammenhang zwischen den Sand-
steinkugcln des Wünschelburger Steinbruchs und den Sandlöchern des obersten
Heuscheuer-Quaders besteht, dass die Massen lockeren Sandes aus dem Zerfall
der Sandsteinkugeln hervorgegangen sind. Trotz emsigen Suchens habe ich indes
an keiner einzigen Stelle eine Sandsteinkugel gefunden, bei der der beginnende
Zerfall erkennbar gewesen wäre. —
Ong.na.ftom
UNIVERSITYOF MICHIGAN
116
IL Gelblicher Sand und rostbraune Innenkruste (Friedersdorf):
Lockerer Sand Wandung
SiO* 98.64 92.33
AI2O3 0.21 1.16
Fe2()s 0.67 4.66
CaO
. .. 0.03 ....
0.02
MgO ...
• 1 • \J g \J X ■ 1 1 •
. .. 0.04
K2O
... 0.11
0.13
Na.O
. .. 0.20
0.12
H*0 ..
... 0.40 ....
.... 1.22
100 27
99.68
JII. Wie I (Cihak):
SiOi
AI2O3I
F2O3 | ■'
> a 1 . ÖO . • g .
5.20
Ca . . . .
... 0.21
0.38
MgO
. .. 0.22
0.36
K2O
. .. 0.41 ....
0.68
Na*0
... 1.05
0.69
H2O
... 1.12 ....
1.04
80a
... 0.01 ....
0.01
99.92 100.51
Neben diesen Sandlöchern finden sich an manchen Stellen kugelige
Absonderungen, welche sich durch ihre braunrote Färbung sehr leb-
haft von dem weissen Sandstein abheben. Sie besitzen ungemein
grosse Harte und scheinen Konkretionen von Spateisenstein dar-
zustellen.
Die übrigen Sandsteinablagerungen der Emscher Stufe, vor
allem der Kieslinpfswalder Sandstein, sind von geringerer Bedeutung
wegen ihrer unbedeutenden oberflächlichen Verbreitung. Der Kies-
lingswalder Sandstein ist ein blaugraues, graues oder braungraues
Gestein von sehr feinem Korn und zeichnet sich, wie bereits erwähnt,
vor allem durch den Reichtum an Glimmerschüppchen aus. Ferner
besitzt dieser Sandstein Einlagerungen von Platten und Knollen eines
sehr festen, beim Zerschlagen glasig klingenden Gesteins, des sog.
„Eisensteins" der Arbeiter, welcher von Sturm ! ) beschrieben worden
ist: „Diese Einlagerungen bestehen aus einem sehr dichten Gefüge
von Quarzkömchen, die durch ein fast tonfreies, etwas kalkiges
Bindemittel verkittet werden; die regellos im Gestein verteilten
') Sturtn: a. a. O. Seite 46.
: . t loogle
Original frorn
UNIVERSITYOF MICHIGAN
117
Knollen und Platten sind der Bearbeitung der Sandsteine ungemein
hinderlich, und manche guten Werkstücke müssen beiseite gelegt
werden, weil eine unvermutet auftretende Eisensteinknolle der
weiteren Bearbeitung des Stückes allzu grosse Schwierigkeiten ent-
gegenstellen würde." —
Diesen Erörterungen über die chemische Zusammensetzung der
Sandsteine und ihrer mikroskopischen Strukturverhältnisso schliessen
sich zweckmässig einige Worte über die chemische Verwitterung an.
Werfen wir noch einmal einen Blick beispielsweise auf die Analyse
des Emschersandsteins, so erkennen wir ohne Schwierigkeit, dass im
Verhältnis zum Quarz, der ja als fast unangreifbar angesehen werden
darf, die übrigen Mineralien in verschwindend kleinen Quantitäten
sich vorfinden. Ausserdem aber sind sie fast durchgängig selbst die
Restprodukte der chemischen Zersetzung primärer Gesteine; sie
kommen also für eine weitere chemische Umsetzung kaum mehr in
Betracht. Sind im Bindemittel noch unzersetzter Feldspat and
Glimmer vorhanden, so wird die chemische Verwitterung auf einer
Zersetzung dieser Silikate beruhen. — Endlich ist der chemischen
Einwirkung der Pflanzenwelt an dieser Stelle zu gedenken. Die ab-
sterbenden Pflanzen liefern durch den eintretenden Fäulnisprozess
reichliche Humussubstanz, welche sich aus braunen Ulmin- und
schwarzen Huminstoffen zusammensetzt. Letztere entwickeln sich
allmählich aus den Ulminstoffen durch Aufnahme von Sauerstoff und
nnter Abscheidung von Wasser und Kohlensäure. Dieser fort-
schreitende Oxydati onsprozess geschieht aber nur zum kleinsten Teil
auf Kosten des Luftsauerstoffes; vielmehr wird die weitaus über-
wiegende Menge des Sauerstoffes den im Boden oder Gestein vor-
handenen Oxyden entnommen. So wird das unlösliche Eisenoxyd
des Bindemittels zu Eisenoxydul reduziert, das, mit der gleichzeitig
entstandenen Kohlensäure verbunden, leicht in Lösung geht. 1 ) Bei
dem Überschuss an Humussäure bilden sich ausserdem leicht saure
hnmu8saure Salze, welche von dem durchsickernden Wasser gelöst
und entführt werden. Endlich wird die bei der Vermoderung ab-
gestorbener Vegetabilien entstehende und vom Wasser absorbierte
Kohlensäure lösend auf die allerdings nur in geringen Mengen vor-
handenen kalkigen Bestandteile der Bindemittelsubstanz einwirken. 2 )
l ) Vergl. hierüber in: Der Acker, eine Folge von 7 Vortragen, Hamburg
1907. J. F. Herding, Entstehung der Bestandteile des Bodens, Seite 10.
■) Nach F. Rinne: (Praktische Gesteinskunde, Hannover 1908) lösen 10000 Teile
kohlensäurefreien Wassers nur 0,3 Teile ca. COs, während kohlensäurehaltiges
Wasser 10 — 12 Teile aufzunehmen vermag.
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
118
Hiermit ist dann aber auch der Kreis der chemischen Veränderungen
im wesentlichen erschöpft, und selbst wenn wir zugeben wollen, dass
durch die chemische Verwitterung gelegentlich eine Lockerung im
Gefüge des Sandsteins eintreten mag, so wird doch die Gesamtwirkung
der chemischen Umsetzungen stets nur von untergeordneter Bedeutung
für den Zerfall des Sandsteins bleiben.
Die Verwitterung der Sandsteine ist in der Tat fast ausschliess-
lich mechanischer Natur. Bevor wir jedoch auf diese eingehen,
müssen wir zuvor einige wichtige physikalische Eigenschaften der
Sandsteine unseres Gebietes behandeln, und zwar sind von diesen
für unsere Zwecke vornehmlich drei zu berücksichtigen : die Schichtung
der Sandsteine, ihre Zerklüftung und ihre Wasserdurchlässigkeit.
Von den fünf möglichen Arten der Schichtung l ) finden sich hier
hauptsächlich die folgenden vertreten:
1. die Schichtung wird bewirkt durch reichliche Ausscheidung
von Bindemittelsubstanz in parallelen Lagen,
2. die Schichtung beruht auf einer Abwechslung der Korngrösse.
Während die letztere Art der Schichtung in den cenomanen
Ablagerungen eine wesentliche Rolle spielt, tritt sie bei den Sand-
steinen von Adersbach-Weckelsdorf und der Wünschel burger Lehne
bereits bedeutend zurück. Für die Kmscher-Ablagerungen ist sie
überhaupt mehr oder minder belanglos. Die Korngrösse ist bei diesen
Sandsteinen im allgemeinen eine äusserst gleichmässige. 2 )
Parallele Lagen von Bindemittelsubstanz dagegen kann man
durchgängig in allen Sandsteinen unseres Gebietes feststellen. Der
Abstand dieser Lagen — d. i. die Mächtigkeit der Schichten — ist
durchaus ungleichmässig , so dass sich Allgemeines hierüber nicht
sagen lässt. Stufenweises Auftreten von Dünnbankigkeit ist bei den
cenomanen und turonen Ablagerungen eine nicht seltene Erscheinung.
In den Emscher- Ablagerungen dagegen fehlt sie im allgemeinen;
hier ist die Mächtigkeit der Schichten durchgängig eine ziemlich grosse,
2—5 m und mehr. - Die Bedeutung der Schichtung für die Ver-
witterungsvorgängo beruht nun auf der Verschiedenheit in dem Ver-
halten der eigentlichen Gesteinschichten und der Schichten von Binde-
mittelsubstanz gegenüber den Witterungsagentien. Und es ist hierbei
von geringer Bedeutung, ob wir eine Lage von Bindemitteisn bstanz
direkt oder eine Schicht gröberen Korns vor uns haben ; in letzterem
l ) Hirsckwald: a. a. O. Seite 266/67.
*) Von den Konglomeraten in den obersten Schichten des Kieslingswalder
Systems sehen wir im Augenblick ab; sie besitzen nur ganz lokale Bedeutung
und können den Habitus der ganzen Stufe kaum beeinflussen.
I Original front
UNIVERSrTY OF MICHIGAN
119
Falle nämlich erkennt man leicht, dass die grossen Quarzkörner
auch einen grossen Zwischenraum zwischen einander haben, dass zu
ihrer Verkittung mithin eine grössere Menge von Bindemittelsubstanz
angewandt werden musste als in den feinkörnigen Schichten darüber
und darunter ; auch hier also eine schichtweise Anhäufung der Binde-
mittelsubstanz. Diese unterscheidet sich nun von dem eigentlichen
Gestein sowohl in der chemischen Zusammensetzung wie in ihrem
physikalischen Verhalten. Das Bindemittel ist mehr oder weniger
verunreinigter Ton; es ist gewöhnlich nur schwach oder überhaupt
nicht silifiziert und steht daher, was Festigkeit anbetrifft, weit hinter
dem eigentlichen Quarzsandstein zurück. Ausserdem aber übt die
Schichtung einen grossen Einfluss auf die Wasserdurchlässigkeit aus.
Wie wir unten sehen werden, sind die eigentlichen Gesteinsschichten
mehr oder weniger vollkommen wasserdurchlässig, die Zwischen-
schichten von Bindemittelsubstanz dagegen vermöge ihrer Zusammen-
setzung aus Ton so gut wie undurchlässig. — In dem Wechsel also
von härteren und weicheren Schichten — je nach dem Mangel oder
Reichtum an tonigem Bindemittel — , in dem Wechsel von wasser-
durchlässigen und -undurchlässigen Schichten erkennen wir den
wesentlichen Einfluss der Schichtung *).
Senkrecht zur Schichtung durchsetzt nun ein System fast recht-
winklig sich schneidender Klüfte die Kreidesandsteine, und jene
eigentümliche Zerspaltung in quaderförmige Bruchstücke verlieh dem
Gestein den Namen „Quadersandstein". Die wiederholt angestellte
Messung der Streichrichtung dieser Klüfte, sowohl in dem Felsen-
labyrinth der Heuscheuer wie der Wilden Löcher, als auch in den
Schluchten der Felsenstädte von Adersbach und Weckelsdorf ergab,
dass sie nicht ganz unregelmässig verlaufen, sondern vielmehr zwei
Hauptrichtungen bevorzugen, und zwar N 30° — 35° und N 40° — 45° W.
Die grössten Abweichungen von diesem mittleren Werte betragen
etwa 10° 2 ). Gelegentlich finden sich jedoch, z. B. in Weckelsdorf,
aber auch sonst, Klüfte, welche in dieses Schema nicht hineinpassen
und annähernd nordsüdlich gerichtet sind. — Die Tiefe, bis zu welcher
die Klüfte die Sandsteinschichten zerspaltet haben, ist eine geradezu
erstaunliche. In dem Felsenlabyrinth der Heuscheuer schätzte ich
1 ) Sehr häufig ist übrigens die an den Sandsteinfelsen deutlich sich ab-
hebende Schichtung Diagonalschichtung.
2 ) J. Partsch hat die Streichrichtung der Klüftung ebenfalls einer Messung
unterzogen und gibt (Schlesien, Seite 81) folgende Werte an: N 20°— 30° 0,
N 36° W. Bezüglich der Korrektur für die Deklination bei meinen Messungen
vergleiche Seite 99. Anm. 3.
t Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
120
in don Kluftgängen die Höhe der fast senkrechten Felswände stellen-
weise auf etwa 30 — 40 m, und dabei betrag die Breite der Spalten
unten immer noch 2 — 5 m, so dass man die Gesamttiefe der Klüfte
wohl auf 80 m und mehr schätzen darf.
Für die Entstehung dieser Spalten liegt eine vollkommen be-
friedigende Erklärung bis jetzt noch nicht vor. Gutbier bespricht
die Zerklüftung der Kreidesandsteine der Sächsischen Schweiz l ) und
kommt zu dem Schluss, dass man die Grundursache zu der Zer-
klüftung in der Zusammenziehung der als Meeressand abgelagerten
Massen während des Festerwerdens derselben zu suchen hat. „Die
Zusammenziehung, schreibt Gutbier, strebe allerdings ursprünglich
danach, kugelförmige Absonderungsflächen herzustellen", und Gutbier
glaubt, diese Kugelform auch an einigen Felsen erkennen zu können;
„wo aber die kugelige Zusammenziehung der Massen durch das An-
hängen an die Schichtungsebene gestört wurde, da entstanden die
senkrecht auf letztere niedersetzenden und sich kreuzenden Spalten,
deren Resultat — der Quader — als das reinste Produkt der nur
durch Adhäsion beschränkten Attraktion betrachtet werden muss". *)
Ohne weiteres lässt sich diese Ansicht nicht von der Hand
weisen; ob aber die Zusammenziehung der Sedimente beim Fest-
werden eine so inteüsive ist, um ein derartiges Zerbersten der Ab-
lagerungen hervorzurufen, wird entschieden angezweifelt werden
dürfen, da ein Beweis hierfür keineswegs erbracht ist. Überdies ist
gerade die quaderförmige Zerklüftung der Kreidesandsteine eine so
eigenartige, den anderen Sedimentgesteinen mehr oder minder fremde
Erscheinung, dass uns die Gutbiersche Hypothese nicht befriedigen
kann. Richtig jedoch ist ohne Frage, dass die Klüfte nicht lediglich
als Verwitterungserscheinungen gedeutet werden dürfen, wie es hin
und wieder geschieht. Sie lassen sich in jedem Steinbruch — auch
im frischesten Gestein feststellen, und selbst einer auch nur einiger-
massen bedeutungsvollen Erweiterung der Klüfte durch die Ver-
witterung wird man nicht beipflichten, wenn man in den Kluftgängen
z. B. der Heuscheuer die korrespondierenden Sandlöcher an den beiden
Felswänden beobachtet hat. Die Ränder dieser Löcher sind so scharf,
ihre Durchmesser beiderseits so genau übereinstimmend, dass man
fast den Eindruck mitnimmt, die Felsen seien erst vor kurzer Zeit
auseinandergeborsten. Wenn hier eine starke Verwitterung an den
l ) A. v. Gutbicr: Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz,
Leipzig 1868. Seite 27.
») Outbier: a. a. 0. Seite 29.
"
UNIVERSrTY OF MICHIGAN
121
senkrechten Quaderwänden genagt hätte, wären dieso Löcher wohl
kaum mit solcher Schärfe erhalten geblieben.
Die Mehrzahl der Forscher ist heutzutage wohl geneigt, die
Zerklüftung auf tektonische Störungen zurückzuführen, wie es auch
Hettner für den Quadersandstein der Sächsischen Schweiz aus-
gesprochen hat *). Die starke Zusammenpressung der Sedimente,
welche durch ein muldenförmiges Einsinken der Schichten oder eine
keilförmige Heraushebung der randlichen Gebirgsmassive hervor-
gerufen wurde, und die Auslösung dieses gewaltigen Druckes durch
die mannigfache Bildung von Vorwerfungen müssen in der Tat als
die Grundursache der Kluftbildung angesprochen werden. Indes
dürften tektonische Bewegungen allein kaum zur Erklärung der
Quaderbildung, wie wir sie heute beobachten, genügen. Verfasser
hatte wiederholt Gelegenheit, andere Kreideablagerungen, z. B. die
von Lähn-Löwenberg zu besuchen. An tektonischen Bewegungen
fehlt es hier nicht, vielmehr herrscht ein wahrer Überfluss von
Störungslinien vor, und dennoch kann es dem Beobachter nicht ent-
gehen, dass die Zerklüftung bei weitem nicht den Grad erreicht,
durch den die Sandsteine des Heuscheuergebirges und von Adersbach-
Weckelsdorf ausgezeichnet sind. Und schon wenn man die Zer-
klüftung bei den einzelnen Sandsteinen unseres Gebietes gegeneinander
abwägt, findet man eine deutliche Abstufung, welche uns vielleicht
noch auf einen neuen Gesichtspunkt hinweisen kann. — In Cihak
und Nesselfleck, wo wir die Kreide in präcretaceischen Becken des
Urgebirges abgelagert finden, ist die Zerklüftung minimal. Die ceno-
manen Ablagerungen von Adersbach - Weckelsdorf weisen quader-
förmige Zerklüftung zwar bereits deutlich auf, werden aber bei weitem
übertroffen von den im innersten Kern der grossen niederschlesisch-
böhmischen Mulde abgelagerten jüngeren Kreidesandsteinen, die aber
fast überall nur in einzelnen horstartig stehen gebliebenen Denun-
dationsresten erhalten sind. Wir möchten aus dieser Abstufung den
Schluss ziehen, dass die relative Höhenlage und die orographischen
Verhältnisse ebenfalls von wesentlichem Einfluss auf die Bildung der
Klüfte sind. Durch die tektonischen Bewegungen werden in dem
Gestein vertikale Flächen geringerer Kohäsion als schwach aus-
geprägte Spalten entstehen; eine Erweiterung dieser Spalten zu
grossen Klüften findet jedoch erst dann statt, wenn einzelne Sand-
steinpartien, ihres seitlichen Halts durch die Verwitterung und Ab-
tragung beraubt, inselförmig aus der Landschaft emporragen und
l ) A. Hettner: Die Felsbildungen der Sächsischen Schweiz. Geographische
Zeitschrift. Bd. 9. 1903.
t Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
122
nunmehr die vertikalen Tafeln, gleichsam aufatmend von dem starken
seitlichen Druck, unter dem sie bisher gestanden, sich allmählich
seitlich zu neigen beginnen. In den Felsenlabyrinthen bietet sich
allenthalben Gelegenheit, derartig schräg gestellte Quader zu be-
obachten (Tafel IV. Abb. 9).
Wenn wir nun zum Schluss unserer einleitenden Betrachtungen
über die physikalischen Eigenschaften der Quadersandsteine noch
mit einigen Zeilen bei der Wasserdurchlässigkeit verweilen, so er-
scheint dies deshalb notwendig, weil, wie wir unten sehen werden,
gerade die Durchlässigkeit für die mechanische Verwitterung eine
überaus bedeutungsvolle Rolle spielt. — Der wichtigste Faktor für
die Wasserdurchlässigkeit ist die Aufsaugungsfiihigkeit oder „relative
Porosität", wie es Hirschwald nennt *), dargestellt etwa durch
diejenige Menge Wassers, welche ein bestimmtes Volumen des Gesteins
bis zur vollkommenen Sättigung aufzunehmen vermag. Versuche zur
zahlenmässigen Bestimmung dieser Grösse hätten sich im Laboratorium
unter einigem Zeitaufwand leicht ausführen lassen; wir haben trotz-
dem davon Abstand genommen, weil gerade diese Laboratoriums-
versuche den Verhältnissen in der Natur allzu wenig Rechnung zu
tragen vermögen. Wenn sich das Gestein, wie es bei den bisher
üblichen Versuchen zur Bestimmung der Durchlässigkeit der Fall
ist, zum grössten Teil oder vollkommen im Wasser befindet, dann
interessiert das Ergebnis dieser Untersuchung wohl den Techniker,
vor allem den Brückenbauer; der Geograph jedoch wird diesem
Resultat kein grosses Gewicht beimessen dürfen, da die Verhältnisse
bei anstehendem Gestein in den meisten Fällen anders liegen werden.
Man könnte allerdings die Methode umändern und etwa auf einen
Gesteinswürfel von bestimmter Oberfläche ein bestimmtes Volumen
Wasser tropfen lassen und alsdann bestimmen, in welcher Zeit und
wieviel cem Wasser auf der Unterseite wieder austreten. Derartige
Methoden sind jedoch unseres Wissens technisch noch nicht aus-
gearbeitet worden, würden ausserdem den natürlichen Verhältnissen
immerhin nur in beschränktem Masse nahe kommen ; denn schliesslich
spielt, wie Leppla mit Recht betont 2 ), auch der Neigungswinkel
der Schichten eine Rolle. Der Tropfen verwendet bei horizontaler
Auffallfläche sein ganzes Gewicht, um in die Tiefe zu dringen, bei
einer geneigten nur einen Bruchteil desselben. — Lediglich der Voll-
ständigkeit wegen sei es gestattet, einige nach der alten Methode
1 ) Hirschwald: a. a. O. Seite 270.
2 ) Leppla: a. a. 0. Seite 234.
I Original frorn
UNIVERSITYOF MICHIGAN
123
gewonnene Werte über die Wasseraufsaugungsfähigkeit von Sand-
steinen unseres Gebietes hier anzuführen, welche Leppla in seinen
hydrographischen Studien mitteilt *). Während frischer fester Gneis
nur etwa 0,5% seines Volumens an Wasser aufzunehmen vermag,
ergibt sich für die Sandsteine der Kreideformation ein mittlerer Wert
von 4 — 6%, und zwar für Kieslingswalder Sandstein (Neu-Walters-
dorf) etwa 4%, für Heuscheuersandstein 3—9%. — Diese weite
Grenze, innerhalb derer die Durchlässigkeit bei den HeuscheuersaDd-
steinen schwankt, wird uns nicht Wunder nehmen, wenn wir dessen
eingedenk bleiben, dass die Wasserdurchlässigkeit lediglich von den
Strukturverhältnissen abhängt, diese aber, wie wir gesehen, sogar
innerhalb der einzelnen Stufen sehr schwankende sind. So werden
denn die Erörterungen über die Durchlässigkeit der verschiedenen
Quadersandsteine nie Anspruch auf Allgemeingültigkeit machen können,
sondern für einzelne Schichtenkomplexe der verschiedenen Stufen
sehr wohl modifiziert werden müssen.
Nur mangelhafte Raumerfüllung, das Vorhandensein von Rissen
und Poren ermöglicht die Durchlässigkeit des Gesteins. Wo nun,
wie wir es bei den cenomanen Sandsteinen gesehen haben, die
Zwischenräume zwischen den einzelnen Quarzkörnchen sehr voll-
kommen durch ein toniges Bindemittel ausgefüllt werden, wird die
Wasserdurchiässigkeit naturgemäss relativ unbedeutend sein. Einen
höheren Betrag erreicht sie bei dem Kieslingswalder Sandstein,
wenngleich hier wiederum die horizontal angeordneten Glimmer-
schüppchen der Wasserzirkulation hemmend in den Weg treten. —
Das Maximum der Wasserdurchlässigkeit finden wir schliesslich bei
den mittelturonen und Emschersandsteinen.
Nachdem wir nunmehr das Material genau kennen gelernt haben
und uns sowohl mit der chemischen Zusammensetzung wie den
wichtigsten physikalischen Eigenschaften der Kreidesandsteine bekannt
gemacht haben, wenden wir uns jetzt den Verwitterungsvorgängen
selbst zu. Die chemische Verwitterung hatten wir bereits oben
behandelt. Bei der Betrachtung der mechanischen Verwitterung nun
bieten sich uns zwei Wege dar. Zunächst könnte es angebracht
erscheinen, dem Vorbilde Hettners zu folgen. Dieser zerlegt die
Erscheinung der Verwitterung und Denudation in der Sächsischen
Schweiz in solche der Felskanten, in denen sich die wagerechten
Oberflächen mit den senkrechten Felswänden schneiden, und in
solche der Felswände. 2 ) — Da wir jedoch gedenken, uns zum Schluss
») Leppla: a. a. 0. Seite 336 ff.
*) Hettner: a. a. O. Seite 612.
t Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
124
unserer Betrachtung die Frage vorzulegen, ob wir die Felsformen
und ihre Eigentümlichkeiten ableiten können als ein Produkt der
heute zu beobachtenden Verwitterungskräfte, oder ob es eventuell
notwendig erscheint, andere klimatische Bedingungen zur Erklärung
ihrer Entstehung anzunehmen, so möchte es uns kaum zweckmässig
dünken, die Hettner'sche — man möchte sagen lokale — Methode
anzuwenden. Wir werden vielmehr uns bemühen, die heute wirk-
samen Faktoren in ihren Effekten einzeln genau zu studieren und
nacheinander die verschiedenen Verwitterungsagentien und ihre
Wirkungen auf das Gestein zu verfolgen.
In niederen Breiten mag sich die starke solare Erhitzung des
Gesteins während des Tages und die ebenso intensive Wärmeaus-
strahlung in der Nacht, mag sich dieser schroffe Temperaturwechsel
in einer Zerstörung des Gesteins unmittelbar äussern, wie es von
Wüstenreisenden wiederholt beschrieben worden ist. l ) In unseren
Breiten jedoch ist die tägliche Temperaturschwankung bei den
heutigen klimatischen Verhältnissen keine so erhebliche, als dass
man ihren Einfluss auf das Gestein irgendwie beobachten könnte.
Erst in Verbindung mit dem Wasser — also mittelbar — haben wir
eine Einwirkung des täglichen Temperaturwechsels zu verzeichnen. —
Die Wirkung des Frostes lernen wir in jedem Handbuch so ausführ-
lich kennen, dass wir über das Allgemeine dieses Phänomens kurz
hinweg gehen können, um uns den speziellen Beobachtungen zuzu-
wenden; es kann im übrigen nur immer wieder auf die vorzüglichen
Ausführungen Hirschwalds hingewiesen werden. 2 ) Die notwendige
Vorbedingung für eine Einwirkung des Frostes auf den Sandstein
ist ein bestimmter Grad der Wassererfüllung der Gesteinsporen;
denn „es ist ohne weiteres klar, dass die mechanische Kraft des in
den Hohlräumen des Gesteins gefrierenden Wassers nur dann auf
die umschliessenden Poren Wandungen einzuwirken vermag, wenn das
Wasser im Moment des Gefrierens keinen genügenden Raum zu seiner
freien Ausdehnung findet." 3 ) Nach unseren obigen Ausführungen
über die Strukturverhältnisso der Kreidesandsteine wird es uns nicht
wundernehmen, wenn wir feststellen müssen, dass wir intensive Frost-
wirkung vor allem an den mit Basalzement ausgestatteten cenomanen
Ablagerungen und an dem verhältnismässig stark porösen mittel-
turonen Quadersandstein beobachten können, wo hingegen die Emscher-
l ) In neuster Zeit von L. Schnitze ; Aus Namaland und Kalahari, Jena 1907.
Seite 67 ff.
■) Hirschwald: a. a. 0. Seite 36 ff.
■) Hirschwald: a. a. 0. Seite 36.
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
]25
Sandsteine der Heascheuer durch ihr starkes kieseliges Kontaktzement
gegen die zersprengende Wirkung des Frostes gefeit zu sein scheinen.
In dem Wünschelburger Steinbruch (mittelturoner Quader) ist man
gezwungen, besondere Massnahmen zu treffen, um das Gesteinsmaterial
vor der Einwirkung des Frostes zu schützen. Man deckt hier die
im Spätherbst gebrochenen, von Bergwasser erfüllten Werkstücke
während des Winters ein, da sie andernfalls durch das in den Poren
angesammelte und gefrierende Wasser zum „Zerfrieren" l ) gebracht
werden würden. Derartige Vorsichtsmassregeln sind in den Stein-
brüchen an der Friedrichsgrunder Lehne (Emscher) vollkommen un-
nötig. Man erkennt hieraus den innigen Zusammenhang, welcher
zwischen der strukturellen Eigenart der Gesteine einerseits und der
Frostwirkting auf der anderen Seite besteht.
In welcher Weise wirkt nun aber der Frost auf das Gestein ein ?
Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt im Gelände während des Winters
1907/08 hatte Verfasser Gelegenheit, durch fortgesetzte Beobachtungen
an Ort und Stelle sich ein Urteil hierüber bilden zu können. — In
den cenomanen Ablagerungen besteht die vorherrschende Verwitterungs-
form, welche durch den Frost bedingt wird, in einem Absanden der
Gesteinsoberfläche. Das reichlich vorhandene tonige Bindemittel
saugt die Feuchtigkeit, welche die atmosphärischen Niederschläge
bezw. deren Schmelzwässer liefern, begierig auf. Beim Gefrieren aber
wirkt nun jedes Eiskriställchen wie ein Keil, der zwischen die
einzelnen Ouarzkörner hineingetrieben wurde, und da kein Kontakt-
zement vorhanden ist, welches durch seine Festigkeit dem Froste
entgegenwirken könnte, so gelingt es diesen kleinen Keilen leicht,
die Quarzkörnchen auseinanderzusprengen. Staubartige Sandschichten,
welche die cenomanen Felsen und Gesteinstrümmer sehr häufig
konzentrisch umlagern und sich aufs deutlichste von der weissen
Schneedecke abheben, geben ein überaus anschauliches Bild von der
Wirkung des Frostes. Eine Berührung der Gesteinsoberfläche zeigte,
dass in der Tat eine energische Auflockerung stattgefunden hatte;
ein blosses Herüberfahren mit dem Hammer bewirkte ein reichliches
Abfallen der Quarzkörnchen ganz im Gegensatz zu der beträchtlichen
Widerstandsfähigkeit des Gesteins im Sommer. Indes hatte dieses
Absanden auf die Festigkeit des Gesteins im ganzen wenig oder gar
keinen Einfluss. Es handelt sich lediglich um eine Auflockerung der
Oberfläche bis zu einer geringen Tiefe (etwa l /a cm).
l ) Ausdruck der Steiubruchsarbeiter.
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
126
Wenn es nicht gelangen ist, dieselbe Art der Frostwirkang in
dem Mittelquader der Wünschelbnrger Lehne und in Adersbach-
Weckelsdorf nachzuweisen, so wird dies seinen Grund offenbar in
dem Vorhandensein des wenn auch schwachen, so doch deutlich
wahrnehmbaren kieseligen Kontaktzements haben, welches durch
intensive Kombindung imstande ist, die Frostwirkung zu paralysieren.
Als ich das Gelände im Winter besuchte, habe ich jeden Felsen, an
dem ich vorbeikam, eifrigst beobachtet, um eventuelle Veränderungen
durch den Spaltenfrost festzustellen. Allein die weisse Schneedecke,
die wochenlang die Felsen umlagerte, zeigte in keinem einzigen Falle
abgesprengte Quarzkörnchen. Und als ich im Frühjahr dieselben
Stellen wieder aufsuchte, war rings um die Felsen herum von ab-
gesprengten Gesteinsteilchen nicht das mindeste wahrzunehmen. Die
täglichen Temperaturschwankungen sind offenbar in unserem jetzigen
Klima nicht excessiv genug, um die Festigkeit der Gesteine zu über-
winden und ein Absanden zu erzeugen. Dafür bewirkt andererseits
die relativ starke Porosität dieser Gesteine, dass der Frost sich in
einer weitaus gefährlicheren Form äussert. Die Feuchtigkeit sickert
tief in das Gestein hinein, gefriert in der Nacht, taut zum grossen
Teil während des Tages wieder auf, um gegen Abend wiederum zu
erstarren. Bei diesem Prozess bewirken die vielen kleinen Keile, als
welche wir die in den Poren des Gesteins erstarrenden Feuchtigkeits-
partikelchen kennen gelernt haben, durch immer wieder einsetzende
Minierarbeit eine derartig intensive strukturelle Auflockerung, dass
das Gestein, ohne dass da eine Veränderung der äusseren Form
wahrzunehmen wäre, durch und durch mürbe wird und ein Hammer-
schlag den scheinbar so brauchbaren Gesteinsblock in einen Gras
von Quarzkörnchen zerfallen lässt. Derartig „zerfrorene" Blöcke
konnten in grosser Anzahl in Adersbach-Weckelsdorf und auch an
der Wünschelburger Lehne nachgewiesen werden. Auffallend ist,
dass dieser Zerstörungsprozess an anstehendem Gestein nicht zu be-
obachten ist, 1 ) sondern es sich stets um Geröllblöcke des Schutt-
hanges handelt. Ob dies seinen Grund darin hat, dass die strukturelle
Festigkeit der Trümmerblöcke durch ihren Absturz von der Felswand
bereits stark erschüttert wurde oder die fehlende Bedeckung mit
Erdreich und Vegetation, sowie die im Verhältnis zum Volumen
grössere Oberfläche der Gehängeblöcke die Einwirkung des Frostes
hier begünstigt, vermag ich nicht zu entscheiden.
l ) Im Wünschel burger Steinbruch wurde mir z. B. mitgeteilt, dass an den
noch ungebrochenen Felsen nie ein »Zerfrierenc beobachtet sei, »weil es im
Felsen stets wärmer sei und der Frost nicht soweit hineinkämet.
!•■ OnsH-lfan,
UNIVERSrTY OF MICHIGAN
127
Ganz besondere Erscheinungen treten dann ein, wenn das Gestein
von Schlieren durchzogen wird. Diese braungefärbten, besonders eisen-
schüssigen Bänder müssen offenbar ein sehr grosses Wasserfassungs-
vermögon besitzen, so dass sich in ihnen das Wasser reichlicher an-
sammelt als in dem umgebenden Gestein und beim Gefrieren sich
derartig ausdehnt, dass der Felsen längs dieser Schliere zerplatzt.
Ist das Gefüge des Felsens noch zu fest, um ein völliges Zersprengen
längs der Eisenschliere zu gestatten, so treten mannigfache, meistens
radiär gestaltete Risse und Sprünge in dem Gestein auf. Jene Stellen
aber, an denen ein Felsblock in dieser Weise auseinandergeborsten
ist, bieten nun dem Frost und den übrigen Verwitterungskräften
naturgemäss neue Angriffspunkte, so dass auch hier schliesslich ein
völliger Zerfall erreicht wird.
Schalten wir nunmehr den Wechsel im Aggregatzustand, welcher
bisher das wesentlichste Moment darstellte, aus, und betrachten wir,
welche Einwirkung auf das Gestein die atmosphärischen Nieder-
schläge im flüssigen Zustande ausüben. Wir werden auch hier von
der Porosität der Sandsteine, der Wasserdurchlässigkeit, auszugehen
haben; denn sie ermöglicht dem auffallenden Regentropfen, in das
Gestein hineinzudringen. Die Feuchtigkeit folgt nun den Gesteins-
poren und sickert infolge der Schwerkraft in die Tiefe. Hierbei wird
einmal, sofern das Wasser die nötigen chemischen Eigenschaften
besitzt, eine Lösung einiger Mineralien vorsichgehen, *) vor allem
aber wird das Wasser das Bindemittel allmählich aufweichen und
durch fortgesetzte Wiederholung des Sickerprozesses die aufgeweichte
Bindemittelsubstanz rein mechanisch ausschlämmen. Zweifelsohne
wird die Festigkeit der Sandsteine hierdurch sehr wohl leiden ; trotz-
dem aber steht die zerstörende Wirkung des Sickerwassers hinter
der des Frostes bedeutend zurück, besonders wenn ein stark aus-
geprägtes Kontaktzement vorhanden ist, welches auch nach Aus-
schlämmung des Porenfüllmittels die einzelnen Körner noch sehr fest
aneinanderbindet. Es fehlt dem Sickerwasser im Vergleich zur Frost-
verwitterung die treibende Kraft im buchstäblichsten Sinne des Wortes,
nämlich die zersprengende Wirkung des sich beim Gefrieren aus-
dehnenden Wassers. — Ist jedoch der Sandstein längere Zeit inten-
siver Wasserdurchtränkung ausgesetzt, vor allem als Geröll in den
Bächen, so addiert sich auch hier die Wirkung des Wassers zu einer
beträchtlichen Grösse, und der Sandstein wird so mürbe, dass er
vollkommen zerfällt, sobald sich ihm fester Widerstand entgegenstellt. jf
i
) Vergl. unsere Ausführungen über die chemische Verwitterung auf Seite 117.
t Original frorn
UNIVERSITYOF MICHIGAN
128
Wie so oft, hat auch hier die Bevölkerung einen überaus treffenden
Ausdruck für das allmähliche Mürbewerden des Sandsteins im Wasser
geprägt, wenn sie von dem „Verfaulen" des Sandsteins im Wasser
spricht, das ihn daher zum Brückenbau nicht besonders geeignet er-
scheinen lässt.
Die atmosphärischen Niederschläge befeuchten natürlich auch die
Aussenwände der Felsen, und es ist infolgedessen leicht einzusehen,
dass hierdurch eine schwache oberflächliche Auflockerung bewirkt
werden kann. Von praktischer Bedeutung ist dieser Prozess jedoch
keineswegs. Ein Absanden findet infolge des oben erwähnten Mangels
einer sprengenden Kraft im allgemeinen nicht statt; dagegen ist es
durchaus wahrscheinlich, dass es dem Winde durch diese Auflockerung
erleichtert werden mag, einzelne Quarzkörnchen von dem Gestein
abzublasen.
Bemüht man sich, den Verlauf des Sickerprozesses in seinen
einzelnen Stadien genau zu verfolgen, so stösst man bald auf die
Einwirkung eines Strukturelementes, der Schichtung, die wir aus
diesem Grunde oben in etwas breiterer Form behandelt haben. Das
durch den Felsen hindarchsickernde Wasser gelangt nämlich nach
längerem oder kürzerem Wege, je nach der Mächtigkeit der Schichten,
auf eine Lage toniger, wasserundurchlässiger Bindemittelsubstanz,
welche dem weiteren vertikalen Eindringen der Feuchtigkeit ein
Ende bereitet. Der Druck aber des von oben beständig nach-
sickernden Wassers zwingt nun die auf der undurchlässigen Schicht
sich ansammelnde Feuchtigkeit, sich einen Weg nach aussen zu
bahnen. Jeder, auch der feinste Kapillarweg wird nun benutzt, um
die Aussenwand zu gewinnen. Nicht nur an den Schichtenfugen,
sondern über einen grossen Teil der Felswand verteilt, erscheinen
die winzigen Wassorkügelchen, wie Diamanten in der Sonne glitzernd,
an der Aussenfläche. Nach meinen Beobachtungen — und ich habe
diesem Punkte ganz besondere Sorgfalt zugewandt — überwiegt
das Ausschwitzen des Sickerwassers an den Aussen wänden durchaus
über das Hervorsickern an den Schichtenfugen, denn ich habe wohl
viele feuchte Felswände wahrnehmen können, an keiner einzigen
Stelle aber trat das Sickerwasser nur an den Schichtenfugen zutage.
Und die langen Eiszapfen, welche häufig an überhängenden Felsen
zu beobachten sind, entstehen nach meinen Wahrnehmungen keines-
falls allein aus dem an Schichtenfugen austretenden Sickerwasser,
sondern in der Mehrzahl der Fälle aus den Schmelzwässern der
Schneekappe, welche die Felsen krönt; allenthalben sieht man dieses
Schmelzwasser zur Mittagszeit an der Aussenseite der Felsen herablaufen.
I Original front
UNIVERSITYOF MICHIGAN
120
Durch lang fortgesetzte Wirkung wird die auf der tonigen
Zwischenschicht entlang gleitende Feuchtigkeit beginnen, erodierend
auf diese einzuwirken. So wird die erweichte Bindemittelsubstanz
nach und nach von dem Wasser nach aussen entführt, und aus dem
mühseligen, lang andauernden Kampf geht schliesslich das Sicker-
wasser als Sieger hervor: die störende Zwischenschicht ist zum
grössten Teil oder vollständig abgotragen; das Wasser kann in
vertikaler Richtung weiter in den Felsen eindringen, bis es in der
nächstfolgenden undurchlässigen Schicht einen neuen Gegner findet.
So geht es fort, bis schliesslich der Sandstein an einzelnen Stellen
in seiner ganzen Mächtigkeit vom Sickerwasser erobert ist. Und nun
sammeln sich die vielen und jetzt rascher hindurchsickernden Nieder-
schläge erst an denjenigen Stellen, wo ein anderes Material, der
undurchlässige Pläner, den Sandstein unterlagert, und an der Grenze
dieser beiden Ablagerungen treten die Wässer in Form von Quellen
zutage. Sämtliche vom Verfasser besuchten Quellen des Gebietes
finden sich in der Tat an einer solchen Grenze und sind somit als
Schichtquelien zu bezeichnen. — Dass die Quellwässer auf ihrem Wege
durch die Sandsteine recht wohl zerstörend einwirken, und zwar sowohl
chemisch wie mechanisch, ersehen wir mit besonderer Deutlichkeit
aus den Mitteilungen A. Schwagers, 1 ) welcher die Kreidewässer als
besonders rückstands- und zwar vor allem kalkreich bezeichnet im
Gegensatz zu den Gneiswässern. Fast alle Quellen, welche in dem
Gebiet der Kreideformation entspringen, weisen einen Kalkgehalt von
mehr als 10 mg pro Liter auf, 2 ) und bei der Analyse eines Quell-
wassers, welches 1,5 km nordwestlich von Alt-Heide hervorsprudelt,
fand Schwager in einem Liter 159 mg Rückstand, wovon nicht weniger
als 77,7 mg kohlensaurer Kalk waren, welcher allerdings zum Teil
wohl auch dem Pläner entzogen sein mag.
Das Heraustreten des Sickerwassers ist vor allem von Bedeutung
für die Besiedelung der Felsen mit pflanzlichen Organismen, welche
nun ebenfalls an der Zerstörung des Sandsteins mitarbeiten. Die ersten
Ansiedler pflanzlicher Natur gehören offenbar zu der Gruppe der Algen.
Sie überziehen den Felsen mit einer dünnen Schicht einer hellgrünen,
bisweilen auch dunkler gefärbten, gallertig-schleimigen Masse, deren
Hauptverbreitungsgebiet gerade die feuchtesten Stellen sind (die feuchten
Wände auf dem Heuscheuergipfel), und liefern ihrerseits wiederum
ein geeignetes, nährstoffreiches Substrat für die Keimung von Moos-
und Farnsporen. Die feinen Hyphenfaden der Flechten und Moose
*) Lepyla: a. a. 0. Seite 347.
") Leppla ; a. a. 0. Seite 349 ff.
Mitteilung«!! XXIV.
I Original frorn
UNIVERSITYOF MICHIGAN
130
aber führen nun bei ihrem Eindringen in das Gestein eine formliche
Minierarbeit aus ; sie drängen sich mühsam zwischen den Quarzkörnchen
hindurch, umstricken diese schliesslich und führen auf diese Weise
eine Lockerung herbei. Das Resultat dieser pflanzlichen Zerstörer
ist stets ein deutlich wahrnehmbarer Substanzverlust, wie mau
besonders nach dem Abfallen der Moospolster beobachten kann; ein
mehr oder weniger tiefes Grübchen mit uneben ausgenagtem Grande. 1 )
Durch die Schaffung dieser Unebenheiten auf den Felswänden aber
fordert die Pflanzenwelt ausserdem mittelbar die Zerstörung 1 des
Gesteins, indem hierdurch das Ablaufen der atmosphärischen Nieder-
schläge verzögert wird, was wiederum eine stärkere Erweichung des
Bindemittels, eine intensivere Wirkung des Frostes zur Folge hat
Was wir bei den niederen Pflanzen im kleinen gesehen haben,
vollzieht sich im grossen bei den Tannen und Fichten, welche gerade
im Gebiet des Quadersandstein äusserst intensiv geflanzt werden,
da das Verwitterungsprodukt — ein mehr oder weniger reiner Quarz-
sand — den Anbau von Feldfrüchten nicht gestattet. Die Wurzeln
folgen den Rissen und Spalten des Gesteins, nehmen dann aber im
Verlauf ihres Wachstums an Grösse so zu, dass der verfügbare Raum
zu ihrer Ausdehnung nicht mehr genügt; nunmehr wird ein starker
zersprengender Druck auf das Gestein ausgeübt, welchem dieses
nicht selten nachgeben muss. An der Friedrichsgrunder Lehne, aber
auch auf dem Gipfel der Heuscheuer, sowie in Adersbach und Weckels-
dorf finden sich derartige durch Baumwurzeln auseinandergetriebene
Felsblöcke in grosser Zahl.
Im ganzen genommen scheint, wie wir sehen, die Pflanzenwelt
nur relativ geringe Bedeutung für die Verwitterung der Quader-
sandsteino zu besitzen. In Wirklichkeit jedoch sind jene dichten
Schonungen und Wälder, welche sich, wie bereits mehrfach betont,
gerade im Verbreitungsgebiet des Sandsteins vorfinden, sowie die
filzartig verwachsenen Moose und die Gräser von der allergrössten
Bedeutung; denn das dichte Pflanzenkloid ist es, welches den bei
allen Verwitterungsvorgängen reichlich entstehenden Sand an den
Boden bindet und auf diese Weise die Winderosion lahm legt oder
überhaupt unmöglich macht, welche ohne diese Pflanzendecke zweifel-
los den Felsen in überaus intensiver Weise bearbeiten würde. An
Stellen, wo jene Vegetation vollkommen fehlt, kann und wird aber
auch selbst in unserem feuchten deutschen Klima der Wind seine
zerstörende Tätigkeit entfalten. Dies beweist uns zunächst die
») Hirschwahl: a. n. O. Seite 270/71.
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
131
Beobachtung F o 1 1 e r e r s *) über Windkorrasion am Heidelberger
Schlossturm, 2 ) wo der durch mehrere Öffnungen eindringende Luft-
strom Wirbel bildet und dabei mit Hülfe der von der Verwitterung
erzeugten und mit fortgerissenen Sandkörnchen bis zu 15 cm tiefe
Locher ausgehölt hat. — Aber wir brauchen nicht einmal in die
Feme zu schweifen ; in unserem Gebiet selbst bietet sich mannigfache
Gelegenheit, den Wind und seine Einwirkung auf das Gestein zu
beobachten. Jeder, der wie Verfasser öfter Gelegenheit gehabt hat,
zur Zeit eines Sturmes in der Nähe einer der vielen Steinbrüche
unseres Gebietes zu weilen, wird am eigenen Körper verspürt haben,
wie der Wind die lockeren Quarzkörner der grossen, jeder Vegetation
baren Schutthalden aufwirbelt und mit sich fortreisst, um nun mit
ungemeiner Heftigkeit jedes sich ihm entgegenstellende Hindernis zu
bepeitschen. In einem Steinbruch war beim Absprengen einer Fels-
wand kurz vor Einsetzen eines starken Sturmes eine Reihe von
Sandlöchern blossgelegt worden, und es war nun ein überaus lehr-
reiches Schauspiel zu beobachten, mit welcher Kraft der Wind gegen
die Felsen raste, die lockeren Quarzkörnchen der Sandlöcher erfasste
und sich gleichsam hineinfrass und solange in diesen mit Sand gefüllten
Hohlräumen herumwirbelte, bis auch das letzte Körnchen ergriffen
und fortgeführt war. Nach Abflauen des Windes konnte ich diese
Löcher genauer studieren, die zuvor mit einer zwar mürben, aber doch
durchaus kompakten Sandmasse ausgefüllt gewesen waren. Sie
waren wie ausgefegt; nicht ein einziges lockeres Quarzkörnchen war
zu entdecken.
Gelegenheit, sich mit Sand zu beladen, findet nun aber der Wind
keineswegs allein in den Steinbrüchen, in den mit Pflanzen so gut
wie gar nicht besiedelten Schutthalden ; Windbruch und Entwurzelung
sind in den Wäldern unseres Gebiets, besonders in den Bezirken der
Kgl. Oberförsterei Karlsberg eine, man kann nur sagen traurig häufige
Erscheinung, der jährlich eine beträchtliche Zahl von Stämmen
zum Opfer fällt. 3 ) Und so findet der Wind auch hier in den Wurzel-
ballen der aus dem Boden gerissenen Bäume allenthalben Sand genug,
um sich mit Quarzkörnchen anreichern zu können. Auch von den
Aussenwänden der Felsen wird es gelingen, durch Frostwirkung oder
*) K. Futterer in den ; Mitteilungen der Grossherel. Badischen Geologischen
Landeeanstalt, Heidelberg 1899, Seite 478 ff.
*) Es handelt sich um einen Gang des 1533 erbauten und 1689 von den
Franzosen gesprengten Theaterturms.
•) Die Enge der Waldwege und die Lockerheit des Sandbodens tragen
offenbar hieran die Hauptschuld.
!•■ OnsH-lfan,
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
132
ständige Befeuchtung durch atmosphärische Niederschläge gelockerte
Quarzkörner abzublasen. Und trotzdem ist es nicht angebracht zu
behaupten, dass dem Winde in unserem Gebiet eine allgemeine
modellierende Wirkung zukommt; denn die Korrasion besteht nicht
im Aufwirbeln, nicht in einem gelegentlichen Abblasen von Sand-
körnchen, sondern sie hat einen allgemeinen Transport der mit-
gerissenen Körnchen zur Voraussetzung; der Wind muss grössere
Strecken überwehen können, ohne durch fortgesetzte Hindernisse an
dem Mitfuhren von Quarzkörnchen gehindert zu werden; er muss erst
durch andauernde grosse Geschwindigkeit den Sandkörnern jene
kinetische Energie verleihen, die wir als Grundlage intensiver Korrasion
ansehen müssen; und unter den heutigen klimatischen Bedingungen
und der damit zusammenhängenden Vegetation kann der Wind in
unserem Gebiet sich nicht mehr derartig mit Sand beladen und diesen
auf grössere Entfernungen mit sich führen. Allenthalben stellt sich ihm
ein Strauch oder ein Baum oder gar zusammenhängende Waldgebiete
entgegen, die einerseits hemmend auf seine Geschwindigkeit einwirken
und ihn vor allem gleichsam aufs sorgfältigste filtrieren und die
eventuell mitgerissenen Quarzteilchen zum Niederfallen bringen. Ich
habe an demselben Tage, an dem ich in dem eigentlichen Steinbruch
den Sandsturm beobachten konnte, festzustellen versucht, wie weit
der heftige Ostwind die Staub- und Sandteilchen, die er in dem
Steinbruch und auf den Halden aufgewirbelt hatte, transportieren
würde. Ich ging zu diesem Zwecke in der Richtung des starken
Windes bis zu derjenigen Stelle, wo das Gebiet des Steinbruches an
den Wald angrenzt. Hier drehte ich mich noch einmal um ; der
Sandsturm war noch immer überaus lästig. Kaum vermochte ich,
mit geöffneten Augen dem Winde entgegenzusehen; die feinen Sand-
und Staubteilchen, die auf das Gesicht aufprallten, riefen ein
empfindliches, prickelndes Gefühl hervor. Nunmehr ging ich in den
Wald hinein, und schon nach etwa 5 m verspürte ich von mitgerissenen
Staub- oder Sandteilchen nicht das Geringste mehr, während ich im
Steinbruch noch immer jene grauen Sandwolken aufsteigen sah. Auf
diese kurze Entfernung also hatte der allerdings dichte Waldbestand
die mitgerissenen Teilchen fast sämtlich zum Abfallen gebracht.
— Ich habe, um ganz sicher zu gehen, an stürmischen, aber trockenen
Herbsttagen die Felsenlabyrinthe der Heuscheuer und der Wilden
Löcher aufgesucht, um zu sehen, ob hier vielleicht eine Windkorrasion
sich entfalten könnte. Ich habe nie Sandstürme in den verzwickten
Felsgängen wahrnehmen können, und auch die Führer konnten mir
trotz wiederholten Befragens von solchen nicht berichten.
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
133
Auf Grund dieser Beobachtungen möchte ich den Wahrnehmungen
Becks über die korradierende Wirkung des Windes in der
Sächsischen Schweiz 1 ) nicht allzuviel allgemeine Bedeutung bei-
legen. Eine eingehende Kritik zu üben, muss ich mir allerdings
versagen, da ich Becks Beweisobjekte nicht an Ort und Stelle nach-
prüfen konnte. Flugsandanhäufungen und eigentümliche Felsformen,
vor allem anscheinend vom Winde korradierte Glasscherben haben
Beck zu der Überzeugung geführt, dass in der Sächsischen Schweiz
auch unter den heutigen klimatischen Bedingungen eine Wind-
korrasion festzustellen sei. In einigen Punkten scheint Beck in der
Tat recht zu haben, vor allem, wenn er jene wagerechten Leisten
und Hohlkehlen an den vertikalen Felswänden als Korrasions-
erscheinungen deutet; dass aber rezente Korrasion diese Formen
geschaffen haben soll, erscheint mir nicht bewiesen. Die matt-
geschliffenen Glasscherben wären für diesen Punkt wohl von aus-
schlaggebender Bedeutung, und gerade hier kommen mir immer
wieder Bedenken. Ohne Frage mussten die Scherben doch eine
Reihe von Jahren und sogar in annähernd derselben Stelle an ihrem
Fundpunkt gelegen haben, ehe „sie an den Seiten mattgeschliffen
erschienen und ihre ursprünglich scharfen Bruchkanten oft deutliche
Abrund ung erkennen Hessen." *) Sollte dies aber bei einem so leb-
haft besuchten Ausflugsort, wie es das Schrammtor ist, möglich sein?
Ist nicht etwa die Eau de Cologne-Flasche, auf die sich Beck
besonders stützt, vielleicht zufallig schon vorher durch Berührung
mit einer ätzenden Flüssigkeit matt geförbt worden? So beachtens-
wert die Wahrnehmungen Becks zweifellos sind, erscheint eine
sorgsame Nachprüfung doch überaus notwendig. In dem Gebiet der
böhmisch-schlesischen Kreideformation ist jedenfalls trotz eifrigen
Nachspürens von einer rezenten Windkorrasion nichts festzustellen.
Selbst an den Glasscheiben des kleinen Aufseherhäuschens im Stein-
bruch an der Friedrichsgrunder Lehne, wo ich doch selbst Sand-
stürme beobachtet habe, konnte von einem auch nur irgendwie
wahrnehmbaren Mattgeschliffensein des Glases keine Rede sein, ob-
wohl die Scheiben schon mehrere Jahre der Witterung ausgesetzt
sind und das vollkommene Fehlen von Vegetation einerseits, der
Reichtum an Staub und Sand andererseits einer rezenten Korrasion
die günstigsten Bedingungen liefern würden. — An den Fensterscheiben
') R. Beck: Über die korradierende Wirkung des Windes im Gebiete des
Quadereandsteins der Sächsischen Schwein. Zeitschrift der Deutschen Geologischen
Gesellschaft, 1894, Seite 537 ff.
8 ) Beck: a. a. 0. Seite 640.
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
134
des Wirtshauses auf dem Heuscheuergipfel war gleichfalls nicht dio
geringste Mattförbung festzustellen. —
Überblicken wir jetzt noch einmal alle Beobachtungen,
welche wir im Gelände über die Verwitterung der
Quadersandsteine anstellen konnten, so gelangen wir
selbst bei eingehendster Würdigung der Zeit als geolo-
gischen Faktor zu der Überzeugung, dass die Ver-
witterung der Quaderfelsen in unserer Periode eine
minimale ist, und der Grund hierfür liegt klar auf der
Hand: die Quadersandsteine verwittern lediglich
mechanisch, die klimatischen Bedingungen aber sind
viel zu wenig excessiv, um einen beträchtlichen Zerfall
der Gesteine hervorzurufen.
b. Wir wenden uns nunmehr der zweiten Gruppe von Gesteinen
zu, welche wir in unserem Gebiet antreffen, und welche wir in
den einleitenden Worten als plänerartige Gesteine zusammengefasst
hatten. Die Gesteine dieser Gruppe, der Plänersandstein sowohl
wie der Kieslingswalder Ton und auch der Planer selbst, müssen als
mehr oder weniger verunreinigte Sandsteine bezeichnet werden, und
zwar ist die Beimengung entweder toniger oder kalkiger Natur. In
unverwittertem Zustande sind sie alle von blauschwarzer oder blau-
grauer Farbe, welche aber je nach dem Grade der Verwitterung in
eine mehr graue oder bräunliche Färbung übergeht. Nach der
Klassifikation Hirschwalds l ) müsste der Pläner seines hohen
Gehaltes an Kieselsäure wegen als Kalksandstein bezeichnet werden,
denn die chemische Analyse z. B. des Pläners von Karlsberg lieferte
folgendes Ergebnis:
Si0 2 58.64
AltOi 6.30
Fe«Os 4.93
CaO 11.43
MgO 2.37
K2O 0.75
Na 2 1.93
H2O 3.67
CO* 9.66
SOs 0.15
99.83
*) Hirschwald; a. a. 0. Seite 483.
J l
Original front
UNIVERSITY OF MICHIGAN
135
Im Dünnschliff 1 ) erscheint der Pläner als eine tonig-kalkige
Masse, in welcher sich eine grössere Anzahl von Qaarzkörnchen be-
findet. Feldspat konnte in nennenswerter Menge nicht wahrgenommen
werden. Dagegen treten deutlich kleine Eisenerzkörnchen in nicht
geringer Anzahl hervor. Ganz untergeordnet finden sich stark zersetzte
Reste von Biotitblättchen und vereinzelt Apatit- und Zirkonlamellen.
Die chemische Zusammensetzung übt hier bei den plänerartigen
Gesteinen einen ungleich grösseren Einfluss auch auf die strukturellen
Verhältnisse und die Verwitterung des Gesteins aus als bei den
Sandsteinen. Die mit Quarzkörnchen vermengte, tonig-kalkige Masse
des Pläners zeigt sehr vollkommene Raumerfüllung, und die bedeutende
Menge von Ton nimmt dem Gestein die Möglichkeit, viel Wasser
aufzunehmen, so dass die plänerartigen Gesteine im Gegensatz zu
den Sandsteinen als wasserundurchlässig bezeichnet werden müssen.
Am stärksten ist diese Eigenschaft nach Leppla 2 ) bei dem Kieslings-
walder Ton ausgeprägt. — Ausserdem möchte es uns scheinen, als
wenn die oben erwähnte Beimengung von Eisenerzkörnchen für den
Pläner von grosser Bedeutung ist. Seine Härte wird zweifelsohne
durch die Anwesenheit dieser Körnchen sehr günstig beeinflusst, und
nicht minder ist diese Beimengung für die Verwitterung von Be-
deutung. Denn wenn wir uns die Frage vorlegen, welche chemischen
Umwandlungen in einem derartig zusammengesetzten Gestein vor-
sichgehen können, so wird es im wesentlichen auf die Zersetzung
der Eisenerzkörnchen hinauskommen; nebenbei wird natürlich eine
partielle oder vollständige Auflösung des Kalkes vorsichgehen.
Eine Probe von stark verwittertem Pläner des Karlsberger
Plateaus zeigte bei der chemischen Analyse folgende Zusammensetzung:
Si0 2 63.62
AI2O3 7.47
Fe20a 5.79
CaO 7.66
MgO 1.23
K2O 0.76
Na 2 1.50
H2O 5.21
CO2 6.40
SOa 0.01
99.65
1
') Die schwierigen mikroskopischen Untersuchungen des Plänergesteins über-
nahm in überaus liebenswürdiger Weise Herr Professor Dr. Milch in Greifswald,
dem ich auch an dieser Stelle meinen ergebensten Dank aussprechen möchte.
*) Leppla; a. a. O. Seite 335.
I Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
13G
Im Dünnschliff unterschied sich der verwitterte Pläner wenig
von dem frischen Gestein. Deutlich wahrnehmbar war vor allem
die fast vollständige Umwandlung des Eisenerzes in Eisenoxydhydrat
Ausserdem war eine Anreicherung an organischen Resten zu erkennen.
Die chemische Auflösung des Kalkes und vor allem die Umwandlung
der Eisenerzkörnchen in lösliches Eisenoxydhydrat wird zweifellos
der Grund für das bei der Verwitterung sich einstellende allmähliche
Mürbewerden des Gesteins sein, und das Eisenoxydhydrat wird dem
Gestein jene bräunliche Farbe verleihen, welche als Vorbote des
beginnenden Zerfalls sich einstellt.
Hand in Hand mit dieser allmählichen Umwandlung geht nun
aber eine sehr wichtige mechanische Veränderung der plänerartigen
Gesteine vor sich. Der Pläner, der, wie bereits erwähnt, in
unverwittertem Zustande eine so grosse Härte besitzt, dass man ihn
als Strassenbeschotterungsmaterial benutzt, lässt von Schichtung so
gut wie nichts erkennen. Er erscheint als massiges, derbes Gestein,
das in Farbe, Härte und Struktur sehr lebhaft an Basalt erinnert.
Sobald jedoch die Zersetzung der Eisenerzkörnchen vorsichgegangen
ist, und der verwitternde Pläner seine dunkelblau-schwarze Farbe
verloren hat, beginnt das Gestein, schiefrig und splittrig zu werden;
senkrechte Risse und Spalten stellen sich ein, und bald erinnert der
verwitternde Pläner an einzelne Reihen aufeinandergeschichtetes Holz
(Tafel IV. Abb. 10). Wie dort durch den Druck von oben häufig
einzelne Scheite Holz aus der Mitte der Wand hervorgedrückt werden,
und durch diese Störung des Gleichgewichts die Wand schliesslich
ganz in sich zusammenfällt, so dauert es auch bei dem verwitternden
Pläner nicht lange, und einzelne Griffel des mürben braunen Pläners,
welche mit dem übrigen Gestein gar keinen Zusammenhang mehr
haben, treten in der Mitte der Wand heraus; und schliesslich ist
auch hier in der Plänerwand das Gleichgewicht derart gestört, dass
eine ganze Wand niedergeht und ein Fusshang aus schiefrig-
splittrigem, ganz und gar mürbem Gestein sich bildet, dessen Material
bald in einen feinen sandig-tonigen Grus zerfällt. — Dieser Prozess
wiederholt sich nun fortgesetzt; auch die nächste Wand, die schon
nur noch zum Teil aus dem Fusshang hervorsieht, wird schiefrig:
und grifflig, bis auch sie eines Tages sich ablöst und nun der
Gehängeschutt an Höhe schon bedeutend zunimmt. Auf diese Weise
dürfte es wohl zu erklären sein, dass man den Pläner und seine
Verwandten, den Plänersandstein sowohl wie den Kieslingswalder
Ton, im Gelände so äusserst selten anstehend findet. Fast überall
hüllt diese Gesteine jener Mantel von Detritusmasse ein, dessen
I Original frorn
UNIVERSITYOF MICHIGAN
137
Entstehung wir soeben geschildert haben. Auf die einzelnen pläner-
artigen Gesteine näher einzugehen, erübrigt sich, da das Wesen der
Verwitterung, der feinstückige Zerfall zu pulverformigen Ton, ihnen
allen gemein ist. Das am leichtesten Zerstörbare von diesen Gesteinen
ist der mergelige Plänersandstein ; ihm reiht sich der Kieslingswalder
Ton an, während der Pläner selbst den nachdrücklichsten Widerstand
zu leisten imstande ist.
Dieser schiefrige, splittrige Zerfall der plänerartigen Gesteine
bildet einen sehr wesentlichen Gegensatz zu der Verwitterung der
Sandsteine, einen Gegensatz, der, wie wir sehen werden, auch für
die Oberflächenform von grundlegender Bedeutung ist.
Auch für den Strassenbau ist dieser Gegensatz von nicht zu
unterschätzender Bedeutung; eine Strasse durch ein Sandsteingebiot
hindurch zu legen, bereitet im allgemeinen keine allzu grossen
Schwierigkeiten. Der feste Sandstein kann mauerartig in fast senk-
rechten Wänden von der Strasse aufsteigen; da ihm kleinstückiger
Zerfall fremd ist, wird sich am Fuss dieser Sandsteinmauern auch
nur wenig Verwitterungsschutt anhäufen, und die senkrechten Wände
werden sich im allgemeinen als stabil erweisen. Anders dagegen
liegen die Verhältnisse, wenn sich eine Strasse in den Pläner ein-
schneiden muss. Das zunächst äusserst feste, blauschwarze Gestein
scheint allerdings ebenso senkrechte Einschnitte vertragen zu können
wie der Sandstein. Sobald aber die Verwitterung längere Zeit auf
das Gestein einwirkt, vollzieht sich jener Prozess, den wir oben aus-
führlich behandelt haben. Allenthalben kommt eine der vertikalen,
aus einzelnen Platten und Griffel bestehenden Wände herunter-
gestürzt und überschüttet die Strasse mit Detritusmassen. Derartige
Erscheinungen treten z. B. bei der Assmusstrasse, die von Karlsberg
nach Straussenei führt, fast in jedem Jahre wieder auf, da man hier
bei Anlage des Weges der Verwitterungsart des Pläners nicht
genügend Rechnung getragen und senkrechte Wände angeschnitten
hat. Ich selbst passierte diese Strasse im Frühjahr 1907 kurz nach
Niedergang einer grossen Reihe von Plänerwänden. Die Strasse war
für Fuhrwerk so gut wie unpassierbar. Gewaltige Massen des
morschen Pläners überlagerten den Fahrweg. Man machte sich je-
doch nun die schlimmen Erfahrungen zu nutze, räumte die Pläner-
trümmer nur zum Teil ab und Hess den Rest als natürliche Böschung
liegen. — Nach meinen Beobachtungen, die auch mit den Aussagen
der Bevölkerung übereinstimmen, finden derartige Felsstürze in
Plänergebieten fast nie im Sommer, selten im Winter, vielmehr fast
ausschliesslich im Frühling statt. Es scheint, dass das in den Fugen
Ortgtal tom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
138
des bereits splittrigen Pläners gefrierende Wasser an diesem Vorgange
besonders stark beteiligt ist und ein stellenweises Anseinanderpressen
der Tafeln nnd Griffel der Planerwände hervorruft, sodass im
Frühjahr die Störang des Gleichgewichts so gross geworden ist,
dass die Katastrophe eintritt.
Zeigt also, wie wir gesehen, der Pläner in seiner Verwitterungs-
art eine merkliche Abweichung von der Verwitterung der Sandsteine,
so muss doch zum Schluss noch auf einen Punkt hingewiesen werden,
in dem beide Gesteinsarten eine Übereinstimmung aufweisen: es ist
das Auftreten kugeliger Konkretionen. Die Plänergeoden, die an die
im Wünschelburger Steinbruch gefundenen Sandsteinknollen erinnern,
sind besonders zahlreich zu beobachten an den steilen Wänden, welche
die malerische Strasse von Reinerz nach Grunwald auf beiden Seiten
einrahmen. Es sind kugelige Gebilde von 20—30 cm Durchmesser,
die sich in der Farbe nur wenig oder gar nicht von dem sie umgebenden
Pläner unterscheiden. Allein ihre Festigkeit ist eine ungleich grössere.
Während ringsherum das Gestein splittrig und grillig wird und
langsam seitlich abbröckelt, verändert sich die Struktur dieser Geoden
gar nicht. Sie bleiben häufig im Gestein sitzen, wenn auch längst
die sie einschliessenden Plänermassen durch die Verwitterung zum
Abfallen gebracht sind, und ragen dann halbkugelförmig aus den
Felsen heraus, so dass man in der Tat den Eindruck empfangt, als
sässen hier „Kanonenkugeln" im Felsen, wie die Bevölkerung diese
Bildungen zu nennen pflegt. Gelegentlich, wenn die allmähliche
Abbröckelung des mürben Pläners soweit vorgeschritten ist, dass
eine solche Geode nicht mehr genügend Unterstützungsfläche besitzt,
fällt die feste Kugel heraus und hinterlässt als Spur ein halbkugeliges
Loch, wie man es in grösserer Anzahl in den Plänereinschnitten der
Bahnstrecke Rückers-Reinerz beobachten kann.
Für das Landschaftsbild spielen diese Bildungen jedoch nur eine
sohr untergeordnete Rolle, da, wie bereits angedeutet, die plänerartigen
Gesteine überhaupt nur sehr selten als Felsen im Gelände anzutreffen
sind, vielmehr infolge der ihnen eigentümlichen Verwitterungsart fast
stets von einer mehr oder minder dichten Schicht von Verwitterungs-
produkten bedeckt sind, welche infolge ihrer Zusammensetzung im
allgemeinen einen fruchtbaren Ackerboden liefern. —
c. Legen wir uns nunmehr die Frage vor, was aus dem von der
Verwitterung gelieferten Schuttmaterial wird und was wir über die
Abtragung der Verwitterungsprodukte im Gelände beobachten können.
Da dem Winde, wie wir oben ausgeführt haben, unter den heute
herrschenden klimatischen Bedingungen keine irgendwie bedeutungsvolle
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
139
Einwirkung auf das Gestein zugestanden werden kann, so werden wir
die Abtragungsvorgänge zweckmässig in folgende Gruppen einteilen:
1. Abtragung durch atmosphärische Niederschläge und fliessendes
Wasser,
2. Abwärtsbewegung von Fels- und Schuttmassen,
3. Abtragung durch die Tätigkeit des Menschen in den Steinbrüchen.
In ganz ähnlicher Weise, wie die dichte Vegetation hemmend
auf die korradierende Tätigkeit des Windes einwirkt, beeinflusst sie
auch die abschwemmende und abspülende Tätigkeit der atmosphärischen
Niederschläge. 1 ) Einerseits wird die Vegetation einen Teil der Nieder-
schläge auffangen, der nun den Erdboden überhaupt nicht erreicht
oder nur unter Verlust eines grossen Teils seiner kinetischen Energie,
die für die Abtragung massgebend ist; zum andern aber kann das
auf den Erdboden auffallende Wasser vermöge seiner Stosskraft
intensiv abtragend nur dann wirken, wenn die Verwitterungsprodukte
nackt zutage liegen. Wo dies ausnahmsweise der Fall ist, an den
Gehängen frischer Steinbruchshalden, an den Böschungen neu an-
gelegter Wege, können wir die Wirksamkeit der Abtragung durch
die atmosphärischen Niederschläge allenthaben beobachten. Die
auffallende Trübung der kleinen Rinnsale in den Chausseegräben wird
zweifellos in der Abspülung der Böschungen ihren Grund haben.
Mannigfach verschlungene und sich vereinigende Wasserrunson
modellieren diese Böschungen, besonders in dem undurchlässigen
Plänerschutt, wo das Wasser zum allergrössten Teil oberflächlich
abfliesst. Aber bald überziehen sich auch jene wenigen nackten
Stellen mit einer allmählich immer dichter werdenden Decke von
Gräsern und Kräutern, welche den Verwitterungsboden vollkommen ein-
hüllen und festhalten, so dass die atmosphärischen Niederschläge kaum
noch irgend eine nennenswerte Abtragung zu bewirken imstande sind.
Die geringe Bedeutung, die wir nach unseren Beobachtungen der
Abspülung durch die atmosphärischen Niederschläge beilegen müssen,
bringt uns in einen Gegensatz zu den Beobachtungen und Messungen,
welche Karsten hierüber in dem Düsternbrooker Gehölz bei Kiel
angestellt hat. 2 ) Dieser Forscher beobachtete eine eigenartige
*) Mit Qötzingcr (Beiträge zur Entstehung der Bergrückenform. Geograph.
Abhandlungen Bd. IX, Heft 1. Leipzig 1907 Seite 21 ff.) unterscheiden wir
zwischen Verschwemmung und Abspülung, je nach dem Fehlen oder Vorhanden-
sein sichtbarer Rillen und Runsen auf der angegriffenen Fläche.
*) G. Karsten: Über die Wirkung kleiner Niveauveränderungen durch die
atmosphärischen Niederschläge. Schriften des Naturwissenschaft!. Vereins für
Schleswig-Holstein Bd. IX, 2. Heft, Kiel 1892.
Original ftom
UNIVER5ITY0F MICHIGAN
140
Wachstümserscheinung der Bäume; während nämlich der Baum,
welcher gepflanzt wird oder aus dem Samen aufspriesst, mit seinem
walzenförmigen Stämmchen die Erdoberfläche durchbricht, die Wurzel-
ansätze aber unterhalb der Oberfläche bleiben, fiel es Karsten auf,
dass an zahlreichen Bäumen die Wurzelansätze sich auch oberhalb
des Erdreiches vorfanden. Da sich wohl kaum mit dem Alter aus
dem Stamm oberhalb der Erde hervortretende Wurzeln bilden, so
schloss Karsten, dass füglich nur zwei Erklärungen für diese eigen-
artige Erscheinung heranzuziehen sind: entweder wird der ganze
Baum durch irgend eine Ursache gehoben, sodass die Wurzeln als-
dann aus dem Erdreich herausragen, oder aber das Erdreich wird
langsam und allmählich abgewaschen und auf diese Weise werden
schliesslich die Wurzeln blossgelegt. — Da für die erste Annahme
jede Grundlage fehlt, so erklärt Karsten diese Erscheinung als eine
Wirkung der Abspülung durch die atmosphärischen Niederschläge.
Folgerichtig misst er nun den Abstand der jetzigen Erdoberfläche
bis zu dem Anfang des eigentlichen wurzellosen Stammes, vergleicht
mit dieser Zahl das Alter des betreffenden Baumes und gelangt so
zu dem Ergebnis, dass in 200 Jahren eine Abtragung von 200 cm,
d. h. 1 cm pro Jahr stattfinde.
Der Gedanke Karstens ist nicht neu und bereits 1888 von v. Fritsch
in ähnlicher Form ausgesprochen worden ; *) und dass das von den
Asten und dem Hauptstamm herabrieselnde Wasser sehr wohl eine
langsam sich bemerkbar machende Abspülung des Erdreiches um den
Stamm herum bewirkt, ist eine Erfahrung, die wir bei jeder Pflanzung
machen können. — Original wird der Ideengang Karstens dadurch,
dass er die gefundenen Werte auf die Oberfläche als Ganzes über-
trägt und eine entsprechende Abtragung der alluvialen und diluvialen
Hügel errechnet, die so ins ungeheure wächst (in 10 000 Jahren 100 m,
dass man bei konsequenter Fortführung der Rechnung zu dem Resultat
kommen muss, dass diluviale Höhenzüge eigentlich überhaupt nicht
mehr existieren dürften.
Die Ausführungen Karstens interessieren uns nicht allein
deswegen, weil sie ihrerseits im Widerspruch stehen zu dem geringen
Botrage, welchen Lapparent als Gesamtbetrag der Abtragung der
Oberfläche überhaupt angibt, 2 ) nämlich 0,110 mm pro Jahr oder 1 cm
in etwa 91 Jahren, sondern vor allem deswegen, weil auch in unserem
Gebiet zahlreiche Bäume jene Stelzbeinigkeit aufweisen, welche als
l ) Karl v. Fritsch: Allgemeine Geologie. Stuttgart 1888. Seite 306/7.
*) A. de Lapparent: La mesure du temps par les phenomenes de Sedimentation.
Bulletin de la societe geol. de France Bd. XVIII Seite 351/65 (besondere Seite 364).
Ongmalfi™
UNIVERSrTY OF MICHIGAN
141
Beweis der hochgradigen Abtragung durch die abspülende Tätigkeit
der atmosphärischen Niederschläge angeführt wird. Es lag daher
nahe, die entsprechende Berechnung auch hier anzustellen, um den
hierbei sich ergebenden Wert mit den Zahlen Karstens zu vergleichen.
Allein bei näherer Untersuchung ergab sich sogleich, dass es
kaum angängig sein wird, diese eigentümlichen Erscheinungen auf
eine allgemeine flächenhafte Abtragung von 1 cm pro Jahr zurück-
zuführen. Schon die Tatsache, dass die erwähnte Erscheinung
keineswegs an allen Stämmen zu beobachten ist, 1 ) und dass sich auch
am Fasse der Erhebungen, wo die Verwitterungsprodukte doch
zusammengeschwemmt sein mussten, derartige „stelzbeinige" Bäume
antreffen lassen, bereitet einer Erklärung im Karsten sehen Sinne
einige Schwierigkeit. Ich möchte in Übereinstimmung mit den von
mir befragten Forstbeamten jene Bildungen zum mindesten für das
untersuchte Gebiet auf andere Ursachen zurückführen. Besonders
in den Sandsteingebieten, wo wir, wie bereits mehrfach betont, die
intensivste Forstwirtschaft antreffen, kommt es häufig vor, dass ein
Same auf einen Felsblock fallt und dort genügend Dammerde findet,
um zu keimen. Bald aber reicht die Nahrung nicht mehr aus, und
das Bäumchen sendet einen Teil seiner Wurzeln auf der Aussenseite
des Blockes entlang in das Erdreich. Je stärker und mächtiger nun
aber der Stamm und die Wurzeln werden, um so intensiver wirken
sie zerstörend auf den sie umklammernden Felsblock ein, bis dieser
schliesslich zerfällt. Sind nun die Wurzeln bereits stark genug, so
bleiben sie stelzenartig im Erdreich stecken, während der eigentliche
Stamm erst in der Tat in einiger Entfernung vom Boden beginnt.
Dass die atmosphärischen Niederschläge, vor allem das am Stamm
herunterrieselnde Wasser nun den Sandgrus noch auseinandertragen,
erscheint durchaus wahrscheinlich. Die atmosphärischen Niederschläge
sind aber demnach doch nur die unmittelbare Ursache für die
Stelzbeinigkeit. — Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass bisweilen
die Baumstümpfe der geschlagenen Stämme im Boden stecken bleiben,
und wenn diese nun allmählich vermodern, so kann sich auf ihnen
bald ein geeigneter Boden für Tannen- und Fichtensamen bilden,
welcher durch Samenflug hierher getrieben wird. Die jungen Pflanzen
aber treiben ihre Wurzeln wiederum auf der Aussenseite der Baum-
stümpfe in die Erde hinein, 2 ) und diese äusseren Wurzeln ersetzten
') Karsten schließet aus dieser Tatsache auf eine frühere hügelige Beschaffen-
heit des Terrains; jedoch erscheint eine derartige Annahme absolut unwahrscheinlich
für ein Gelände, das wie das unserige aus horizontal gelagerten Schichten auf-
gebaut ist.
*) siehe umstehend ').
Original ftom
UNIVER5ITY0F MICHIGAN
142
später hinlänglich erstarkt die meist verkümmernden mittleren Wurzel-
teile vollkommen, so dass nach dem Verwesen der alten Reste der
junge Stamm wie auf Stelzen in der Luft schwebt. Aach hier können
und werden natürlich die atmosphärischen Niederschläge den ver-
modernden Baumstumpf allmählich entfernen und zur Erhöhung der
Stelzbeinigkeit beitragen, ohne doch die unmittelbare Ursache hierfür
gewesen zu sein. Diese Erklärungen für die Stelzbeinigkeit der
Bäume scheinen mir wenigstens für das untersuchte Gebiet die natür-
lichen und zutreffenden zu sein. Der interessante Versuch, die ab-
spülende Tätigkeit der atmosphärischen Niederschläge mit Hülfe
dieser Erscheinung zahlenmässig zu bestimmen, muss dann aller-
dings aufgegeben werden.
Wir wenden uns nunmehr der abtragenden Tätigkeit des fliessenden
Wassers zu. Wenn auch in allererster Linie die Grösse des Gefälles und
der Wasserführung von massgebender Bedeutung sein mag, so ist doch
andererseits ihre Abhängigkeit von der wechselnden Widerstand-
fahigkeit der verschiedenen Gesteine eine so augenfällige, dass sie
dem Beobachter im Gelände unmöglich entgehen kann. Schon die
Form der Sammeltrichter, in welcher sich die Quellwässer und das
oberflächlich abfliessende Regenwasser vereinigen, zeigt jene Ab-
hängigkeit in aller Deutlichkeit. In dem sehr durchlässigen Quader-
sandstein wird ein grosser Teil des auftretenden Wassers versitzen
und nur wenig oberflächlich abfliessen. Die Erosion ist daher nur
gering und hat ausserdem noch die bedeutende Härte der Sandstein-
felsen zu überwinden. Die Sammeltrichter bilden daher im Quader-
sandstein weit ausgedehnte, in der Flussrichtung meist lang gezogene,
äusserst flache und wenig geneigte Wannen oder Mulden. Ganz
anders liegen die Verhältnisse bei den plänerartigen Gesteinen.
Nicht allein im frischen Zustande zeigen diese Gesteine eine ausser-
ordentlich vollkommene Raumerfüllung, sondern auch ihre durch den
kleinstückigen Zerfall gelieferten tonigen Verwitterungsprodukte er-
weisen sich als sehr wasserundurchlässig. Die meteorischen Nieder-
schläge fliessen daher zum allergrössten Teil oberflächlich ab. In
demselben Masse aber nimmt die Neigung zu erodieren zu, und der
leicht zu transportierende, feine Verwitterungsschutt dieser Gesteine
fallt der Stosskraft des Wassers derartig zum Opfer, dass die
Sammeltrichter ihre untere Grenze immer höher hinaufschieben, von
geringerer Grösse sind und in ihrer Gestalt sich mehr der Form
*) Vergleiche hierzu Prof. Dr. Theodor Schübe, Breslau : Aus der Baumwelt
des Riesen- und Isergebirges. Der Wanderer im Riesengebirge, Bd. XI, Nr. 296,
Seite 1 IG.
Original ftom
UNIVER5ITY0F MICHIGAN
143
eines Amphitheaters oder Zirkus nähern. Als Beispiel der ver-
schiedenen Formen der Sammeltrichter möchte ich die langgestreckte,
den grössten Teil der Henschener umfassende Sammel wanne des Rot-
wassers einerseits und die scharf abgegrenzten, der Zirkusform sich
nähernden Sammeltrichter des Friedrichberger und Friedersdorfer
Wassers andererseits anführen.
Mit dem Austritt aus dem Sammeltrichter beginnt nun die
eigentliche Erosionsstrecke, und auch hier drängt sich der Zusammen-
hang von Talform und Gestein dem Beobachter förmlich auf. Es
würde natürlich über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen, eine
eingehende hydrographisch-geographische Beschreibung der einzelnen
Täler und ihrer Bildungsweise zu geben. Der Mangel an Zeit und
genügenden Spezialkenntnissen würde wohl auch den Erfolg eines
solchen Versuches in Frage gestellt haben, und für den ganzen öst-
lichen Teil unseres Gebietes besitzen wir überdies eine solche Be-
schreibung in dem mehrfach zitierten Werke Lepplas. Wir müssen
uns also darauf beschränken, aus der Fülle von eigenen Beob-
achtungen und von Literaturangaben das herauszuschälen, was für
den Vorgang der Abtragung durch fliessendes Wasser charakteristisch ist.
Die Grösse der erodierenden Kraft ist in erster Linie von der
Stosskraft des Wassers abhängig, welche wiederum als die Resultierende
der verschiedenen Geschwindigkeit der Wasserteilchen zu verstehen
ist; diese Geschwindigkeit ist nun aber nahe der Oberfläche im
sogenannten Stromstrich am grössten und nimmt mit der Tiefe
ab. 1 ) Die mechanische Arbeit des Flusses ist daher nahe der Ober-
fläche an den beiden Ufern bedeutender als in der Tiefe, so dass
das normale Profil eines Flussbettes eine V-förmige Rinne dar-
stellt. Es wird im übrigen hauptsächlich darauf ankommen, welcher
Widerstand der Erosion vor allem im Stromstrich durch das Gestein
entgegengesetzt wird. Schneidet sich nun ein Flussbett in pläner-
artige Gesteine ein, so wird der seitlichen Erosion im Stromstrich
zunächst energischer Widerstand geleistet werden; allmählich aber
wird das Gestein schiefrig, splittrig und mürbe, und schliesslich löst
sich nun, wie wir es oben ausführlich beschrieben haben, eine vertikale
Wand von dem Plänerfelsen ab, dessen feiner toniger Grus vom Wasser
leicht mitgeführt wird. Nun beginnt das Wasser, weiter an den
Plänerwänden zu nagen, bis auch die nächste Wand zusammenstürzt.
Da die Wasserführung der Plänerge Wässer infolge der Undurchlässig-
keit der Gesteine eine relativ bedeutende ist und infolge der den
plänerartigen Gesteinen eigentümlichen kleinstückigen Verwitterung
*) Leppla: a. a. O. Seite 116.
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
144
die Erosion im Stromstrich sich stark entfalten kann, so wühlt sich
das Wasser in diesem Gestein im Laufe der Zeit eine Rinne ans,
deren V-Form aufs deutlichste ausgeprägt ist. (Figur 1.) Anders
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Figur 1: Schematisches Profil eines Tales im plänerar tigen Gestein.
dagegen liegen die Verhältnisse im Quadersandstein. Die grosse
Wasserdurchlässigkeit und die damit zusammenhängende geringe
Neigung dieser Gesteine zur Hochwasserbildung sind der Erosion
sehr hinderlich, so dass längere Täler im Gebiet des Quadersand-
steins fast gänzlich fehlen. Muss aber ein Fluss auf seinem Wege
ein Quadersandsteingebiet durchbrechen, so setzt der Sandstein in-
folge seiner grossen Härte und des absoluten Fehlens von splittriger,
kleinstückiger Verwitterung der seitlichen Erosion so energischen
Widerstand entgegen, dass eine seitliche Abtragung so gut wie
unmöglich wird und die Erosion daher versucht, nach der Tiefe zu
zu schreiten. Aus dem normalen V-förmigen Tal entwickelt sich
dann im Sandsteingebiet eine U-förmige, steilwandige und enge, bis-
weilen kanionartige Auswaschungsstrecke. (Figur 2.)
Figur 2: Schematisches Profil eines Tales im Quadersandstein.
Original from
UNIYERSITYOF MICHIGAN
145
Im Gelände bietet sich allenthalben Gelegenheit, die verschiedenen
Talformen und ihre Abhängigkeit von der betreffenden Gesteinsart
deutlich zu verfolgen. Greifen wir als ein überaus lehrreiches Bei-
spiel den Verlauf des Rotwassers heraus, welcher die Hochfläche
von Karlsberg entwässert. Trotz der hohen Lage dieses Plateaus
und der dadurch bedingten reichlichen Niederschläge, und obwohl
ausserdem der undurchlässige Pläner den grössten Teil der Hoch-
fläche einnimmt, ist die Wasserführung eine verhältnismässig geringe, 1 )
was wohl darauf zurückzuführen ist, dass von den 18 qkm, welche das
gesamte Niederschlagsgebiet des Rotwassers umfassen, 9,26 qkm dem
sehr durchlässigen, ganz bewaldeten Quadersandstein angehören. 2 ) —
Das Rotwasser verläuft auf der Plänerhochfläche dem Streichen der
Schichten parallel nach SO. Sein Bett ist ein typisches Plänertal
und daher ausserordentlich flach. Beim Forsthaus Neu-Friedrichs-
grund aber biegt der Bach nach Süden um and durchbricht den
Quadersandstein. In einer tief eingeschnittenen, klammartigen
Schlucht hat er sich hier eingesägt, bis er schliesslich in mehreren
kleinen Wasserfällen die steilen Wände des Quadersandsteins hinab-
stürzt. Nach einer kurzen Strecke im Pläner stösst das Rotwasser bei
den letzten Häusern von Friedrichsgrund abermals auf Quadersand-
stein, in welchem er sich wiederum ein enges und dafür um so
tieferes, kafionartiges Bett eingesägt hat. Sobald er dann aber
nach SW in den Pläner umbiegt, ist der Widerstand gegen die seit-
liche Erosion gering genug, um die Anlage eines breiten V-förmigen
Bettes zu gestatten. — Die Gefalle von der Quelle aus nach unten
gestalten sich nach Leppla 3 ) für den laufenden km folgendermassen :
30 m (Karlsberg im Pläner)
9,5 m (sandige Aufschüttung im Pläner)
8,5 m (desgleichen)
3 m (desgleichen)
12 m (Eintritt in Quadersandstein)
12, 15, 105 m (örtlich sogar 140 m), im Durchschnitt also ca. 65 m
(Erosion im Querdurchbruch im Quadersandstein)
32 m (Aufschüttung und Erosion im Pläner bei Friedrichsgrund)
20 m (Erosion im Pläner und Quadersandstein)
15 m (grobe und feine Aufschüttung im Pläner).
*) Leppla schätzt sie (a. a. 0. Seite 279) auf 15 Sekunden-Liter.
•) Leppla: a. a. O. Seite 279.
») Leppla: a. a. O. Seite 279.
Mitteilungen XXIV. 10
Origirt.il ff'.iin
UNIVERSITY OF MICHIGAN
I
146
Dieselbe Erscheinung: ein breites, typisch V-förmiges Tal in
plänerartigen Gesteinen nnd eine U-formige, tiefe, enge Auswaschungs-
strecke im Quadersandstein tritt uns bei fast allen Bächen nnd
Flüssen entgegen. Wir sehen es ebenso wie beim Rotwasser beim
Lichtenwalder Wasser kurz nach Verlassen des Urgebirges und \
seinem Eintritt in den Pläner und Quadersandstein, und nicht
minder deutlich hebt sich beim Wölfeisbach die Erweiterung des
Bettes bei seinem Eintritt in den Kieslings walder Ton ab; der
Kressenbach wiederum schneidet sich am „Dürren Rand" eng und
schluchtig in den Quadersandstein ein, während sich das Tal beim
Eintritt in den Pläner sofort wieder erweitert.
Mit ganz besonderer Schärfe prägt sich dieser genetische Zusammen-
hang zwischen Talform und Gestein in der Talenge aus, welche das Bett
der Weistritz zwischen der Kolonie Höllenberg und Neu-Falkenhain kenn-
zeichnet. Schluchtartig hat sich hier das Wasser der Weistritz eingesägt
in den Sandstein, welcher der seitlichen Erosion nur allzu grossen
Widerstand entgegengesetzt hat. — Und wenn man die Neisse von
ihren Quellen aus verfolgt, soweit sie das Kreidegebiet durchfliesst,
können dem Beobachter dieselben Eigentümlichkeiten der Talform
nicht entgehen. Besonders augenscheinlich ist die Tal Verengung bei
Oberlangenau, wo die Neisse aus dem weichen Pläner und dem Kies-
lingswalder Ton in den widerstandsfähigeren Sandstein eintritt. Die
steilen Uferböschungen und die schluchtartige Enge des Flusses
stehen hier im scharfen Gegensatz zu der Talform im Kieslingswalder
Ton. Eine ähnliche Erscheinung wiederholt sich im Neissetal weiter
unterhalb bei Habelschwerdt, wo sich der Fluss abermals durch
Quadersandstein einengen lassen muss.
Nicht minder deutlich lassen sich immer dieselben gesetzmässigen
Änderungen der Talform auch bei den Bächen und Wasserläufen des
Adersbach- Weckelsdorfer Gebietes nachweisen, so dass es unnötig
erscheint, weitere Beispiele anzuführen. —
Werfen wir zum Schluss noch einen kurzen Blick auf das Material,
welches durch die Erosion verfrachtet wird, so tritt uns auch hier
derselbe genetische Zusammenhang zwischen den physikalischen
Eigenschaften der Gesteine und ihrer Verwitterung und Abtragung
entgegen. In Flussläufen, die sich in Quadersandstein einschneiden
(Reinerzer Weistritz, Neisse bei Langenau), finden sich reichlich Blöcke
des Quadersandsteins, die, fast immer annähernd kugelförmig, durch ihre
Grösse gegenüber den Gerollen der kristallinen Gesteine auffallen.
Man wird diesen Unterschied in der Grösse der Gerolle wohl in der Tat
mit Leppla auf den Unterschied dos spezifischen Gewichtes zurückführen
I Original ftom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
147
dürfen. 1 ) Bei den kristallinen Gesteinen beträgt das spezifische
Gewicht 2,6—2,7, bei den Sandsteinen dagegen nur 2,0; da aber bei
der Abtragung durch das fliessende Wasser ausschliesslich das
absolute Gewicht in Betracht kommt, so wird im allgemeinen nur das
Produkt Volumen X spezifisches Gewicht bei den verschiedenen Ge-
steinen gleich sein müssen, mithin bei spezifisch leichten Gesteinen
das Volumen grösser als bei spezifisch schwereren. — Zu längerem
Transport sind die Sandsteingerölle wenig geeignet. Sie werden
zunächst im Wasser mürbe und nehmen dadnrch bei der Rollung im
Flussbett zwischen härteren Gesteinen an Grösse rasch ab. So finden
wir in der Neisse vor der Aufnahme der Reinerzer Weistritz bei
Putsch, also in 3 km von zunächst Anstehendem und in etwa 17 km
Entfernung von der viel Geröll liefernden Umgebung von Bad Langenau,
keine Sandsteingerölle mehr, und die ihr von der Weistritz aufs neue
zugeführten verlieren sich schon bei Kamenz nahezu gänzlich und
sind bei Patschkau nicht mehr vorhanden. 2 )
Die zerriebenen Sandsteingerölle aber liefern nun reichliches
Material an Sand, welcher bei geringer werdendem Gefall und Tal-
erweiterung zur Aufschüttung fluviatiler Schuttkegel verwandt wird,
wie wir es allenthalben, vor allem im Weistritz- und Neissetal beob-
achten können.
Dass die plänerartigen Gesteine kein Material zur Geröllbildung
liefern, bedarf bei der ihnen eigentümlichen Verwitterung keiner
besonderen Betonung. Wohl aber wird die starke Flusstrübe, welche
nach heftigen Regengüssen besonders in der Neisse zu beobachten
ist, auf Rechnung des feinst verwitterten und leicht mitzuführenden
Pläners und Kieslingswalder Tons zu setzen sein.
Ich möchte diese Betrachtung über die Erosion durch fliessendes
Wasser nicht verlassen, ohne auf den eigentümlichen Verlauf jenes
Baches hingewiesen zu haben, welcher den Kreidegraben von Kronstadt
entwässert. Die Erlitz bildet nämlich keineswegs, wie es auf den
bisherigen geologischen Karten dargestellt ist, die Grenze der Kreide-
ablagerungen nach NO, sondern hat ihr Bett östlich von dem am
Habelschwerdter Gebirge entlang laufenden Bruchrande im Gebiet
des Glimmerschiefers eingegraben (Tafel II. Abb. 4). Die Steinbrüche
auf dem rechten Ufer der Erlitz sowohl in der unmittelbaren Nähe
der Kronstädter Kirche wie südöstlich von Kronstadt, wo das stark
schiefrige Urgestein zu Plattenbelag abgebaut wird, beweisen die Tat-
sache aufs deutlichste. — Die Verlegung eines Flussufers vom Gebiet
») Leppla: a. a. O. Seite 13.
2 ) Leppla: a. a. 0. Seite 13.
Original ftom
UNIVER5ITY0F MICHIGAN
148
grösster Auflockerung, dem Bruchrande, fort, ist nun an und für sich
noch nichts Ungewöhnliches ; die Erlitz aber folgte nicht dem Einfallen
der Schichten, verlegte ihr Bett nicht in den mürben Pläner, sondern
grub sich in den ungleich härteren Glimmerschiefer ein. — Es ist
mir trotz eingehender Studien an Ort und Stelle nicht gelungen, eine
einwandsfreie Erklärung hierfür zu finden. Talterrassen fehlten voll-
ständig; das Bett ist ohne jeden Zweifel durchaus junger Entstehung.
Möglicherweise handelt es sich bei der Erlitz überhaupt nicht um ein
natürliches, sondern um ein ursprünglich von Menschenhand angelegtes
Bett. Wir müssen es dem Historiker überlassen, nachzuprüfen, ob
sich vielleicht irgend ein Anhalt dafür findet, dass die von Norden
und Nordosten kommenden Ansiedler jenes Sumpfgebiet, als welches
uns die Gegend in den ältesten Nachrichten geschildert wird and
worauf wohl auch der Name Langenbrück (gegenüber von Kronstadt)
hindeutet, durch einen am Fusse des Habelschwerdter Gebirges sich
entlangziehenden Graben zu entwässern suchten. Die Erosion des
diesen Kanal benutzenden Wassers hat dann möglicherweise erst das
heutige Flussbett geschaffen.
Die zweite Abtragungsform hatten wir als Abwärtsbewegung von
Fels- und Schuttmassen bezeichnet. Die treibende Kraft ist auch
hier die Schwerkraft, welche auf die bei der Verwitterung entstehenden
Zerfallprodukte unmittelbar einwirkt. Dass wir das Zusammenstürzen
der Plänerwände bereits unter dem Kapitel „Verwitterung" und nicht
an dieser Stelle behandelt haben, hat seinen Grund darin, dass bei
dem Niedergehen der Plänerwände ein Transport des zerfallenen
Gesteins nur in recht bescheidenem Masse stattfindet. Die Pläner-
wände, die wir im Gelände antreffen, sind meist nur wenige Meter
hoch (selten mehr als 5 m), so dass bei der Ablösung einer solchen
Wand infolge der geringen Höhe die Bewegungsenergie des Pläner-
schutts nur unbedeutend ist und bei der Kleinheit der Verwitterungs-
produkte ein bedeutungsvoller Massentransport nicht vorsichgeht;
man muss in der Tat dieson Vorgang mehr als ein Insichzusammen-
stürzen, denn als Abwärtsbewegung bezeichnen. Bei dem Qaader-
sandstein liegen die Verhältnisse wesentlich anders. Löst sich hier
ein Quader von den hohen, senkrechten Wänden ab, so kann er, sofern
er beim Herabstürzen nicht bereits zerschellt, weit ins Vorland hinab-
rollen. Die ausgedehnten Schuttgehänge, welche die Sandsteinmauern
allenthalben umgeben, lassen durch ihr wirres Haufwerk meist eckiger,
scharfkantiger Blöcke erkennen, in welch wirksamer Weise das
Landschaftsbild durch diese Art der Abtragung, die Felsstürze, in
dem Gebiet des Quadersandsteins beeinflusst wird.
MgM«*.
UUI'.'ERSrTY OF MICHIGAN
149
Um so mehr ist es zu bedauern, dass es uns nicht möglich war,
ein derartiges Herabstürzen losgelöster Quadennassen im Gelände
mitzuerleben. Es blieb mir daher nur übrig, Erkundigungen darüber
einzuziehen, wo und wann in den letzten Jahren ein Felssturz beob-
achtet worden war. In der Kgl. Oberförsterei Karlsberg 1 ) erfuhr
ich, dass vor etwa 30 Jahren am Spiegelberg herabstürzende Fels-
massen grosse Verheerungen in den jungen Schonungen angerichtet
hatten ; jedoch war an derselben Stelle vorher das Gestein gebrochen
worden, so dass es sich in diesem Falle um das Herabkommen
künstlich unterminierter Quader handelt. — Da im übrigen
an allen Orten, wo ich nach einem Herabstürzen von Fels-
massen forschte, immer dieselbe Antwort erfolgte: so lange man sich
erinnern könnte, sei etwas Derartiges nie vorgekommen, so versuchte
ich zuletzt, in einigen Chroniken nach einem Bericht über Felsstürze
zu fahnden. Bei der peinlichen Sorgfalt, mit welcher die Chronisten
jede Kleinigkeit mit einer uns fast komisch anmutenden Ausführlichkeit
der Nachwelt überliefert haben, war wohl zu erwarten, hier einen
Hinweis auf derartige Katastrophen zu finden, zumal viele Ortschaften
unmittelbar am Fusse von Quadersandsteinfelsen angelegt sind, wo
Felsstürze naturgemäss von ganz besonderer Bedeutung gewesen
wären. Aber auch hier waren die Bemühungen vergebens. — Wir
gelangen somit zu dem Resultat, dass ein Herabstürzen von Quader-
reihen in unserer Zeit überhaupt nicht mehr stattfindet oder zum
mindesten ausserordentlich selten auftritt. Im Schlusskapitel kommen
wir auf diesen Punkt noch einmal zurück. 2 )
Es erhebt sich nun eine weitere Frage von allgemeinem Interesse,
nämlich die, ob die am Fusse der Felsen angesammelten Schuttmassen
eine starre, unbewegliche Masse darstellen, oder ob sie die Fähigkeit
besitzen, ihrerseits wiederum noch Bewegungen auszuführen. Was
sich über diesen Punkt durch Beobachtungen im Gelände feststellen
liess, hat trotz der darauf verwandten Mühe zu keinem positiven
Resultat geführt.
') Es ist mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle Herrn Kgl. Oberförster Thotnnuk
in Karlsberg, welcher mir stets bereitwilligst behilflich war, meinen aufrichtigsten
Dank auszusprechen.
*) Zu welchen Seltenheiten heutzutage das Herabstürzen von Quadennassen
gehört, beweist die Tatsache, dass man in Adersbach an einem Block, welcher
nach dem Bericht der Führer in der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch
Blitzschlag abgesprengt worden sein soll und unmittelbar vor einem Touristen
niederstürzte, eine Tafel angebracht hat zur Erinnerung an jenes Ereignis,
welches seitdem sich nie wiederholt hat.
Ortgtal tom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
150
Angeregt durch die Mitteilung Assmanns, 1 ) versuchte ich zunächst,
die Frage zu entscheiden, ob die auf dem Gehängo angesammelten
Blöcke durch die Mitwirkung von Rauhreif und Glatteis eine Abwärts-
bewegung ausführen. As s mann vermutet nämlich, dass im Winter
ein Niederschlag von Rauhreif und Glatteis den Gesteinsblock mit
einer überaus glatten Hülle umgeben, welche jede Unebenheit der
Oberfläche ausgleicht. „Da nun hiervon häufig sowohl die aufliegenden
Blöcke als deren bisher rauhe Unterlage betroffen werden, entsteht
ein Zustand unsicheren Gleichgewichts, welcher bei geeigneter Fläche
die ausgezeichnetsten Bedingungen zum Gleiten darbietet. Eine gering-
fügige Veranlassung, welche sonst wirkungslos bleiben würde, kann
nun hinreichen, um mächtige Blöcke der Schwerkraft zu überantworten,
welche nun bei fast völlig fehlender Reibung auf der Unterlage weite
Transporte derselben ermöglicht". 2 )
Um diese Vermutung nachzuprüfen, wählte ich auf den verschiedenen
Halden insgesamt 20 Blöcke aus und schlug nun im Herbst in der
Nähe jedes Blockes zwei Pfahle so ein, dass eine die beiden Holzstäbe
verbindende, stramm gespannte Schnur den Gesteinsblock gerade
berührte. Im Frühjahr besuchte ich alsdann dieselben Stellen wieder,
um eine etwaige Veränderung der Lage festzustellen. In mehreren
Fällen waren die Holzpfähle leider teilweise oder völlig herausgerissen,
so dass nur noch 12 vollständige Messungen vorgenommen werden
konnten. Hierbei ergab sich, dass, soweit die Methode Anspruch auf
Genauigkeit machen kann, eine Verschiebung der Blöcke in keinem
Falle stattgefunden hatte, obwohl im Winter wiederholt plötzlich
einsetzende Witterungsumschläge zur Bildung von Rauhreif und Glatt-
eis Veranlassung gegeben hatten.
Bei weiteren Studien über etwaige Bewegungsvorgänge innerhalb
der Schuttmassen gelangte ich zu einer interessanten Wahrnehmung,
welche allerdings in den l 1 /* Jahren, die mir zur Arbeit im Felde
zur Verfügung standen, noch nicht in genügender Weise weiter verfolgt
werden konnte. — Überall, wo durch den Wegebau der Gehängeschutt
der Quadersandsteine angeschnitten wird, reinigt man bei der Anlage
des Weges die Böschungen sorgfaltigst von den aus dem Schutt
hervortretenden Sandsteinblöcken, weil erfahrungsgemäss sonst die
Stabilität der Böschungen leiden würde. Es ist nämlich eine Tatsache,
J ) R. Assmann ; Über die Mitwirkung von Rauhreif und Glatteis bei der
Abtragung von Gesteinamassen in den Gebirgen. Naturwissenschaft!. Rundschau,
2. Jahrgang Nr. 47, Braunschweig Nov. 1887.
■) Assmann : a. a. 0. Seite 423.
Original from
UNIVER5ITY0F MICHIGAN
151
welche mir auch der Kgl. Oberförster Herr Thommek aus eigener Er-
fahrung bestätigte, dass fast stets an Böschungen, welche in einem Jahre
gereinigt worden sind, nach 2—3 Jahren neue Sandsteingerölle wieder
in Erscheinung treten, welche mit immer grösseren Teilen ihres
Gesteinskörpers das Böschungsgehänge durchbrechen und schliesslich,
wo die Gleichgewichtsbedingungen überschritten, die Böschung herab-
rollen, um dann gewöhnlich in dem Wasser des Chausseegrabens zu
„verfaulen" und der Abtragung durch das fliessende Wasser über-
antwortet zu werden.
Für diese eigenartige Erscheinung können füglich nur zwei Er-
klärungen in Betracht kommen: entweder findet an den Böschungen
eine sehr starke Abspülung statt, so dass die Gehänge mehr und
mehr rückwärts verlegt und auf diese Weise einzelne Blöcke frei-
gelegt werden, welche schliesslich bei fortgesetzter Abspülung dos
Erdreichs herunterstürzen müssen. Die zweite Möglichkeit ist die,
dass die Blöcke in dem Gehängeschutt Abwärtsbewegungen aus-
führen und, indem sie in dieser Bewegung verharren, schliesslich die
Böschung durchbrechen und endlich hinabrollen. — Für eine derartig
intensive Abspülung, wie sie notwendig sein müsste, um diesen Vor-
gang zu erklären, fehlt nun aber jeglicher Anhalt. Weder sind die
Gräben an den Böschungen merklich angefüllt mit herabgeschwemmtem
Material, noch ist irgendwo eine Veränderung der Böschung, wie
sie bei etwaiger Rückwärtsverlegung sich einstellen müsste, zu
beobachten gewesen. Dagegen lassen sich für die zweite Annahme,
dass die Blöcke im Gehängeschutt eine Abwärtsbewegung ausführen,
einige Argumente anführen, die in der Tat darauf hinzuweisen
scheinen, dass eine solche Bewegung wirklich stattfindet. Um diesen
Problemen näherzukommen, wählte ich an den Böschungen des
Weges, welcher nördlich von dem Weissen Gestein über Sechskant
nach der Friedrichsgrunder Lehne und dem Frommeltweg führt,
mehrere aus den Gehängen hervorstehende Blöcke aus und versuchte,
deren Bewegung nachzuprüfen. — Zunächst lockerte ich 10 Blöcke
und zog sie aus dem Schutt heraus, um festzustellen, was sich über
ihre Gestalt und Lage im Schutt erkennen Hess. Hierbei war eine
Tatsache ganz augenfällig: sämtliche Blöcke, von donen jeder
5—10 kg wiegen mochte, waren mehr oder weniger deutlich keil-
förmig gestaltet, und stets war der Block so orientiert, dass seine
Längsrichtung mit der Neigungsrichtung des Gehänges zusammenfiel.
Nicht an einem einzigen war das Umgekehrte, ein Heraustreten mit
der Breitseite, zu beobachten. Im Aussehen unterschieden sich diese
Trümmerblöcke nicht wesentlich von den auf der Oberfläche der
Original ftom
UNIVER5ITY0F MICHIGAN
152
Gehänge anzutreffenden; nur wiesen sie zum Teil mehr abgerundete
Kanten auf als jene. Zur weiteren Untersuchung wählte ich nun
15 Blöcke auf den verschiedensten Stellen der Böschung dieses
Weges aus und schlug Pfahle derartig in das Gehänge hinein,
dass die Gesteinsblöcke nur eben den Pfahl tangierten. Ich ver-
wandte hierzu gehobelte und zugespitzte Pfähle, welche 40 cm lang,
20 cm breit und 2 cm dick waren, und schlug sie so ein, dass etwa
15 cm aus dem Erdreich hervorsahen. (Figur 3.) An der
Schmalseite dieser Pfähle war
eine den Längskanten parallele
Nute angebracht, mit Hilfe derer
ich nun bei jedem Pfahl den
Winkel bestimmen konnte, den
diese Nute mit der Horizontalen
bildete; und zwar wählte ich
der Gleichmässigkeit wegen stets
den Winkel, dessen Oeflnung
dem Gehänge abgekehrt war
(Winkel a in Figur 3). Bei jeder
Winkelbestimmung machte ich
zehn Messungen und notierte als
Winkelwert das arithmetische
Mittel, welches sich aus den einzelnen Messungen ergab. Da jede
Messung mit möglichster Genauigkeit vorgenommen wurde, glaube
ich, die Fehlergrenze jedes Winkels auf 1° beschränkt zu haben.
Nach etwa drei Viertel Jahren nahm ich die erste, nach weiteren
5 Monaten die zweite Nachprüfung vor. Leider waren auch hier
wiederum einige Pfähle in der Zwischenzeit herausgerissen worden,
was in der folgenden Tabelle durch einen Strich angedeutet sein
mag. Das Resultat der Messungen war das folgende:
Figur 3: Die Bewegung der Fels-
blöcke innerhalb des Gehängeschutts.
Pfahl No.
Nach dem
Einschlagen
1. Nach-
prüfung
2. Nach-
prüfung
x* ■ ■ ■ « % %
II
50°
76°
H5 1 /«
88°
70 l /*°
55 1 /»
61°
46 1 /»
62 l /*°
88°
70°
55°
41°
III. . .
IV
94°
V
VI
55°
VII
Onyin.il from
UNIYERSITY OF MICHIGAN
153
Pfahl No.
VHI.
IX. .
X. ..
XI. .
xn..
XIII.
XIV.
XV..
Nach dem
Einschlagen
1. Nach-
prüfung
2. Nach-
prüfung
58 1 /*
79°
51°
64 1 /*
73°
59°
75 1 /*
70°
76°
60°
63°
71 1 /*
58°
75°
67 1 /*
71°
44V2
66°
58°
65°
Was für Folgerungen lassen sich nun aus dieser tabellarischen
Zusammenstellung ziehen? Von den acht verwertbaren Messungen
zeigt die Mehrzahl eine Neigungsänderung an. Nur bei den
Pfählen VI und XIII ist die Lage annähernd dieselbe geblieben.
Bei den Pfählen I, IX, X, XII und XV ist die Änderung in dem-
selben Sinne erfolgt : die Pfähle sind gehängeabwärts gedreht worden.
Nur Pfahl IV macht hiervon eine Ausnahme, indem er eine Drehung
im entgegengesetzten Sinne erfahren hat. 1 )
Diese Veränderung in der Neigung der Pfähle kann aber von
keiner anderen Kraft hervorgerufen worden sein als durch den Druck
der Gesteinsblöcke, welche somit in der Tat Bewegungen auszu-
führen scheinen. Vom rein physikalischen Standpunkte aus wird
uns dies auch nicht einmal fremdartig erscheinen; denn die Schwer-
kraft, welche auf den im Gehängeschutt befindlichen Gesteinsblock
einwirkt, können wir in zwei Komponenten zerlegen, von denen die
eine das Bestreben hat, den Gesteinsblock in den Schutt hinein-
zupressen, während die andere ihn parallel dem Gehänge abwärts
zu bewegen sucht. Nun wird zwar im allgemeinen diese letzte
Komponente die schwächere sein, 2 ) aber es kommt für eine eventuelle
Bewegung ausserdem der Widerstand in Betracht, welcher dieser
Bewegung entgegengestellt wird, und dieser Widerstand wird durch
*) Dass bei allen Pfählen auch bei der «weiten Nachprüfung der Block
noch genau an der Breitseite des Pfahles anlag, bedarf wohl keiner besonderen
Betonung.
*) Die beiden Komponenten wären bei einem Böschungswinkel von 46°
gleich gross; da dieser Winkel jedoch meist kleiner ist, so wird die senkrecht
zur Neigungslinie wirkende Kraft überwiegen ; indes kommen gerade an dem
Wege, den wir «ur Beobachtung verwandten, Böschungen bis zu 60° des öfteren vor.
UNIYERSITYOF MICHIGAN
154
die Strasseneinschnitte für die parallel der Böschung wirkende
Komponente wesentlich reduziert, so dass hierdurch sehr wohl die
an und für sich schwächere Komponente die wirkungsvollere werden
kann. — In welcher Weise nun diese Abwärtsbewegung der Blöcke
im einzelnen vorsichgeht, entzieht sich vorläufig unserer Kenntniss
vollkommen. Vielleicht spielt auch hier das in den Sandsteinschutt
einsickernde Wasser noch eine Rolle, indem es die durch die Ab-
wärtsbewegung des Blockes zusammcngepressten Sandmassen wieder
auseinanderführt und so die Bedingungen zu einer weiteren Bewegung
des Blockes schafft.
Gleichsam prädestiniert za diesen Bewegungen sind natürlich
diejenigen Blöcke, deren Gestalt und Lage einer Abwärtsbewegung
am günstigsten sind, d. h. langgestreckte Felstrümmer, deren Längs-
achse in der Richtung der Bewegung liegt. In dieser Tatsache
werden wir übrigens zweifellos auch den Grund dafür zu erblicken
haben, dass alle von uns herausgezogenen Blöcke, wie wir oben
gesehen, eine derartige Form aufweisen. Natürlich werden auch die
anders orientierten und anders geformten Blöcke von der Schwer-
kraft erfasst; aber nur die günstig orientierten werden der Schwer-
kraft talwärts zu folgen vermögen.
Die andersartige Bewegung des
Pfahles IV widerspricht nun aller-
dings scheinbar einer derartigen
Abwärtsbewegung. Vielleicht
aber lagerte an dieser Steile in
grösserer Tiefe noch ein anderer
Block, welcher aus irgend einem
Grunde sich stärker bewegte,
infolgodesson gegen den unteren
Teil des Pfahls so stark drückte,
dass hieraus eine steilere Stellung
des Pfahls resultierte, die sich in
der Vergrösserung des Winkels u
ausdrückte (Figur 4).
■ • • ' • ■ ■
■ ■ *
Figur 4: Die Drehung des Pfahls IV.
Überhaupt stehen wir auf dem Standpunkt, dass, wie auch ein-
leitend bereits bemerkt, diese Erscheinung durch die mitgeteilten
Beobachtungsreihen keineswegs genügend erforscht ist, sondern dass
erst durch einige Jahre fortgesetzte Messungen dieser Art ein end-
giltiges Urteil hierüber gefällt werden kann. Immerhin ist schon
jetzt die Wahrscheinlichkeit gross, dass eine derartige Abwärts-
Oigilizedby C.OOglc
Original frorn
UNIVERSITYOF MICHIGAN
155
bewegnng der Gesteinsblöcke im Gehängeschutt tatsächlich stattfindet,
und dass es sich hier nm eine neue Art der Abtragung handelt,
welche, an und für sich geringfügig, durch Summierung an Zeit und
Baum sehr wohl von Einfluss auf die Oberflächenform werden kann.
Umfangreichere Beobachtungen stehen uns zur Verfügung, wenn
wir uns jetzt den Rutschungen des Gehänges zuwenden. — Rutschungen
stellen in unserem Gebiet eine weit verbreitete Abtragungsform dar ;
da aber alle derartigen Gleitbewegungen lockerer Massen eine
intensive Durchtränkung, eine schlammartige Konsistenz des Bodens
zur Voraussetzung haben, so werden wir es erklärlich finden, dass
dem ausserordentlich durchlässigen Sandsteinschutt derartige Er-
scheinungen im allgemeinen fremd sind. Dagegen finden wir überall,
wo die Natur oder der Mensch die Plänergehänge angeschnitten hat,
diese Abtragungsform weit verbreitet. Besonders in nassen Früh-
jahren stellen sich allenthalben Rutschungen ein. So fand ich auf
einer Wanderung in dem jungen und daher noch steilwandigen,
tiefen Plänertal, welches von der Karlsberg-Cudovaer Chaussee hin-
überleitet nach Dörnikau, den Weg mehrmals überschüttet mit dem
von den steilen Gehängen herabgerutschten tonigen Plänerschutt,
und an dem Abbruchsrand des PI äo ersock eis im Norden von Dörnikau
spielen derartige Rutschungen eine grosse Rolle. — Für den
Menschen sind jene Rutschungen in Verbindung mit der Abspülung
von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Die Plänerhänge sind
infolge der Neigung zu Rutschungen so wenig stabil, dass man sie
nur ungern zur Anlage von Feldern verwendet. In Johannistal er-
zählte mir ein alter Bauer, dass zwar jedem Dorfbewohner ein
Streifen Land an dem Abhang gehört, dass aber nur die wenigsten
ihn beackern. Denn einmal sei an eine Bearbeitung des Bodens mit
dem Pflug nicht zu denken, vielmehr müsse das Erdreich mit der
Hacke umgeworfen werden, und zum andern käme, sobald das Erd-
reich seines schützenden Pflanzenkleides beraubt wird, nach jedem
Regenguss eine solche Menge Erdreich herunter, dass man bisweilen
den kostbaren Boden in Körben wieder hinauftragen müsse. Die
Bewohner haben es hier daher vorgezogen, die Plänergehänge als
Wiesen zu benutzen und ihre Äcker, soweit es möglich ist, auf der
Plänerhochfläche anzulegen. Ähnliche Erscheinungen wiederholen
sich an allen Stellen, wo das Wasser tiefe Furchen in der Pläner-
landschaft gezogen hat. Die Abhänge sind entweder mit Sträuchern
oder Bäumen bepflanzt oder sie werden als Wiesen benutzt; nur im
Notfalle legt der Mensch trotz Rutschung und Abspülung hier seine
Acker an. — Jung vernarbte Ausrutschnischen finden sich in grösserer
I Original ftom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
156
Anzahl in den Plänergehängen dos Friedersdorfer Wassers bei der
Kolonie Johannistal. Auf dem Privatwege von der Assmusstrasse nach
den Wilden Löchern konnte ich selbst eines Tages eine solche Rutschung
in all ihren Einzelheiten beobachten; und in dem Gebiet des Kieslings-
walder Tones finden sich ebenfalls an den verschiedensten Stellen
Abrutschungon der Verwitterungsprodukte dieser Gesteine. Die
vielen kleinen Rutschungen an den Strasseneinschnitten und den
Gehängen der Wasserläufe im Gebiet der plänerartigen Gesteine,
welche einzeln anzuführen naturgemäss zu weit fuhren würde, be-
stärken uns in der Ansicht, dass die Rutschungen für die Ober-
flächenform der Plänerlandschaft von grosser Bedeutung sind, indem
sie in Verbindung mit der kleinstückigen Verwitterung dieser Gesteine
dazu beitragen, jene sanften, flachwelligen Formen zu schaffen, durch
welche die Plänerlandschaften ausgezeichnet sind.
Abgesehen von der Bewegung der Blöcke in dem Fusshang der
Quadersandsteine und den Rutschungen im Verbreitungsgebiet der
plänerartigen Gesteine scheint der Boden stabil zu sein. Anzeichen
für ein „Kriechen" des Gehängoschuttes im Sinne Götzingers 1 )
lassen sich nirgends feststellen. Denn die allenthalben wahrzu-
nehmende „Diskordanz" 2 ) von Sandsteinblöcken auf verwittertem
Pläner (z. B. am nördlichen Gehänge des Frommeltweges) muss
wohl in unserem Falle als Verschwemmung einzelner Trümmer der
Schutthalden gedeutet werden. —
Der Mensch übt im allgemeinen keinen wesentlichen Einfluss
auf die Gestaltung einer Landschaft aus. Wir haben oben bereits
wiederholt darauf hingewiesen, dass durch die Anlage von Strassen,
durch das Einschneiden in die am Fusse angehäuften Verwitterungs-
produkte eine mittelbare Verstärkung der Abtragung durch den
Menschen herbeigeführt wird. In anderen Gebieten wird hiermit der
Einfluss des Menschen erschöpft sein; in dem von uns bearbeiteten
aber liegen die Verhältnisse anders. Der Quadersandstein liefert ein
im allgemeinen sehr brauchbares Baumaterial 3 ) und wird daher in
zahlreichen Brüchen abgebaut. Nicht nur am Spiegelberg und an
der Friedrichsgrunder und Wünschelburger Lehne, sondern allenthalben
leuchten bei schönem Sonnenschein dem Wanderer schon von weitem
') Oötzinger: a. a. 0. Seite 37 ff.
*) Oötzinger: a. a. O. Seite 38.
■) Der widerstandfähigste Sandstein dürfte zweifellos der Sandstein der
Friedrichsgrunder Lehne sein, der jedoch seiner Härte wegen einmal zu hohen
Arbeitelohn erfordert (siehe unsere Ausführungen auf Seite 114) und ausserdem
für Skulpturarbeiten in der Tat zu hart sein soll. Man zieht aus diesem
Grunde gewöhnlich den raittelturonen Sandstein der Wünschelburger Lehne vor
Ofetal fem
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157
helle Schutthalden gewaltiger Steinbrüche entgegen. Der Abbau ist
ein so intensiver, dass es in der Tat nicht angängig erscheint, die
Betrachtung der Abtragungsvorgänge zu schliessen, ohne einen kurzen
Einblick darin gewonnen zu haben, in welch wirksamer Weise der
Mensch hier die Abtragung fördert. Gegenüber den Massen, welche
durch die Tätigkeit des Menschen jährlich den Sandsteinfelsen ent-
zogen werden und entweder als Bausteine exportiert oder als nutzloses
Material auf den Halden aufgehäuft werden, erscheint die Abtragung
durch die Natur selbstverständlich minimal. Eine einzige Firma 1 )
allein führt aus zwei Steinbrüchen, welche allerdings zu den grössten
gehören, dem Wünsch elburger und dem Friedersdorfer, jährlich 4068 cbm
an Baustein aus 2 ) und muss zu deren Gewinnung etwa 20 900 cbm
Felswände jährlich abbauen. 8 )
Wenn man nach diesen Zahlen versuchen wollte abzuschätzen,
wieviel cbm Felswände in einem Jahre überhaupt in dem ganzen
Gebiet vom Menschen abgetragen werden, so dürfte der Betrag von
100 000 cbm eher zn niedrig als zo hoch gegriffen sein. Dass ein
derartig hoher Betrag auf die Dauer nicht ohne Einfluss auf das
Landschaftsbild sein kann, versteht sich von selbst.
l ) Es ist die bekannte Firma Carl Schilling, welche mir in grösster Zuvor-
kommenheit die im Text folgenden Daten mitteilte.
*) Und zwar aus dem Wünschelburger Steinbruch 3768 cbm und aus dem
Friederedorf er 300 cbm.
*) Diese verteilen sich folgendermassen :
Wünschelburger Steinbruch etwa 18 800 cbm,
Friedersdorfer Steinbruch etwa 2 100 cbm.
Ong.na.ftom
UNIVERSITYOF MICHIGAN
158
Kapitel III.
Oberflächen* und Felsfortnen im Gebiet der
schlesisch'böhmischen Kreideablagerungen.
Nachdem wir nunmehr den geologfischen Aufbau sowie die Ver-
witterung und Abtragung im einzelnen kennen gelernt haben, begeben
wir uns in das Gelände, um bei einer Wanderung durch das gesamte
Gebiet nachzuprüfen, ob und in welcher Weise sich die Eigentüm-
lichkeiten der Landschaft von diesen beiden Faktoren ableiten lassen.
Es wird sich kaum ein zweites Formationsgebiet in Schlesien
finden lassen, welches eine so ausgeprägte Eigenart besitzt, wie das
der Kreide an der schlesisch-bömischen Grenze. So verschieden ist
das Relief der Kreidelandschaft von den sanften Formen des Urgebirges
oder den Kuppen des Porphyrs im Waldenburger Bergland, dass es
nur eines Bildes aus jenen Gebieten bedürfen wird, um bei der später
folgenden Schilderung der Kreidelandschaften die kennzeichnende
Eigenart dieser Gebiete herauszufinden. —
Tafel V. Abb. 11. zeigt uns einen Ausblick vom Nordabhange
des Ebersdorfer Kalkberges (Devon) auf die Neudorfer Berge. Aus
der nur wenig modellierten Feldlandschaft des Vordergrundes (Ober-
karbon) erheben sich jene mannigfachen Rücken und Kuppen (Urgebirge
und Unterkarbon), welche das Landschaftsbild beherrschen. Nirgends
erblicken wir anstehendes Gestein. Die vorwiegend chemische Ver-
witterung hat die Oberfläche des Urgebirges und der paläozoischen
Gesteine (Konglomerate, Schiefer, Kalkgesteine) in eine mächtige
Lehmdecke eingehüllt und in Verbindung mit dem wechselnden Wider-
stand, den die verschiedenen Gesteine der Verwitterung und Abtragung '
entgegengestellt, jene sanften Rückenformen geschaffen.
Und nun wandern wir durch das Waldenburger Bergland, vorbei
an den hoch aufragenden glocken- oder kuppenfbrmigen Porphyrstöcken
und weiter durch das flachwellige Rotliegende des Braunauer Ländchens
hinüber nach dem Kreidegebiet von Adersbach und Weckelsdorf 1 ). 1
x ) Nach Niederschrift dieser Arbeit erschien eine kleine Abhandlung W.
Petrascheks über die Oberflächen- und Verwitterungsformen von Adersbach und
Weckelsdorf (Jahrbuch der K. K. Geolog. Reichsanstalt, 1908. Bd. 68, 4. Heft).
Die Arbeit konnte leider nur noch zum Teil berücksichtigt werden, enthält aber
auch kaum wesentlich neue Gesichtspunkte, soweit unser eigentliches Thema in
Betracht kommt. Bezüglich der tektonischen Verhältnisse in der Adersbach
Weckelsdorfer Mulde scheinen die Forschungen Petrascheks jedoch zu wichtigen,
von der bisherigen Auffassung wesentlich abweichenden Resultaten zu führen ;
jedoch müssen ausführliche Mitteilungen hierüber abgewartet werden.
I Original ftom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
159
Mögen wir nnnmehr unseren weiteren Marsch bei Friedland im
NO beginnen oder auch von der entgegengesetzten Seite her, von
Qualisch aus, den Felsenstädten von Adersbach und Weckelsdorf
zustreben, auf beiden Seiten steigt mauerartig mit sehr scharfem
Absatz die unterste Stufe der Kreideablagerungen, der cenomane
Quader, aus dem flachwelligen Untergrund des Rotliegenden heraus
(Tafel I. Abb. 1). Das Fehlen kleinstückiger Verwitterung in Ver-
bindung mit der vertikalen quaderförmigen Zerklüftung hat hier eine
gewaltige Felswand entstehen lassen, deren Quadermassen mit ihren
am Fusse sich anschmiegenden Trümmerhalden dem Wanderer
schon aus grosser Ferne entgegenleuchten. Dieser bis zu 700 m
ansteigende waldige Höhenrand (der Riegel mit dem Kraupenberg
bei Qualisch 704 m, der Wachberg 701 m) umgibt als steile Rand-
erhebung das gesamte Kreidegebiet und macht sich in elliptischem
Bogenzuge so auffallend in dem Landschaftsbilde geltend, dass ihm
auch die politische Grenze von Preussisch-Albendorf über die Gegend
von Schömberg bis in die Nähe Friedlands sich anschliesst *). Haben
wir diese scharf nach aussen abbrechende Randerhöhung des Kreide-
gebietes erklommen, so breitet sich eine flachwellige Hügellandschaft
vor uns aus, welche sanft nach dem Muldeninnern zu geneigt ist.
Wir befinden uns in dem das Cenoman überlagernden Plänersandstein,
dessen leichte Zerstörbarkeit znr Bildung jener fast horizontalen, nur
wenig modellierten Fläche geführt hat. Nach kurzem Marsche aber
erhebt sich aus diesem Untergrunde ein steiler Rand (Hottendorf,
Merkelsdorf), welcher uns auf die eigentliche Plänerfläche hinauf-
führt. Die grössere Härte des Pläners gegenüber dem leichter
zerfallenden mergeligen Plänersandstein kommt also in dem Relief
auf das allerdeutlichste zum Ausdruck. Aber auch die Lagerung der
Schichten steht im engsten Zusammenhang mit der Oberflächenform;
denn jene Plänerhochfläche, welche wir bei Hottendorf erreicht hatten,
und welche, der Verwitterung des Pläners entsprechend, ein massig
welliges Plateau darstellt, senkt sich wiederum ganz allmählich nach
der Muldenmitte zu, wo dann der Pläner untertaucht unter dem
mittelturonen Quader. Mit ausserordentlich steilen Gehängen ragt
nun diese Stufe aus der Plänerlandschaft hervor. Allerdings ist die
ursprünglich zusammenhängende Decke dieses Quadersandsteins nicht
mehr erhalten, sondern in eine Reihe klotzartiger Gebirgsinseln auf-
gelöst; den Zusammenhang unterbrechen schluchtartige Felsengassen,
deren Wände durch die quaderförmige Zerklüftung mannigfach
l ) Partsch : a. a. O. Seite 90.
Origirt.il ff'.iin
UNIVERSITY OF MICHIGAN
160
zerspalten nnd durch die Verwitterung zu den wunderlichsten Fels-
gestalten modelliert worden sind. — Die imposantesten dieser Quader-
ruinen stellen die genau in der Achse der Synkline gelegenen Felsen
von Adersbach und Weckelsdorf dar, deren groteske Schönheit
alljährlich Tausende von Touristen herbeilockt. Weniger bekannt,
aber nicht minder romantisch ist ein südöstlich benachbartes Massiv
des oberen Quadersandsteins, der Vostaz (700 m); es liegt ebenfalls
genau in der Mittellinie der Mulde, „mit scheinbar unersteiglichen
Felsen aufstrebend aus den fruchtbaren Plänerhügeln, welche das
Fundament des unteren Quaders verhüllen". 1 )
Auch der dritte bedeutende Rest der einstigen Decke mittel-
turonen Quadersandsteins, der obere Quader der Braunauer Lehne,
hebt sich, ebenso wie die vielen kleineren Quaderruinen, äusserst
scharf im Landschaftsbilde ab. Der Braunauer Stern (vom tschechischen
steny = die Wände) ist der besuchteste Gipfel dieses schroffen,
schmalen Randgebirges, das ohne sicheren Gesamtnamen als eine
Sprachgrenze von unübertrefflicher Schärfe das Braunauer Ländchen
vom Politzer scheidet und noch auf böhmischem Boden der Höhe
von 800 m sich nähert, ehe es sich anschliesst an die Heuscheuer 8 ).
Der stete Wechsel steil aufragender Gebirgsstufen und sanft
nach dem Muldeninnern sich senkender Hochflächen, auf welchen die
steilwandigen Quaderklötze inselartig aufgesetzt sind, ist also in
gleicher Weise ein Produkt des geologischen Aufbaus wie der Ge-
steinsbeschaffenheit der einzelnen Stufen (vor allem der Verwitterung);
und diese gesetzmässige Eigentümlichkeit des Reliefs ist so augen-
scheinlich, dass wir sie bei jeder Wanderung durch das Gebiet ver-
folgen können, mögen wir von Halbstadt ausgehend die Route
Dittersbach-Bodisch-Weckelsdorf-Adersbach-Qualisch einschlagen oder
unsere Wanderung bei Trautenau beginnen und über Parschnitz-
Petersdorf-Preussisch Albendorf-Berthelsdorf nach Merkelsdorf und
weiter nach Friedland marschieren.
In der nördlichen Spezialmulde tritt der Zusammenhang zwischen
Oberflächengestaltung und geologischem Aufbau nicht minder deutlich
zutage. Infolge des Fehlens des Cenomanquaders und des Vor-
herrschens des weichen Plänermergels ist der Absatz der Kreide-
formation gegen den dyadischen Porphyr nur sehr wenig deutlich
') Partsch: a. a. O. Seite 91.
•) Partsch : a. a. O. Seite 91.
I Original ftom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
161
im Landschaftsbilde zu erkennen, und die allmähliche Neigung des
Geländes nach dem Muldeninnern zu (Neuen) entspricht in klarster
Weise der Lagerung der Schichten.
So gesetzmässig das Relief der Adersbach- Weckelsdorfer Kreide-
landschaft als Ganzes erscheint, so kompliziert werden die Verhält-
nisse, sobald wir uns Einzelheiten zuwenden. Wir wollen im Augen-
blick absehen von den bizarren Verwitterungsformen der Felsen des
Quadersandsteins und nur einen Augenblick verweilen bei der Frage,
welche Kräfte die anscheinend ganz regellose Verteilung des mittel-
taronen Quaders bewirkt haben können. Dass einst der Quader-
sandstein von Adersbach als gleichmässige Decke die älteren Schichten
überlagerte, darüber kann ein Zweifel nicht mehr bestehen. Die
allenthalben erhaltenen Reste, welche wie Zeugenberge auf dem
Plänersockel ruhen, beweisen eine ehemalige gleichmässige Aus-
breitung dieser Ablagerungen auf das klarste. Welche Kräfte aber
können derartige Lücken in dem festen Gefüge dieser Stufe hervor-
gebracht haben? Hat etwa das Kreidemeer selbst bei seinem Rück-
zug einen Teil seiner eigenen Sedimente wieder zerstört und mit-
fortgeführt, oder haben Verwitterung und Abtragung im Laufe vieler,
vieler Jahrtausende immer wieder an den Felsen genagt, bis
schliesslich nur noch die heute sichtbaren Ruinen übrig blieben?
Unsere Erkenntnis versagt bei diesen Problemen vollkommen; nur
eins scheint uns sicher: wenn die Verwitterung und Abtragung
jene Massendefekte hervorgerufen haben, dann muss in
vergangenen Zeiten die Bedeutung jener Kräfte eine un-
gleich grössere gewesen sein als in unseren Tagen, und es
müssen sich Kräfte an der Abtragung der Gebirge beteiligt
haben, welche wir heute nicht mehr wirken sehen.
Denn selbst bei der allergrössten Summierung an Zeit können die
kleinen Rinnsale und Bäche, welche heute die Landschaft durch-
ziehen und als einzige einigermassen wirkungsvolle abtragende Kräfte
in Betracht kommen, eine derartige Riesenarbeit nicht geleistet haben,
und Talterrassen, die auf ein früher weiter ausgedehntes Flussbett
und eine grössere Abtragungsfahigkeit schliessen lassen würden, fehlen
bei der Mehrzahl von ihnen. Wir können ausserdem, von dem hoch-
gelegenen Kreideeiland ausgehend, uns nach jeder beliebigen Richtung
wenden und werden doch in keiner der weiten Flächen auf sandige
Aufschüttungen grösseren Stils stossen, wie es bei einer Abtragung
durch fliessendes Wasser doch zu erwarten wäre. Im Gegenteil, fast
allseitig leuchten uns die Ackerflächen in saftigem Rot entgegen,
und die Feldlesesteine beweisen auf das deutlichste, dass das Rot-
MitteUungeD XXIV. 11
°" 9ma " rom
UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN
1(12
liegende frisch zutage tritt und von einer Bedeckung mit herab-
geschwemmten Sandmassen keine Rede sein kann. — Je mehr wir uns
in die Einzelheiten des Reliefs vertiefen, um so stärker wird in uns
die Überzeugung, dass nur eine einzige Kraft imstande gewesen sein
kann, eine derartige Oberflächenform zu schaffen: der Wind. Nur
die abtragende Tätigkeit des Windes (Ablation = Deflation Walthers)
wirkt fläch enhaft; nur sie kann ganze Gesteinsdecken abtragen und
derartige Formen schaffen, wie wir sie in der Kreidelandschaft von
Adersbach-Weckelsdorf gesehen haben. — Wir werden im Schluss-
kapitel noch einmal auf dieses Problem zurückkommen und wenden
uns jetzt dem zweiten Gebiet zu.
Vom Rotliegenden der Wünschelburger Gegend aus erscheint die
Heuscheuer als derselbe steil aufragende Gebirgsklotz, wie wir ihn
in der Braunauer Lehne soeben kennen gelernt haben (Tafel VI. Abb. 12).
Sobald wir jedoch diesen steilen Rand erklommen haben und von
dem Plänerplateau von Karlsberg aus die mächtigen, aus horizontal
gelagerten Schichten aufgebauten Mauern der Grossen und Kleinen
Heuscheuer und des Spiegelbergs erblicken, erkennen wir den Unter-
schied gegen die Kreidelandschaft von Adersbach -Weckelsdorf. Die
horizontale Lagerung der Schichten l ) drückt dem Landschaftsbilde
derartig den Stempel auf, dass das Heuscheuergebirge im Gegensatz
zu dem beckenförmigen Stufenland von Adersbach -Weckelsdorf als
reines Tafelgebirge bezeichnet werden muss. Die beiden Stufen,
welche hier landschaftlich deutlich hervortreten, sind: die Pläner-
fläche, deren tonige Verwitterungsprodukte die für den Pläner
typischen sanftwelligen, weichen Bodenformen geschaffen haben, und
das Plateau des Quadersandsteins mit den steil aufragenden kahlen
Felswänden. Und diese beiden Stufen machen die kennzeichnende
Eigenart der Landschaft nicht nur in dem Heuscheuergebirge, sondern
auch in den Reinerz- Nesselgrunder Höhen aus, so dass auch hier in
diesem zweiten Abschnitt die Lagerung der Schichten und die ver-
schiedenartige Verwitterung der beiden Gesteinsarten, der Quader-
Sandsteine und der plänerartigen Gesteine, in Verbindung mit der
mannigfachen Modellierung, welche diese Gesteinskomplexe erfahren
haben, ausschliesslich das Relief der Landschaft bestimmen. Ebenso
wie in Adersbach und Weckelsdorf ist nämlich auch in diesem zweiten
Gebiet die zusammenhängende Decke des obersten Quaders vielfach
zerstört. Gewaltige Massen sind abgetragen worden, und nur einzelne,
l ) Für die Oberflächenform spielt die geringe Neigung der Schichten von
2°— 3° nach SO keine erhebliche Rolle.
t
*
I
I Original ftom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
163
inselartig aus dem Plänersockel aufragende Quadermassen geben
Kunde von der einstigen Ausdehnung jener grossen horizontalen
Schichtentafel, und die ungleich vollständigere Erhaltung des Pläner-
fundaments '), welches den grössten Teil der Landschaft einnimmt,
fuhrt uns die oben besprochenen Probleme der Abtragung von neuem
vor Augen.
Auf einzelne Züge der Landschaft einzugehen, erscheint fast
unnötig. Es ist dasselbe Landschaftsbild, welches uns entgegentritt,
gleichgiltig, ob wir von Karlsberg aus zur Heuscheuer emporschauen
oder, von Pohldorf nach 8W wandernd, die Sandsteintafel des Nessel-
grunder Gebirgsstückes mit der Kapuzinerplatte erblicken, oder endlich
von den Plänerhügeln im Norden von Reinerz unsere Blicke über
die grossartige Tafel schweifen lassen, welche sich von Wallisfurth
aus in 2 — 3 km Breite 15 km weit nordwestwärts über den Spiegel-
berg bis zu den Wilden Löchern bei Bukowina erstreckt. Ein und
dasselbe Gesetz beherrscht das Relief die&er Landschaft: der Wechsel
sanftwelliger Plänerebenheiten und steil mit mauerartigem Absturz
aus dieser Platte aufsteigender, horizontaler Quaderruinen, an derem
Fuss sich die Trümmerblöcke zu grossen Halden angehäuft haben.
Mit welch peinlicher Sorgfalt dieser Zusammenhang der Oberflächen-
form mit der verschiedenartigen Verwitterung der betreifenden Ge-
steine in der Natur zum Ausdruck gelangt, beweisen die schroffen
Felsen, mit denen die Sandsteininsel von Goldbach-Utschendorf zum
Steinbachtal abfallt, beweisen nicht minder deutlich die steilen, von
dem weithin leuchtenden Schloss Waldstein gekrönten Sandsteinhöhen
im Osten von Rückers. Südlich des Hciischeuergebirges jedoch, in
der Umgebung von Reinerz, wo dieser Wechsel von Pläner und
Sandstein infolge des Auskeilons des mittelturonon Quaders gänzlich
fehlt, verschwindet sogleich auch die Tafelgebirgslandschaft, und
flache Plänerhügel herrschen nun vor. Der steile Rand, mit welchem
dann schliesslich der Plänersockel des Heuscheuergebirges abfällt
gegen die Tiefenlinie der Dörfer Keileudorf, Tschischney, Kessel,
Jacobowitz, bildet eine landschaftlich höchst ausdrucksvolle Grenze
des Heuscheuergebirges gegen die kristallinen Gesteine des Dörnikauer
Berglandes. 2 ) Die vielen Felsstürze aber und die zahlreichen
Rutschungen, welche gerade an diesem Steilrand wahrzunehmen sind,
weisen darauf hin, dass dieser Höhenrand junger Entstehung ist und
') Auch Partsch ist dieser Gegensatz der Erhaltung aufgefallen. Vergl.
Partach; a. a. O. Seite 78.
a ) Partsch: a. a. O. Seite 74.
°" 9 ""' ,ram
UNIVERSITY OF MICHIGAN
164
die Verwitterung bereits eifrig daran arbeitete, die markante Form
zu verwischen und die sanfteren Formen der Plänerlandschaft auch
hier zu schaffen.
Die tektonischen Störungen treten in dem Landschaftsbilde des
bisher betrachteten Teiles so gut wie gar nicht hervor, vielmehr
wird das Relief fast ausschliesslich durch den Wechsel von hartem
Quadersandstein und bröckligem Pläner bestimmt. Wenden wir uns
jedoch den zungenförmig in das Urgebirge hineinragenden Kreide-
ablagerungen zu, so werden wir auch die Abbruchslinien in der Land-
schaft ohne Schwierigkeit herausfinden. Besonders im Kronstädter
Graben tritt dieser Zusammenhang zwischen der Oberflächengestaltang
und den tektonischen Störungen in markanter Weise hervor. Wie
in einem Trog lagern hier die eingesunkenen Plänergesteine zwischen
dem Glimmerschiefer des Habelschwerdter Gebirges und dem Gneis-
rücken des Adlergebirges, und der Bruchrand markiert sich mit
grosser Schärfe im Landschaftsbilde als Beginn des Steilanstiegs des
Urgebirges. In der Kreidesenke selbst bestimmen sanfte Boden-
formen, wie sie die Plänergebiete kennzeichnen, das Relief der
Landschaft. Nirgends unterbricht ein Rest unverwitterten Gesteins
die gleichmässige Ebenheit dieser tonigen Hochfläche zwischen den
beiden kristallinen Kämmen. — Nördlich von Kronstadt befindet sich
zwischen Kaiserswalde und Reinerz, anf Plänerboden aufruhend, das
baumarme Sumpfgebiet der Seefelder, deren ausführliche wissen-
schaftliche Beschreibung wir Göppert verdanken. 1 )
Das dritte morphologische Hauptgebiet der schlesisch-böhmischen
Kreide ist die Neissesenko. Bezüglich ihrer Oberflächenform steht
sie in engstem Zusammenhang mit der Kreidelandschaft von Kron-
stadt, mit der sie, wie wir uns aus dem geologischen Abschnitt
erinnern, den tektonischen Bau gemein hat, und da ausserdem der
grösste Teil beider Gebiete von Gesteinen eingenommen wird, welche
petrographisch auf das engste miteinander verwandt sind, so wird es
uns nicht überraschen zu sehen, dass das Relief in den beiden
Gebieten ausserordentliche Ähnlichkeit aufweist. Von den beiden
Urgebirgsrücken flankiert, erscheint uns die dazwischen eingeschaltete
Kreideformation der Neissesenke als eine mehr oder weniger ebene
Hochfläche, die sich ein wenig nach dem etwas mehr dem westlichen
Abbruchsrande genäherten Neissetal abdacht. Die fast horizontale
*) H. R. Qöppert ; Über die Seefelder in der Grafschaft Glats und die Torf-
bildung auf denselben. 32. Jahresbericht der Schles. Gesellschaft für vater-
ländische Kultur. Breslau 1854.
( Original from
UNIVERSITYOF MICHIGAN
J65
Lagerung der Schichten und der feinstückige Zerfall, der dem Kies-
lingswalder Ton in derselben Weise eigen ist wio dem Pläner, haben
auch hier in dem Neissegebiet eine leicht gewellte Oberfläche
geschaffen, so dass der gesetzmässige Zusammenhang, welcher den
geologischen Aufbau und die Verwitterung mit der Oberflächen-
gestaltung verbindet, hier noch einmal in der grossartigsten Weise
zum Ausdruck kommt. — Bei der leichten Zerstörbarkeit der auf-
tretenden Kreidegesteine kann man im allgemeinen die Grenze der
Formation als einen auffälligen Absatz gegen den steilen Abfall der
Flankengebirge in dem Relief der Landschaft wiedererkennen, so
vor allem in dem südlichsten Ende der Neissesenke, wo sich das Tal
zwischen Bukowitz und Schildberg kesseiförmig erweitert und steil
aufragende Urgebirgsmassive allseitig die Kreidesenke scharf und
natürlich begrenzen. Wenn jedoch ältere Glieder der Kreideformation,
vor allem der cenomane Quader oder aber auch der gegenüber dem
Kieslingswalder Ton schwerer verwitternde Pläner an den Rändern
geschleppt zutage treten, dann wird die Schärfe des Absatzes
gemildert und der Übergang vom Randrücken zur Neisseniederung
ein ganz allmählicher, sofern nicht der Quadersandstein einen stufen-
förmigen Anstieg vermittelt.
Die obere Abteilung des Kieslingswalder Systems, der Kieslings-
walder Sandstein, tritt infolge seiner grösseren Härte im Landschafts-
bilde deutlich hervor, wenn auch nicht in der Form steiler, felsiger
Mauern, wie wir es beim Quadersandstein gesehen hatten. Die tonigen
Beimengungen, die wir bei der Beschreibung des Kieslingswalder
Sandsteins erwähnten, bedingen doch bereits einen rascheren Zerfall,
so dass zwar an beiden Stellen, wo sich der Kieslingswalder Sandstein
erhalten hat, deutlich ausgeprägte Erhebungen einige Abwechslung
in die monotone Ebenheit der Landschaft hineintragen, ohne indes
den grotesken Charakter der Quadersandsteinwände zu besitzen. —
Südlich von Mittelwalde windet sich die Strasse mühsam den Abhang
des Kieslingswalder Sandsteins hinauf, und ist man am höchsten
Punkte angelangt, so erblickt man von diesem Pass aus nach Norden
und Süden das nämliche Landschaftsbild: hier die Hochfläche von
Grulich-Schildberg, dort das flach gewellte Gelände der Neissesenke
bei Mittelwalde.
In seinem Hauptverbreitungsgebiet, dem Winkel zwischen Kies-
lingswalde und Alt-Waltersdorf, tritt der Kieslingswalder Sandstein
als eine die tonige Niederung um etwa 100—150 m überragende Platte
sehr scharf im Relief der Landschaft hervor (Tafel II. Abb. 5). Enge,
schroffwandige Täler haben diese Platte vielfach zerfurcht und in eine
Original ftom
UNIVER5ITY0F MICHIGAN
166
Roiho stoil aufragender Berge aufgelöst, deren markantester Vertreter
der Kapellenberg südlich von Kieslingswalde ist. Noch einmal erkennen
wir hier bei der Gruppe der Kieslings walder Berge den nunmehr
durch das gesamte Gebiet der schlesisch-böhmischen Kreideablagerungen
verfolgten genetischen Zusammenhang zwischen dem Aufbau und der
Verwitterung einerseits und dem Relief der Landschaft andererseits.
Denn diese anmutige Berggruppe ist so ausschliesslich durch den
Wechsel von Kieslingswalder Ton und Kieslingswalder Sandstein und
die verschiedene Verwitterung dieser beiden Ablagerungen bestimmt,
dass mit der Verbreitungsgrenze des Kieslingswalder Sandsteins auch
die Grenze der Kieslingswalder Berge zusammenfällt. —
Wir gelangen nunmehr zu dem letzten Abschnitt unserer Aus-
führungen, der Betrachtung der Verwitterungserscheinungen, die wir
an den Felsen wahrnehmen können; und zwar handelt es sich an
dieser Stelle ausschliesslich um die Verwitterungsformen des Quader-
sandsteins, denn alle plänerartigen Gesteine sind infolge der ihnen
eigenen kleinstückigen Verwitterung nur sehr selten als anstehende?
Gestein anzutreffen, und wo dies wirklich einmal der Fall ist, zerfallen
diese Gesteine viel zu leicht, als dass die Verwitterungskräfte ihre
Spuron an ihnen eingraben könnten und diese Spuren dann auch
erhalten blieben. Das Studium der Verwitterungsformen der Quader-
sandsteinfelsen aber wird uns gleichzeitig in den Stand setzen, ein
endgiltiges Urteil über die oben berührte Frage zu fällen, ob der
Wind wesentlich bei der Herausarbeitung des Reliefs der schlesisch-
böhmischen Kreidelandschaft mitgewirkt hat.
Wenn wir, von Wünschelburg kommend, die senkrechten Wände
des Mittelquaders erreicht haben oder am Eingange der Adersbacher
oder Weckelsdorfer Felspartien stehen, fallen ausser den mit eckigen
Blöcken besäten Halden vor allem die grotesken Felspfeiler auf, die
wie Orgelpfeifen aneinandergereiht stolz gen Himmel emporragen.
Und wenn wir uns dann in die Felslabyrinthe hineinbegeben und
nach weiteren Verwitterungsformen Umschau halten, so tritt uns an
den Sandsteinwänden eine Fülle der rätselhaftesten Gebilde entgegen.
Hier erregen hohlkugelformige Vertiefungen von beträchtlichen
Dimensionen (Durchmesser meist 30—40 cm oder darüber) unsere
Aufmerksamkeit (Tafel VII. Abb. 13), dort erblicken wir, an den
Schichtenfugen sich entlangziehend, eine mannigfache Reihe von
Höhlen und Löchern, zwischen denen sanduhrfbrmige Pfeiler stehen
geblieben sind (Tafel VII. Abb. 14). Bisweilen sind auch kleinere
Höhlchen regellos über einen Teil der Felswand verteilt und erinnern
dann in allen Einzelheiten an die Bienenwabenstruktur und Steingitter
Ortgtal tom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
167
Walthers 1 ) (Tafel VIII. Abb. 15). An anderen Stellen wiederum
erblicken wir Felswände, welche durch Hohlkehlen und vorspringende
Leisten eigentümlich modelliert sind (Tafel VIII. Abb. 16). Aber auch
hiermit ist die Reihe rätselhafter Gebilde immer noch nicht erschöpft.
Wenn man Zeit genug hat, einige Tage in dem landschaftlich so
überaus anziehenden Kreidegebirge herumzustreifen, wird man des
öfteren auf ganz sonderbare Felsgestalten stossen. Auf schmalem
Fusse ruhen mächtige Gesteinsplatten auf, so dass das Ganze wie
ein riesiger Pilz aussieht (Tafel X. Abb. 19). Auf dem „Käsebrett",
östlich von der Scholasterdrehe, finden sich derartig gestaltete Felsen
in grosser Zahl. — An vielen anderen Stellen aber (z. B. auf dem
Hampelfeld, dem Heuscheuergipfel, in den Wilden Löchern, auf der
Braunauer Lehne und anderwärts) begegnet man noch eigentümlicheren
Gestalten; auch sie tragen auf zierlichem Unterbau eine mächtige,
allseitig überhängende Felskappe und erscheinen, von W oder aus
gesehen, ebenfalls als gewaltige Pilze (Tafel IX. Abb. 17). Sobald
man sich aber von N oder S diesen Felsen nähert, erkennt man, dass
es sich um langgestreckte Formen mit scharf ausgeprägter Schmal-
und Breitseite handelt, für die der Name Hammerfelsen am passendsten
erscheint (Tafel IX. Abb. 18). Wie Gebilde aus der Wüste ragen
diese gewöhnlich ca. */* m breiten, 3—4 m langen und ca. 2—3 m
hohen Felsen aus den dichten Schonungen heraus, und ihre durch
Riefen und Rillen mannigfach modellierten Seitenwände erhöhen so
recht den eigenartigen Eindruck, den diese letzten Reste einer einst
weite Flächen bedeckenden Sandsteintafel in dem Wanderer hervor-
rufen. Versuchen wir nunmehr festzustellen, wie diese verschiedenen
Verwitterungsformen entstanden sind.
Da wir in dem zweiten Teile unserer Abhandlung die in der
Gegenwart sich vollziehenden Verwitterungsvorgänge ausführlich
dargestellt haben, so sollte man auf den ersten Blick meinen, einem
derartigen Versuch dürften keinerlei Schwierigkeiten entgegenstehen.
Aber die modellierenden Kräfte der Verwitterung und Abtragung
setzten doch bereits mit dem Augenblicke ein, als die Kreidesedimento
aus dem Meeresboden emportauchten; wir können mithin die uns
heute entgegentretenden Felsgebilde nicht als ausschliesslich unter
den jetzigen Bedingungen entstanden ansehen, sondern müssen viel-
mehr daran festhalten, dass die beobachteten Erscheinungen aus
einer Übereinanderlagerung verschiedener Vorwitterungsform on resul-
tieren, von Formen, welche zu verschiedenen Zeiten und unter
l ) J. Walther: a. a. 0. Seite 36.
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~\
168
verschiedenen klimatischen Bedingungen entstanden sind; wir müssen
uns daran gewöhnen, in den heute wahrzunehmenden Verwitterungs-
orscheinungen nur das Endergebnis einer langen Reihe von Prozessen
zu erblicken, in denen bald diese, bald jene Kräfte stärker modellierend
wirkten. Und erst wenn wir in kurzem Überblick die verschiedenen
klimatischen Einflüsse kennen gelernt haben werden, denen Ost-
deutschland und im besonderen unser Kreidegebirge im Laufe der
geologischen Entwicklung ausgesetzt war, erst dann werden wir
imstande sein zu entscheiden, welcher Kraft die eine oder die andere
Verwitterungsorscheinung ihre Entstehung vorwiegend verdanken
dürfte. —
Da sich Spuren der Meerestätigkeit seit Beginn der Tertiärzeit
in unserem Gebiet nicht nachweisen lassen, so werden wir unsere
Betrachtung über die verschiedenen, durch das Klima bedingten
Verwitterungsvorgänge naturgemäss mit der Tertiärzeit beginnen
müssen. Allerdings vermögen wir in Anbetracht der unendlichen
Spanne Zeit, welche seit jener Periode verflossen ist, nirgends
Spuren tertiärer Verwitterung und Abtragung mit Sicherheit nach-
zuweisen, ') aber dennoch dürfen wir nicht stillschweigend über jene
Periode hinweggehen, wird doch gerade im Tertiär bei dem vielfach
sich verändernden Klima und den tektonischen Bewegungen, welche
die ursprünglich weit ausgedehnte horizontale Kreidetafel in einzelne
Schollen zerlegten, eine mannigfaltige Modellierung der Kreideland-
schaft stattgefunden haben. — Im Eocän herrschte auch in Mittel-
europa ein feuchtheisses, tropisches Klima, das einen intensiven
Zerfall der Gesteine zur Folge gehabt haben wird. Ob ein Mantel
von Roterde sich schützend über die jungen, von tektonischen
Störungen wohl noch nicht berührten Kreideschichten ausgebreitet
haben mag oder gewaltige Regengüsse die Verwitterungsprodukte
wieder entfernten, entzieht sich unserer Kenntnis. — In dem zweiten
Abschnitt der geologischen Neuzeit, dem Oligocän, setzte nun im
Verbreitungsgebiet der alten und inzwischen stark erniedrigten
karbonischen Faltengebirge eine Periode intensiver tektonischer
Störungen ein, von denen auch die jüngeren Deckschichten, z. B. die
') Im Flussgebiet der Glatzer Neisse finden wir ewar an vielen Stellen
Beweise dafür, dass die Abtragung durch fliessendes Wasser in vergangenen
Zeiten eine intensivere gewesen sein muss als in der Gegenwart; bei dem
Fehlen tertiärer Ablagerungen aber ist es nicht möglich, mit Sicherheit au ent-
scheiden, ob diese stärkere Erosion im Tertiär oder später stattgefunden hat.
Leppla steht auf dem Standpunkt (a. a. O. Seite 60), dass die Terrassenbildungen
in der Hauptsache postglacialer Entstehung sind.
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Kreidetafel unseres Gebietes, ergriffen wurden. Durch das Zerbersten
der horizontalen Schichtenmassen wurden die Grundzüge der heutigen
Oberflächengestaltung herausgebildet, und bei dem subtropischen
Klima, welches das Oligocän kennzeichnet, mit trockenheissen Sommern
und an Regengüssen reichen Wintern wird ohne Frage eine intensive
Umgestaltung des Reliefs der Kreidelandschaft stattgefunden haben. —
Im Neogen macht sich eine allmählich immer deutlicher werdende
Annäherung an das Klima der Gegenwart bemerkbar. Die Pflanzen
vom subtropischen Charakter verschwinden, und Formen der wärmeren
gemässigten Zone treten an ihre Stelle. — Und am Schlüsse der
Tertiärzeit, im Pliocän, herrschte ein dem gegenwärtigen durchaus
entsprechendes Klima in unseren Breiten. 1 ) Geringe Temperatur-
schwankungen im Verein mit der Abnahme extremer Feuchtigkeits-
verhältnisse werden in der damaligen Zeit die mechanische Ver-
witterung und die Abtragung auf das nämliche Mass reduziert haben,
wie wir es in der Gegenwart beobachten.
Eine tiefgreifende Umgestaltung des Klimas und mit ihm der
Verwitterungsbedingungen vollzog sich nun mit dem Einsetzen der
diluvialen Eiszeit. „Ungeheure Schneemassen fielen im Ufergebiete
des nördlichen Atlantik nieder, und auch die Schneefelder des Alpen-
systems begannen zu wachsen. In Norwegen und Schweden drängten
sich überall Gletscher in die Täler hinein, wuchsen immer höher
empor und verschmolzen bald miteinander zu grossen Eisdecken. u 2 )
Von dem nordischen Zentrum ausgehend, orgoss sich nach allen
Seiten ein gewaltiger Eisstrom, der im Westen und Norden bald das
Meer erreichte, im Süden aber auf ein weit ausgedehntes, in dem
milden Klima des Tertiär tiefgründig verwittertes Felsenland stiess,
das er sich Schritt für Schritt eroberte. Unaufhaltsam drängte die
skandinavische Eisdecke nach Mitteldeutschland hinein, bis die im
Tertiär entstandenen Mittelgebirge einem weiteren Vorrücken Halt
geboten. — „Ein furchtbarer Kampf entspann sich beim Vorrücken
des Eises an der Gletscherkante ; denn hier lebte eine alteingesessene
Flora und Fauna, welche solange als möglich Widerstand leistete." 3 )
Aber die gefahrliche Nähe der grossen Eismassen bot für eine
ständige Flora und Fauna allzu ungünstige Verhältnisse, so dass
allmählich die anspruchsvolleren Lebewesen den Rückzug nach den
l ) Vergl. F. Frech: Über Eisseiten und das Klima der geologischen Ver-
gangenheit. Das Weltall. Jahrgang III. Heft 16/17, Berlin 1903, Seite 222.
*) J. Walther: Geschichte der Erde und des Lebens. Leipzig 1908, Seite 504.
•) J. Walther: a. a. O. Seite 606.
°" 9ma " rom
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%
170
nicht vergletscherten Gebieten Mitteleuropas (im Südwesten Frank-
reich, im Südosten Ungarn und Stidrussland) antreten mussten. 1 )
Immer lichter wurde die Vegetation am Saume des Inlandeises
und immer mehr wurden die deutschen Mittelgebirge ihres Pflanzen-
kleides entblösst, bis schliesslich das Gestein, sofern es nicht von
tertiären Verwitterungsprodukten bedeckt war, nackt und kahl zutage
lag. Durch die intensive Sonnenbestrahlung am Tage und die nicht
minder extreme Abkühlung in der Nacht musste nun ein lebhafter
Zerfall der Gesteine durch den Spaltenfrost vorsichgehen. Zu diesen
klimatischen Umwälzungen gesellte sich dann weiterhin, wie die
Forschungen V a h 1 s *) und S o 1 g e r s 8 ) ergeben haben, ein Faktor
von grösster Bedeutung hinzu: die Herausbildung starker, trockener
östlicher Winde, die aehr wohl im Zusammenhang mit der über den
Eismassen sich einstellenden Anticyklone gestanden haben mögen
(Eiswind Jentzschs). 4 ) —
Wollen wir nunmehr eine Vorstellung davon gewinnen, in welcher
Weise unter derartigen klimatischen Begingungen die Verwitterung
modellierend eingewirkt haben mag, so wird es am zweckmässigsten
erscheinen, uns für einen Augenblick denjenigen Gebieten zuzuwenden,
welche in der Gegenwart noch analoge Bedingungen aufweisen. In
Grönland studierte Drygalski 5 ) die Verwitterung kristalliner Gesteine
und unterscheidet vier Verwitterungsformen, die dort für die Ober-
flächengestaltung des Gneislandes bestimmend sind, nämlich die
Zerteilung des anstehenden Fels in grosse quaderförmige Blöcke
durch drei sich schneidende Kluftsysteme, das Abplatzen schalenförmiger
Platten von 2 bis etwa 20 cm Stärke, die Abschäl ung der obersten,
wenige Millimeter dicken, polierten Haut und das Zerfallen des an-
*) Über den Einwand einiger Forscher, dass die Baumwelt flieh trotz der
Nähe der grossen Eisfelder auf den Mittelgebirgen erhalten haben könnte, ver-
gleiche A. Nehring : Über Tundren und Stoppen der Jetzt- und Vorzeit. Berlin
1890, Seite 131/132.
*) M. Vahl: De kvartaere Stepper i Mellevropa. Geografisk Tidskrift 16,
1901—02. Kopenhagen 1902, Seite 173 ff.
") F. Solger: Über fossile Dünenformen im norddeutschen Flachland. Ver-
handlungen des XV. Deutschen Geograph ontages in Danzig. Berlin 1906, Seite
159 ff. (besonders Seite 165).
4 ) A. Jentz8ch: BeifcrÄge zum Aushau der Glacialhypothese in ihrer An-
wendung auf Norddeutschland. Jahrbuch der Kgl. Pr. Geolog. Landesanstalt für
das Jahr 1884. Berlin 1885, Seite 623.
5 ) E. v. Drygalski: Grönland-Expedition der Gesellschaft für Erdkunde zu
Berlin 1891—93. Berlin 1897.
Original ftom
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171
stehenden Felsen zu Gras 1 ). — Ans der Antarktis berichtet Philippi 2 )
sehr ausführlich und klar von den dort beobachteten Verwitterungs-
erscheinangen. „Besonders auf den höheren Teilen des Berges sind
in diese erratischen Blöcke 3 ) tiefe Löcher und Rinnen eingebohrt,
widerstandsfähigere Teile ausgemeisselt, kurzum, es zeigen sich alle
Erscheinungen, die als Windwirkungen aus der Wüste bekannt sind.
Ich bin auch der Ansicht, dass es trotz sonstiger klimatischer
Verschiedenheit die gleichen Faktoren sind, welche hier wie in der
Wüste diese merkwürdigen Erosionserscheinungen hervorrufen, nämlich:
grosse Temperaturunterschiede in kurzen Zeiträumen, die eine ausser-
gewöhnlich starke Zertrümmerung des Gesteins zur Folge haben,
excessive Trockenheit der Luft und Fortschaffung alles feineren Materials
durch heftige Winde." 4 ) Dieselben klimatischen Faktoren waren nun
aber, wie wir gesehen, im Diluvium massgebend für die Modellierung
der deutschen Mittelgebirge. Erscheint es daher nicht als notwendige
Schlussfolgerung anzunehmen, dass auch dieselben Verwitterungsformen
in jener Zeit in unserem Gebiet herausgearbeitet wurden? —
Auf den gewaltigen Vorstoss der nordischen Gletschermassen
folgte dann in dem zweiten Abschnitt des Diluviums ein allmählicher
Rückzug des Inlandeises. Wir brauchen in unserer weiteren Betrachtung
nicht die Streitfrage anzuschneiden, ob diese Abschmelzperiode von
erneuten, wenn auch schwächeren Vorstössen des Eises unterbrochen
wurde und wie oft sich dieser Wechsel eventuell wiederholte, sondern
können uns mit der Tatsache begnügen, dass, sei es nach dem ersten
grossen Vorstoss des Eises (Haupteiszeit) in einer Interglacialperiodo
oder nach dem endgiltigen Verschwinden des Eises aus Mitteleuropa,
in den ehemals vergletscherten Gebieten ein ausgeprägtes Steppen-
klima seinen Einzug hielt.
Durch die mit unermüdlichen Eifer durchgeführten Forschungen
A. Nehrings 6 ) haben wir einen Einblick gewonnen in die Flora
und Fauna, welche jene Steppenperiode kennzeichneten. Das damalige
Mitteleuropa glich etwa den heutigen ostrussischen und südwest-
sibirischen Steppengebieten, den „im Frühling von einem bunten
») Drygalski: a. a. O. Seite 31 ff.
*) E. Philippi in : Deutsche Sfldpolar-Expedition auf dem Schiff „Gauss" unter
Leitung von E. v. Drygalski. Veröffentlichungen des Instituts für Meereskunde
and des geographischen Instituts. Heft 5. Berlin, Oktober 1903.
*) Es handelt sich dort um Granit, Gneis, Amphibolit usw.
*) E. Philippi: a. a. O. Seite 131/32.
*) A. Nehring: ÜberTundren und Steppen der Jetzt- und Voreeit. Berlin 1890, und
A. Nehring: Die Ursachen der Steppenbildung in Europa. Geographische Zeit-
schrift 1895 Seite 152 ff., sowie eine Reihe kleinerer Publikationen.
Ofetal fem
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Blumenteppieh bedeckten, im Sommer aasdorrenden und im Winter
unter meterhohem Schnee begrabenen Sand- und Lehmwiisten von
Transkaspien." l )
Tiere, welche durch ihren Körperbau auf das schärfste auf ein
Leben in der Steppe hinweisen (Arctomys bobac, Spermophilus rufescens,
Lagomys pusillus, Alactaga jaculus u. a. m.), bildeten die Charakter-
tiere des damaligen Mitteleuropa. Über die klimatischen Bedingungen
jener Zeit wissen wir naturgemäss nur wenig; Vahl versucht in
seiner bereits zitierten Studie nachzuweisen, dass trockene Ostwinde
die kennzeichnende klimatische Eigenart der Steppenperiode gewesen
sein müssen, und Solger gelangt in seinen Untersuchungen über
die Dünenformen im norddeutschen Flachlande zu demselben Resultat. —
Die zuverlässigsten Rückschlüsse in Bezug auf die ehemaligen Ver-
hältnisse der Vegetation und des Klimas gewähren jedoch ohne allen
Zweifel neben den paläontologischen Untersuchungen die Berichte
von Reisenden aus denjenigen Gebieten, die in der Gegenwart denselben
Bedingungen unterliegen wie Mitteleuropa in der Steppenperiode, den
russischen und sibirischen Steppen. Und welches sind nun die
klimatischen Eigentümlichkeiten, welche in jeder dieser Reise-
schilderungen angeführt werden? Es sind: grosse Temperaturunter-
schiede zwischen Tag und Nacht, mangelnde Bedeckung des Bodens
mit Vegetation, ungleichmässige Verteilung der Niederschläge und eine
ausserordentliche Entfaltung des Windes. — Es fehlt der Wissenschaft,
schreibt Middendorff, 2 ) noch an einem Ausdrucke, unter welchem
Stürme zusammengefasst würden, deren Wirkung dadurch viel
schrecklicher wird, dass sie in ihrem Laufe Gelegenheit finden, fein-
verteilte Körper der verschiedensten Art mit sich fortzureissen, die
sie jedem Widerstände, auf den sie treffen, entgegenschleudern.
„Gleich wie in den afrikanischen Wüsten durch den Samum, so wird
auch in den schneearmen südsibirischen Steppen, welche die südlichere
Sonne sehr früh von ihrer Winterhülle befreit, Sand und Staub durch
die Stürme emporgewühlt. Als Sand- und Staubstürme wüten sie
nicht minder verderblich wie die Schneestürme. Was ihnen an Frost-
strenge abgeht, wird durch die Rauhigkeit des Streumaterials über-
wogen." 3 ) „Wer es nicht selbst erlebte, hat keinen Begriff von der
unwiderstehlichen Gewalt, mit welcher der Sturmwind in seiner
äussersten Wucht über die waldlosen nordischen Ebenen als Orkan
») J. Walther; a. a. O. Seite 609.
8 ) A. Th. v. Middendorff: Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens.
Bd. IV, Teil 1. Seite 384, Petersburg 1867.
■) Middendorff; a. a. O. Seite 384/386.
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173
dahinrast: mit grösster Anstrengung vermochte ich kaum, zu ver-
schiedenen Malen gar nicht mehr, mich auf den Beinen zu halten." *)
In ähnlicher Weise äussert sich Helmersen über den Schneesturm
in der Orenburger Steppe. „Bei beginnendem Buran wird der Schnee
anfangs in langen Streifen dicht über den Boden hingeweht. Mit
der Stärke des Windes steigt auch der Schnee höher, verdunkelt die
Sonne, und wenn hierzu noch Wolken sich entladen, so sieht man
znletzt nichts als eine dichte undurchdringliche Schneemasse, die mit
entsetzlicher Gewalt gepeitscht und gewirbelt wird." 2 ) Und Goebel
erzählt an mehreren Stellen seines interessanten Reisewerkes von
plötzlichen Wirbelwinden, durch welche sogenannte Sandhosen erzeugt
werden, die an steilen Felsen oft zerschellen. 3 ) — Mögen diese Hinweise
genügen, um uns zu zeigen, dass in den Steppengebieten Russlands
neben den Schneestürmen Staub und Flugsand eine Hauptrolle spielen,
zumal da der Wind durchweg lebhaft ist, ja sehr häufig als Sturm
auftritt; mögen sie genügen, um zu beweisen, dass die rezenten
Steppengebiete nicht nur Gebiete des Staubabsatzes darstellen, wie
Hettner behauptet, 4 ) sondern dass eine Wegnahme der lockeren
Bestandteile des Bodens durch den Wind in jenen Gegenden eine
überaus häufige und wirkungsvolle Erscheinung bildet.
Nach diesen Darlegungen werden wir nunmehr imstande sein,
eine Vorstellung davon zu gewinnen, in welcher Weise die diluviale
Steppenperiode die Oberflächengestaltung der deutschen Mittelgebirge
beeinflusst haben wird. War in der vorausgegangenen Periode bei
der Nähe des Eises und den dadurch bedingten grossen täglichen
Temperaturschwankungen vor allem ein ausserordentlich intensiver
Zerfall der Gesteine, die Bildung mächtiger Trümmerhalden vorsich-
gegangen, so setzte nun in der Steppenperiode bei der Trockenheit
des Klimas und dem Fehlen eines schützenden Pflanzenkleides eine
Zeit absoluter Herrschaft des Windes ein. Allenthalben wurden die
lockeren Detritusmassen aufgewirbelt, gegen die Felsen geschleudert
und von neuem vom Winde erfasst; erst an den der vorherrschenden
Windrichtung abgewandten Böschungen von Tälern und im Wind-
») Middcndorff: a. a. O. Seite 389.
8 ) Gr. v. Helmersen: Reise nach dein Ural und der Kirgisensteppe 1883—35.
Beiträge zur Kenntnis des russischen Reiches. Fünftes Bändchen, Seite 164,
St. Petersburg 1841.
8 ) C. C. Goebel: Reise in den Steppen des südlichen Russlands. Dorpat 1838
Bd. I. Seite 138 und 202 (Zitiert nach Nehring: Tundren und Steppen, Seite 127).
*) A. Hettner: Die Felsbildungen der Sächsischen Schweiz. Geographische
Zeitschrift IX. Jahrg. Leipzig 1903, Seite 609.
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N
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*
schatten der Höhenzüge gelangten die leicht beweglichen Sand- und
Staubmassen zur dauernden Ablagerung. In dieser Zeit entstanden
die lössartigen Lehme, welche in ganz Mitteleuropa eine so häufige
Erscheinung bilden, entstanden in Schlesien jene Lössmassen, die den
flachen Rücken des Pless-Rybniker Hügellandes polstern (Annaberg),
jene zusammenhängende Lossdecke, welche sich auf dem linken Ufer
der Oder bis gegen Kosel und Neisse erstreckt, sowie zahlreiche
Lössablagerungen in Mittel- und Niederschlesien, entstanden endlich
im Norden der Provinz jene ansehnlichen Lössmassen, die, bisweilen
8—10 m mächtig, die Flanken der Trebnitzer Hügel umhüllen. 1 )
Mit welcher Heftigkeit die Sandstürme der diluvialen Steppen-
periode jedes ihnen entgegenstehende Hindernis bepeitschen, lassen
mit grösster Deutlichkeit die harten nordischen Moränenblöcke
erkennen, welche durch die Korrasion zu Dreikantern geschliffen
worden. Und wenn schon in dem von den schlammigen Fluten der
Abschmelzwässer getränkten Vorlande sich die Vegetation nicht in
dem Masse entwickeln konnte, um einer Entfaltung des Windes erfolg-
reich entgegenarbeiten zu können, um wieviel mächtiger musste sich
dann die Wirkung des Windes auf den kahlen, felsigen Höhen der
deutschen Mittelgebirge gestalten! Ganz besonders aber war unser
Kreidegebirge dem Winde preisgegeben. Hier fand er die lockersten
Verwitterungsprodukte vor, die er leicht mit sich fortreissen konnte,
und hier wurde, mehr als bei allen anderen Gesteinen, durch den
intensiven mechanischen Zerfall der Quaderfelsen immer wieder neues
Schleifmaterial, harter Quarzsand, geliefert.
Es kann demnach wohl kaum ein Zweifel darüber be-
stehen, dass im Diluvium (sowohl während der Nähe des
Inlandeises als in der Steppenperiode) eine überaus be-
deutungsvolle Umgestaltung des Reliefs der Kreideland-
schaft vorsichgegangen ist und dass der Wind in diesem
Prozess eine massgebende Rolle gespielt hat Und wenn
wir bei der Betrachtung der Oberflächenform zu dem Er-
gebnis gelangten, dass einzig und allein der Wind im-
stände gewesen sein kann, ein derartiges Relief heraus-
zuarbeiten, wenn wir weiterhin jetzt erkannt haben, dass
zu Beginn der Quartärzeit Perioden bestanden haben, in
welchen bei starken täglichen Temperaturschwankungen
der Wind eine intensive modellierende Kraft entfalten
konnte und entfaltet hat, so werden wir, ohne leichtfertig
) Die schlesiachen Lössf unde sind angeführt nach J. Partsch : Schlesien Seite 168.
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zu handeln, die Behauptung aufstellen können, dass die
Herausbildung der inselartig aufragenden Quaderruinen
sowie die über weite Gebiete sich erstreckende Freilegung
des Plänersockels im Diluvium unter der Herrschaft des
Windes vorsichgegangen ist.
Mit dem Klima der geologischen Gegenwart und seinem Einfluss
auf Verwitterung und Abtragung haben wir uns bereits in dem zweiten
Teil dieser Arbeit ausführlich beschäftigt. Je weiter wir uns vom
Diluvium entfernen, um so mehr verschwinden die grossen täglichen
Temperaturschwankungen; der Feuchtigkeitsgehalt der Luft beginnt
zu steigen, und langsam aber stetig ergreift ein immer dichter
werdendes Pflanzenkleid Besitz von jenen Gebieten, aus denen es die
herannahenden Gletschermassen einst vertrieben. So bildeten sich
allmählich klimatische Verhältnisse aus, die für eine energische
Wirksamkeit der mechanischen Verwitterung *) die denkbar ungünstigsten
Bedingungen schufen, so dass, wie wir gesehen, in der Gegenwart
sowohl die Verwitterung als auch die Abtragung auf ein äusserst
geringes Mass reduziert worden sind.
Nach diesem kurzen Rückblick auf die klimatischen Faktoren,
die in der geologischen Vergangenheit für die Modellierung der
schlesisch-böhmischen Kreidelandschaft massgebend gewesen sind,
wenden wir uns nun den im Gelände beobachteten Verwitterungs-
formen der Quadersandsteinfelsen zu.
Die erste Frage, der wir begegnen, ist die : welche Kräfte haben
die gewaltigen Schutthalden erzeugt, die sich am Fusse der senkrechten
Quaderwände angehäuft haben und dem Landschaftsbilde einen so
eigenartigen Stempel aufdrücken? Wir können nach unseren obigen
Darlegungen keinen Augenblick im Zweifel sein; die Tatsache, dass
wir bei dem heutigen Klima die Bildung derartiger Trümmerhalden
nicht beobachten können, im Diluvium aber die klimatischen Verhältnisse
durchaus danach angetan waren, gewaltige Blockmeere entstehen zu
lassen, zwingt uns förmlich den Schluss auf, dass die Schutthalden
mit ihren eckigen Quaderblöcken nicht in der Gegenwart entstanden
sind, sondern in jener Periode, wo die extremen täglichen Wärme-
schwankungen und der durch die Kälte der Nacht immer wieder
unterbrochene Schmelzungs Vorgang des in die Schluchten hinein-
gewehten Schnees notwendigerweise ein Zerbersten der Schichten-
massen, ein Absprengen ganzer Quaderreihen zur Folge haben mussten.
') Diese kommt für den Quadersandstein ausschliesslich in Betracht. Die
chemische Verwitterung wird aller Wahrscheinlichkeit nach im Gegenteil intensiver
geworden sein.
Original ftom
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176
Im engsten Zusammenhange mit der Bildung der Trümmerhalden
am Fusse der Quadermauern stehen die grotesken Felspfeiler, die
wir besonders an der Wünschelburger Lehne und in Adersbach und
Weckelsdorf beobachten; denn auch sie verdanken ihre Entstehung
vorzüglich dem Zerbersten der Kreidesandsteine. Nachdem die durch
die tektonischen Bewegungen hervorgerufenen feinen Risse ganz be-
sonders im Diluvium zu klaffenden Spalten erweitert worden waren,
begann die Verwitterung, die scharfkantigen, quaderförmigen Klötze
zu bearbeiten. Spaltenfrost und Wind, gelegentlich wohl auch das
aufprallende Regenwasser, sie alle arbeiteten daran, die scharfen
Kanten abzurunden, bis schliesslich aus den eckigen Quaderklötzen
die zierlichen Felsnadeln entstanden. Wir wollen hiermit keineswegs
behaupten, dass diese Formen ausschliesslich im Diluvium entstanden
sind und in der Gegenwart keinerlei Modellierung ausgesetzt seien.
Im Gegenteil mögen die häufig wahrzunehmenden vertikalen Rillen,
welche von dem kuppenförmigen oberen Ende der Pfeiler ausgehen,
sehr wohl rezente Bildungen darstellen und durch die Erosion des
oberflächlich abfliessenden Regen wassers entstanden sein; aber die
wesentlichste Herausarbeitung wird doch zweifellos im Diluvium sich
vollzogen haben. — Wie bedeutungsvoll übrigens die verschiedene
Härte der Gesteine für die Modellierung der Felsen ist, beleuchtet
die Tatsache, dass die Felspfeiler fast ausschliesslich auf den ceno-
manen und mittelturonen Quader beschränkt sind, im Emschersand-
stein dagegen infolge der intensiven Kornbindung durch ein kieseliges
Kontaktzement ungleich eckigere Formen vorherrschen.
Handelte es sich bei den bisher betrachteten Verwitterungs-
erscheinungen um verhältnismässig einfache Formen, so betreten wir
jetzt mit dem Studium der eigentümlichen Lochbildungen ein Gebiet
mannigfacher Komplikationen, und nur monatelang fortgesetzte Be-
obachtungen im Gelände ermutigen mich, diesen Punkt ausführlich
zu behandeln. — . In den grossen, meist hohlkugelförmigen Löchern
mit glatter Innenwand (Tafel VII. Abb. 13) orkennen wir unschwer
die sogenannten Sandlöcher wieder, welche wir oben bereits eingehend
besprochen haben. Die meisten dieser Löcher enthalten von dem sie
einst erfüllenden Sand keine Spur mehr und vorleihen den Felsen
ein sehr eigenartiges Aussehen, besonders wenn mehrere dieser Hohl-
räume im festen Gestein dicht beieinanderstohen. Bisweilen berühren
sich zwei Sandlöcher, so dass sich dann an der Hinterwand des einen
eine neue Vertiefung ansetzt. 1 ) Im Friedersdorfer Steinbruch war
*) Ein solcher Fall liegt in dem untersten Loch der Abbildung vor. In
meinem Tagebuch finde ich hierüber folgende Notiz: Dieses Loch besteht aus
Original ftom
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177
in dieser Weise sogar eine ganze Reihe von Sandlöchern aneinander-
gegliedert. Was mir bei derartigen Bildungen dann besonders auf-
fiel, war die Tatsache, dass auch die weiter nach dem Innern zu
gelegenen Löcher ausnahmslos wie ausgefegt erschienen. Endlich
beobachtete ich auf dem Heuscheuergipfel an mehreren Stellen Sand-
löcher, deren Oeflnung an der Felswand nur 2—3 cm betrug, während
sich nach dem Innern zu eine Höhlung von ebenso viel Dezimeter
Durchmesser auftat, auch hier war der Sand bis auf das letzte
Körnchen entfernt. Ich wüsste für die Fortführung des Sandes aus
all diesen Löchern keine andere Kraft anzuführen als den Wind ; nur
ihm kommt die Fähigkeit zu, auch durch kleine Oeffnungen in die
dahinterliegenden Vertiefungen einzudringen und die Sandkörner zu
entführen. 1 )
Wie bereits oben erwähnt, liegen aus der Sächsischen
Schweiz Beschreibungen derartiger Sandlöcher nicht vor 2 ); vielmehr
haben alle Forscher, welche dort die Lochbildungen studiert haben,
diese mannigfaltigen Formen als einheitliche Erscheinung zusainmen-
gefasst. —
Mit grosser Begeisterung hat sich G.utbier 3 ) dem Studium der
Verwitterungserscheinungen in der Sächsischen Schweiz gewidmet.
Er ist bei seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass
die Zone stärkster Zerfressenheit der Wände vor allem am Fusse der
Felsen zu beobachten sei, und dass diese Zone aller Wahrscheinlich-
keit nach im Zusammenhang steht mit den sogenannten Fichten-
dickichten, in welchen die jungen Nadelhölzer so dicht zusammen-
gewachsen sind, dass sie tiefen Schatten verursachen und jeden
Luftstrom verhindern. „In dieser Zone schlagen sich an vielen
Tagen im Jahre die Nebel nieder und können nicht entweichen. Die
Feuchtigkeit hängt sich in Tropfen an das Gestein und wird zum
grossen Teile von demselben aufgenommen. Ein kieselig-toniges
einer Vorhöhlung, welche 40 cm breit und 41 cm hoch ist. In einer Tiefe von
30 cm erweitert sich die Innenwandung zu einem zweiten Loch, welches am Ein-
gang 24 cm breit und 26 cm hoch ist, im Innern aber eine Breite von 45 cm
und eine Tiefe von 56 cm erreicht.
*) Natürlich wird man aber nicht in jedem einzelnen Falle auf die diluvialen
Stürme zurückzugehen haben ; denn an besonders begünstigten Stellen wird
selbstverständlich auch heute noch der Wind deflatierend wirken können.
*) Dass sie trotzdem auch in der Sächsischen Schweiz vorhanden sind,
scheint mir mit einiger Sicherheit aus den Abbildungen Chitiners und Runge*
(Monographien zur Erdkunde XVI) hervorzugehen.
•) Outbier: a. a. 0. Seite 90 ff.
Mitteilungen XXIV 12
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Bindemittel widersteht am besten der Zerstörung; waltet aber der
Ton vor, so nimmt er begierig das Wasser anf, welches ihn mecha-
nisch aufweicht und ausführt". 1 ) — Für die Lochbildungen unseres
Gebietes ist dieser Erklärungsversuch Gutbiers zum mindesten
unzureichend; denn abgesehen davon, dass bei der Mehrzahl der
Quadersandsteine die Kornbindung eine viel zu intensive ist, um
eine so leichte Zerstörbarkeit zu ermöglichen, steht der Vermutung
Gutbiers vor allem die Tatsache entgegen, dass die mannigfach ge-
narbten Stellen sich ebensowohl an den frei in den Himmel hinein-
ragenden Wänden zeigen wie am Fusse der Felsen. So geistvoll
die Beschreibung Gutbiers von dem Wogen und Wallen des Nebel-
meeres ohne Zweifel ist, so wenig können die Resultate seiner
Forschung einer wissenschaftlichen Nachprüfung standhalten. —
Zu wesentlich anderen Ergebnissen gelangt Hettner in seinen
Studien der Felsbildungen in der Sächsischen Schweiz 2 ) Zwar be-
tont auch er das zonare Auftreten der Lochbildungen; da sie sich
aber an freigelegenen Wänden ebenso wie in engen Schluchten finden,
da sie ferner über manchen Schichtenfugen in langen Reihen auf-
treten, während sie darüber oder darunter ganz fehlen, so spricht
Hettner die Vermutung aus, dass sie dem Sickerwasser zuzuschreiben
seien, „das gerade an den Schichtenfugen etwas reichlicher hervor-
komme und dabei hauptsächlich zur Zeit des Frostes Sandkörner
mitnehme." 8 ) In dieser Vermutung wird Hettner bestärkt durch die
zahllosen kleinen Eiszapfen, die man im Winter von der Decke dieser
Nischen und Grotten und Ueberhänge herabhängen sieht.
Wir können uns aus verschiedenen Gründen dieser Theorie nicht
anschliessen. Den ersten Stützpunkt seiner Hypothese erblickt
Hettner in der nicht zu verkennenden Anhäufung der Lochbildungen
längs der Schichtenfugen. Wir haben nun aber in dem zweiten Teil
unserer Abhandlung wiederholt darauf hingewiesen, dass die Schichten-
fugen infolge der Anreicherung an leicht zerstörbarer Bindemittel-
substanz die am wenigsten festen Stellen am Felsen darstellen. Hier
muss also auf jeden Fall die intensivste Zerstörung einsetzen, gleich
ob Sickerwasser, Spaltenfrost oder Windkorrasion die modellierenden
Kräfte sind, denn sie alle zielen darauf hin, die Härteunterschiede im
Gestein herauszuarbeiten. Man kann daher unseres Erachtens aus
l ) Outbier: a. a. O. Seite 99.
*) A. Hettner : Gebirgebau und Oberflächengestaltung der Sächsischen Schweif.
Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde U. Bd. 4. Heft, Stuttgart 1687
und A. Hettner: die Felsbildungen in der Sächsischen Schweiz. Geogr. Zeitschrift
9. Jahrgang 1903, 11. Heft.
8 ) A. Hettner: die Felsbildungen in der Sächsischen Schweiz. Seite 614.
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der Tatsache, dass gerade die Schichtenfugen besonders angegriffen
erscheinen, dass die Lochbildungen an einzelnen Stellen massenhaft
auftreten, während sie in den Schichten darüber und darunter ganz
fehlen, nicht die mindesten Rückschlüsse auf die Kräfte ziehen, welche
jene sonderbaren Gebilde geschaffen haben. Und was die von den
kleinen Nischen und Grotten herabhängonden Eiszapfen anbetrifft,
von denen Hettner sagt, sie erhöben seine Vermutung fast zur Ge-
wissheit, 1 ) so kann ich auch an dieser Stelle nur meine oben 2 ) bereits
mitgeteilten Beobachtungen wiederholen. In keinem einzigen Falle
war es mir möglich, mit Sicherheit zu erkennen, dass das Wasser,
ans welchem sich der Eiszapfen bildete, aus dem Innern des Felsens
hervorsickerte; dagegen sah ich häufig deutlich das Schmelzwasser
der Schneekappe, die dem Felsen aufgesetzt war, an der Aussenwand
herablaufen.
Lassen sich also aus der Verteilung der Lochbildungen, ihrem
Auftreten an bestimmten Stellen der Felsen keine sicheren Rück-
schlüsse auf ihre Entstehungsweise ziehen, so werden wir umsomehr
erwarten dürfen, durch die Form der einzelnen Löcher Aufschluss
darüber zu erhalten, welche Kräfte vorwiegend an ihrer Heraus-
modellierung mitgewirkt haben. Es ist ohne weiteres klar, dass,
vorausgesetzt, die Löcher sind durch die erodierende Kraft des
Sickerwassers entstanden, eine allmähliche Verjüngung der Loch-
wandungen nach dem Innern zu uns den Kanal andeuten müssto,
welchen das Sickerwasser benutzt hat. (Figur 5.) Werfen wir nun
Figur 5. Schematischer Querschnitt
durch eine vom Sickerwasser
modellierte Felswand. 2
Figur 6. Schematischer Querschnitt
durch eine der vielen im Gelände anzu
treffenden Felswände mit Lochbildungen
») Hettner: a, a. O. Seite 614.
*) Seite 128 dieser Abhandlung.
Oig
Original frorn
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180
aber einen Blick auf die netzartig zerfressenen Wände (Figur 6 und
Abb. 20 und 21), so bemerken wir an keiner einzigen der zahllosen
napfförmigen Vertiefungen jenen Kanal nach innen, welcher auf eine
von innen nach aussen wirkende Kraft hinweisen würde; vielmehr
grenzen mehr oder minder glatte Wände jene in den Felsen hinein-
greifenden Höhlungen auch nach dem Innern zu scharf ab. Die
Form der eigentümlichen Narben und kleinen Höhlchen, „die wie
ein zierliches Netzwerk in Hochrelief erscheinen" 1 ), widerspricht
somit einer Entstehung durch Sickerwassererosion. — Eine Reihe
weiterer Ueberlegungen wird uns zu demselben Resultat fuhren.
Vorausgesetzt, die Hettnersche Hypothese bestünde zu Recht, so
wird man aus ihr die Schlussfolgerung ziehen dürfen, dass überall
dort, wo an Sandstein wänden ein Ausschwitzen des Sickerwassers zu
beobachten ist, dieselben oder wenigstens ganz ähnliche Verwitterungs-
erscheinungen sich herausbilden müssten. Ich habe von diesem
Gesichtspunkte aus an verschiedenen Stellen Beobachtungen ge-
sammelt. In der Nähe des Wünschelburger Steinbruchs konnte ich
wiederholt ein Ausschwitzen des Sickerwassers aus dem mittelturonen
Sandstein wahrnehmen. Während die oberen Bänke absolut trocken
waren, trat in der Mitte der Felswand das Bergwasser deutlich
heraus. Nirgends aber fanden sich an diesen Stellen zierliche Stein-
gitter oder Schichtenfugenlöcher, wie man nach der Hettnerschen
Hypothese erwarten sollte. — Dieselbe Erfahrung machte ich auf dem
Heuscheuergipfel, in Cihak und in Nesselfleck sowie in den Kreide-
gebieten von Lahn und Löwenberg. Besonders hier bot sich mir oft
Gelegenheit, den von Hettner vermuteten Zusammenhang zwischen
dem Austreten des Sickerwassers und der eigenartigen Modellierung
der Felswände nachzuprüfen, da Lahn lange Zeit mein Wohnsitz war.
Zwar bemerkt man auch hier an den Quaderwänden ein lebhaftes
Hervortreten des Sickerwassers ; nach steingitterartigen Verwitterungs-
formen aber forscht man vergeblich. Die Wände sind im Gegenteil
auffallend wenig modelliert; nicht nur die Lochbildungen, auch die
Hohlkehlen und Leisten fehlen hier vollständig.
Fassen wir also jetzt kurz die Tatsachen zusammen, welche
gegen die Hettnersche Sickerwassertheorie sprechen:
1. Das Austreten des Sickerwassers vollzieht sich nicht in der
Weise, dass das Wasser nur an den Schichtenfugen oder aus
einzelnen Löchern heraustropft; vielmehr findet ein stets über
») R. Deck: a. a. 0. Seite Ö43.
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181
eine grössere Fläche der Felswand verteiltes Ausschwitzen
in der Form winzig kleiner Wasserkügelchen statt, deren
Erosionskraft naturgemäss minimal ist.
2. Die Form der Löcher widerspricht einer Entstehung durch
eine von innen nach aussen wirkende Kraft.
3. An sehr vielen Felswänden, an denen ein Aussickern des
Wassers deutlich erkennbar ist, fehlen die eigenartigen Loch-
bildungen vollständig.
Einen wesentlichen Fortschritt in der Erforschung der eigen-
tümlichen Verwitterungserscheinungen der Quadersandsteinfelsen be-
deuten die Darlegungen Becks, der bei seinen Kartierungsarbeiten
rar die Königlich Sächsische Geologische Landesuntersuchung auch
den Verwitterungsformen seine Aufmerksamkeit zuwandte und hier-
bei zu überaus interessanten Resultaten gelangte. Die zelligen
Gebilde (Tafel X. Abb. 19) betrachtet Beck allerdings im wesent-
lichen als die Erzeugnisse der „normalen" Verwitterung und bekennt
sich somit in diesem Punkte wohl zu der Hettnerschen Ansicht. 1 )
Die Form der zierlichen, sanduhrförmigen Pfeilerchen aber, welche
an den Schichtenfugen zwischen den kleinen Höhlen stehen geblieben
sind, weist nach der Überzeugung Becks mit aller Deutlichkeit auf
eine Entstehung durch Windkorrasion hin. 2 ) Indes kommen Beck
sehr bald Bedenken, ob wirklich alle Felspfeilerchen als Korrasions-
erscheinungen anzusprechen sind. Er geht nämlich von der Voraus-
setzung aus, dass es sich auf jeden Fall um rezente Korrasion handeln
müsse, findet dann aber an einzelnen Felsen dieselben Gebilde unter
Umständen, „die jede Mitwirkung des Windes ausschliessen" 3 ), und
ragt daher die einschränkende Bemerkung hinzu, dass die Sanduhr-
form zwar im allgemeinen sicherlich eine Folge starken Sandgebläses
sei, in anderen Fällen aber analoge Formen wohl „auch im Laufe
der ausschliesslich wirkenden normalen Verwitterung unter anderen
günstigen Nebenumständen" entstehen könnten. 3 )
Ausschliesslich durch die Korrasion des Windes aber sind nach
Beck jene horizontalen Furchen und hervortretenden Leisten entstanden,
l ) Es ist sehr zu bedauern, dass es Beck im Rahmen seiner Arbeit (Über
die korradierende Wirkung des Windes im Gebiet des Quadersandsteins der
Sächsischen Schweiz) nicht möglich war, auf diese „normale" Verwitterung näher
einzugehen; die von uns gegen die Entstehung dieser Gebilde durch Sicker-
wassererosion geltend gemachten Einwände hätten sonst auch Beck nicht ent-
gehen können.
*) R. Beck: a. a. O. Seite 541 ff.
•) jB. Beck: a. a. O. Seite 543.
°" 9ma " rom
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182
weicht« sich besonders auf den nach O und SO zugekehrten Flächen ! )
vorfinden. „Der Schichtung parallele, jedoch schwach wellig ver-
laufende, zarte, wegen ihres grösseren Eisenoxydgehaltes widerstands-
fähigere Gesteinslagen haben hier dem Sandgebläse grösseren Wider-
stand geleistet und springen deshalb als schwache Leisten hervor." ')
(Tafel VIII. Abb. 16 und Tafel XI. Abb. 21).
Nachdem wir nunmehr die verschiedenen Ansichten kennen gelernt
haben, die für die Entstehung der Verwitterungserscheinungen des
Quadersandsteins der Sächsischen Schweiz ausgesprochen worden sind
— - für unser schlesisch-böhmisches Kreidegebirge existieren keinerlei
derartige Untersuchungen, — wird es am Platze sein, anschliessend
an einige kritische Bemerkungen zu Becks Ausführungen unsere
eigene Ansicht über diese problematischen Gebilde darzulegen, und
zwar werden wir am zweckmässigsten mit der Betrachtung der seltsamen
Hohlkehlen und vorspringenden Leisten beginnen, weil ihre Entstehung
am einfachsten zu entziffern ist. Diese Formen lassen auf das klarste
erkennen, dass weder das Sickerwasser noch der Spaltenfrost, noch
irgend welche anderen in der Gegenwart vorherrschende Verwitterungs-
kräfte ihre Bildner gewesen sein können; nur eine einzige Kraft kann
jene glattwandigen Furchen in den Felsen eingemeisselt, kann die
feinen Härte unterschiede der einzelnen Gesteinslagen mit solcher
Schärfe herausgearbeitet haben : die Korrasion des mit Sand beladenen
Windes. 2 ) So sehr wir uns also in diesem Punkte in Übereinstimmung
mit Beck befinden, wenn wir die Hohlkehlen und Leisten ausschliesslich
als Korrasionsskulpturen ansehen, so sehr müssen wir die Richtigkeit
des zweiten Teiles seiner Hypothese bezweifeln, dass nämlich jene
Formen das Produkt von in der Gegenwart zu beobachtenden Sand-
stürmen seien. — Wir haben bereits oben 3 ) die Ansicht ausgesprochen,
dass uns bei der Dichtigkeit des Pflanzenkleides und den übrigen
klimatischen Bedingungen eine auch nur einigermassen bedeutungsvolle
Entfaltung dor Windkorrasion unmöglich erscheint. 4 ) Und gerade
die Hohlkehlen und Leisten bestärken uns in dieser Anschauung.
») R. Beck : a. a. O. Seite 543.
*) Uettner ist auf die Entstehung dieser Formen nicht näher eingegangen,
sondern hat sich mit der Feststellung begnügt, dass „vortretende Leisten und
Höcker oder Zapfen «eigen, dass die Verwitterung (?) wirksam gewesen
ist". (Hettner: a. a. O. Seite 613.)
») Seite 160/161.
4 ) Wenn wirklich an ganz besonders begünstigten Stellen in der Gegenwart
Windkorrasion stattfinden sollte, so wird ihre Wirkung zweifellos eine äusserst
geringe bleiben.
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183
Denn diese seltsamen Skulpturen stellen eine so allgemein verbreitete
Eigentümlichkeit der Felsen unseres Gebietes dar und treten so häufig
an Stellen hervor, wo eine Mitwirkung des Windes in der Gegenwart
unbedingt auszuschliessen ist, dass nur zwei Möglichkeiten in Betracht
kommen können: entweder entstehen diese Hohlkehlen und
Leisten in der Gegenwart; dann müssten Sickerwasser und
Spaltenfrost und die übrigen in der Gegenwart vor-
herrschenden Kräfte jene Formen herauszuarbeiten imstande
sein, oder aber es sind in der Tat Korrasionsskulpturen;
dann aber müssen sie Relikte aus einer Zeit vorstellen, in
der bei fehlender Vegetation Sandstürme nicht wie heute
eine Ausnahme, sondern die Regel bildeten, wo sie ganz
allgemein einen wichtigen Faktor in der Modellierung der
Felswände darstellten, Relikte also aus der Periode der
diluvialen Sandstürme. Da nun aber, wie wir oben gesehen,
die erste Möglichkeit absolut ausgeschlossen erscheint, so gelangen
wir zu der notwendigen Schlussfolgerung, dass wir jene Gebilde in
der Tat als Reste der diluvialen Verwitterungserscheinungen ansehen
müssen. In dieser Anschauung werden wir bestärkt durch eine
Beobachtung Becks, die auch mit der unsrigen übereinstimmt, dass
nämlich diese Formen mit besonderer Schärfe an den nach Osten
nnd Südosten gekehrten Wänden hervortreten, d. h. an Flächen, die
der in der Gegenwart vorherrschenden Windrichtung abgewandt sind,
den scharfen, mit Sand beladenen Ostwinden der Diluvialperiode
dagegen am stärksten ausgesetzt waren.
Haben wir aber erst einmal durch diese Untersuchung die Über-
zeugung gewonnen, dass diluviale Verwitterungserschein nngen noch
mit Sicherheit nachzuweisen sind, so werden wir mit Hilfe dieser
Erfahrung eine Reihe von Formen zu erklären imstande sein, welche
zuvor mehr oder minder rätselhaft erschienen. Dahin gehören in
erster Linie die sanduhrförmigen Felspfeilerchen. Wenn diese Gebilde,
wie Beck theoretisch bewiesen hat, durch Korrasion des mit Sand
beladenen Windes entstanden sein müssen, sich aber andererseits
häufig an Stellen finden, wo an eine Einwirkung rezenter Sandstürme
nicht im entferntesten gedacht werden kann, so werden wir jetzt
nicht mit Beck unsere Zuflucht nehmen zu jener hypothetischen
Bemerkung, dass analoge Formen wohl auch im Laufe der aus-
schliesslich wirkenden normalen Verwitterung unter anderen günstigen
Neben umständen entstehen können, sondern werden vielmehr in dieser
Tatsache den Beweis dafür erblicken, dass auch die Felspfeiler
Relikte aus der Sandsturmperiode des Diluviums darstellen.
Il Ongmalfton,
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184
Was endlich die Lochbildnngen an den Schichtenfügen und die
steingitterähnlichen, netzförmigen Gebilde anbetrifft, so gehen hier
die Meinungen am weitesten auseinander. Wir haben oben den Nach-
weis dafür zu erbringen versucht, dass die hente vorwiegend an der
Modellierung der Felsen sich beteiligenden Kräfte nicht imstande
sind, derartige Formen zu schaffen. Wenn wir nun aber aus den
Reisebeschreibnngen Walthers und anderer Forscher ersehen, dass
in der Wüste, wo der Wind der massgebende Faktor für die
Modellierung der Felsen ist, überaus ähnliche Gebilde häufig anzu-
treffende Verwitterangserscheinungen darstellen (Vergleiche Abb. 20
und 21 mit Abb. 15), wenn wir weiterhin in Betracht ziehen, dass
in unserem Kreidegebirge und zwar in der jüngsten geologischen
Vergangenheit der Wind annähernd dieselbe Rolle gespielt hat, wie
heute in den Wüsten, so kann unserer Überzeugung nach kaum ein
Zweifel darüber obwalten, dass die Lochbildungen an den
Schichtenfugen sowie die zierlichen Steingitter zum
grössten Teil, wenn nicht ausschliesslich den Winden der
Diluvialperiode ihre Entstehung verdanken.
Die letzten rätselhaften Erscheinungen in unserem Gebiete sind
die Pilz- und Hammorfelsen (Tafel IX. Abb. 17 und 18). Die Grund-
lage für die Entstehung dieser Formen werden wir zweifelsohne in
dem Wechsel einer härteren Schicht oben und weicherer, sie unter-
lagernder Schichten zu erblicken haben. Soweit sich Härteunter-
schiede im Gelände mit Hilfe des Hammers bestimmen lassen, fand
ich diese Vermutung bestätigt. Neben diesem Härteunterschied wird
natürlich auch die Zerklüftung für die Entstehung dieser Riesenpilze
heranzuziehen sein. Aber sie zerspaltete, wie wir gesehen, die
Kreidedecke in quaderförmige Klötze ; es erhebt sich also die Frage,
welche Kräfte die durch die Zerklüftung gelieferten Quader zu jenen
rätselhaften Gebilden mit ausgeprägter Schmal- und Breitseite um-
arbeiteten. Der Spaltenfrost kommt nicht in Betracht; ich habe
gerade an diesen Felsen im Winter wiederholt nachgeforscht, ob
sich ein Lossprengen von einzelnen Körnchen beobachten lässt; bei
keinem einzigen ist dies der Fall. Und wenn man im Sommer jene
Felsgruppen aufsucht, wird man durch das Fehlen von Verwitterungs-
produkten an ihrem Fusse darauf aufmerksam gemacht, dass die
Herausarbeitung dieser Formen überhaupt kaum in der Gegenwart
sich vollzogen haben kann. Denn wer sollte die bei der Modellierung
entstehenden Detritusmassen fortgeschafft haben? Die Felsen stehen
mitten im Walde, wo weder Wasser noch Wind augenblicklich ab-
tragend wirken können, und für die Annahme, dass in der Gegen-
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185
wart etwa die Vegetationsverhältnisse jemals wesentlich andere
gewesen wären als heute, fehlt jeglicher Anhaltspunkt.
Eine kennzeichnende Eigenart aller Hammerfelsen, wo immer
man ihnen begegnen mag, ist die konstante Richtung ihrer Längs-
achse, nämlich N 70° — 80° W; es liegt daher der Gedanke nahe,
aus der stets gleichbleibenden Längsrichtung der Felsen die Schluss-
folgerung zu ziehen, dass eine in dieser Richtung wirkende Kraft
die Hammerfelsen herausmodelliert habe. Die einzige Kraft aber,
welche in einer bestimmten Richtung besonders stark modellierend
wirken kann, ist der Wind. So führt uns das Studium dieser sonder-
baren Felsgestalten zu der Vermutung, dass starke von OSO wehende
Winde in einer der geologischen Gegenwart vorausgegangenen Periode
diese Formen geschaffen haben.
In dieser Vermutung werden wir bestärkt durch die Ver-
witterungserscheinungen, die wir an den Hammerfelsen wahrnehmen
können. Zierliche sanduhrförmige Pfeiler heben sich deutlich ab an
der Einschnürung zwischen Kopf und Stiel dieser Riesenpilze, und
schwach vorspringende, etwas wellig verlaufende Leisten, welche
Beck als sicheren Beweis für Windkorrasion anführt, modellieren
die Seitenflächen. Alle Erscheinungen fügen sich also
zusammen zu dem Schluss, dass auch die Hammerfelsen
in der Periode der diluvialen Sandstürme entstanden
sind. Mit ungeheurer Gewalt bepeitschte immer und
immerwieder das scharfe Sandgebläse die Quaderklötze,
so dass die unten lagernden weicheren Schichten der
Zerstörung mehr und mehr anheimfielen, während sich
die darüber befindliche härtere Schicht allmählich zu
einem allseitig herüberragenden Schirm ausbildete.
Eine Frage für sich bleibt es aber noch, ob wir aus der Längs-
richtung dieser Hammerfelsen einen Schluss auf die Richtung der in
der Diluvialperiode vorherrschenden Luftströmungen ziehen dürfen.
Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die eine der beiden Haupt-
kluftrichtungen etwa in derselben Richtung streicht wie die Längs-
achse der Hammerfelsen, dass also von OSO nach WNW verlaufende
Schluchtengassen entstehen mussten, die dem Winde die Richtung
mehr oder minder vorschrieben und ihn zwangen, die vorhandenen
Wege zu benutzen, also von OSO nach WNW zu wehen, selbst wenn
er als reiner Ostwind das Kreidegebirge betrat. — In diesem Zu-
sammenhang ist eine Wahrnehmung von Interesse, welche Solger
bei seinen Dünenstudien im norddeutschen Flachlande machte, dass
nämlich, nach der Richtung der Dünen zu schliessen, nicht genau
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186
östliche Winde jene Bildungen schufen, sondern vielmehr ans OSO
wehende Luftströmungen. 1 ) Und da auch Beck die Exposition der
Korrasionsskulpturen nach Osten und Südosten hervorhebt, so gewinnt
es in der Tat den Anschein, als hätten ostsüdöstliche Winde in der
Diluvialperiode die Vorherrschaft gehabt.
Nachdem wir nunmehr gesehen haben, von welcher Bedeutung
für die Oberflächengestaltung der schlesisch - böhmischen Kreide-
landschaft und die Modellierung der Felsen die Diluvialperiode mit
ihren starken Sandstürmen gewesen ist, bleibt uns zum Schluss noch
die Aufgabe, Stellung zu nehmen zu einigen Einwänden, welche
gegen unsere Anschauung geltend gemacht werden könnten. So hat
z. B. Hettner in seinen Stadien über die Felsbildungen der Sächsischen
Schweiz die von uns vertretene Anschauung, welche damals aller-
dings noch nicht ausführlich begründet war, damit zu widerlegen
versucht, dass er den Einwand erhob 8 ), dass, wenn jene Bildungen
in einer geologischen Vergangenheit unter anderen klimatischen
Bedingungen entstanden wären, sie durch die heute wirksamen
Kräfte längst wieder zerstört worden wären. Ein solches Bedenken
wäre im vollstem Masse berechtigt, wenn es sich um Gesteine
handelte, welche bei einer chemischen Verwitterung, die doch in der
Gegenwart bei weitem überwiegt, leicht zerfallen. Wir sind aber in
dem zweiten Teile unserer Arbeit zu dem Resultat gelangt, dass die
Sandsteine fast ausschliesslich nur mechanischer Verwitterung unter-
liegen, und dass bei der beträchtlichen Härte, welche der Mehrzahl
von ihnen eigen ist, und bei dem absoluten Fehlen scharfer Temperatar-
gegensätze zwischen Tag und Nacht die mechanische Verwitterung
in dem Klima der Gegenwart auf ein Minimum reduziert ist Es
erscheint daher sehr wohl möglich, dass sich gerade am Quadersandstein
Verwitterungserscheinangen aus der der geologischen Gegenwart
unmittelbar vorausgegangenen Periode erhalten haben. Natürlich
arbeitet die Verwitterung in der Gegenwart daran, die vorhandenen
Skulpturen zn vernichten, und hier and dort wird durch Sickerwasser,
Spaltenfrost und die sprengende Kraft der kleinen Wurzeln pflanz-
licher Ansiedler ein Quarzkorn gelockert. In Schneckentempo steuert
die rezente Verwitterung ihrem Ziele entgegen: mehr oder minder
ebenflächige Felswände und ein Fusshang, nicht aus aufeinander-
getürmten, eckigen Blöcken, wie ihn die extremen Temperaturver-
hältnisse der Diluvialperiode erzeugt haben, sondern aus Sand- und
') E. Solgcr: Die Entstehung des brandenburgischen Odertales. Monats-
berichte der Deutschen Geolog. Gesellschaft No. 10/11 1907 Seite 243.
») Hettner: a. a. O. S. 610.
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187
Lehmmassen, die allmählich bei der Verwitterung der diluvialen
Blockmeere am Fasse der Quadersandstein wände entstehen werden.
Aber, wird man vielleicht nun einwenden, zugegeben, die selt-
samen Bildungen seien wirklich durch die Korrasion diluvialer
Sandstürme herausmodelliert worden und als Korrasionsskulpturen
heute noch zu erkennen, warum sind diese Relikte diluvialer Ver-
witterungserscheinungen auf den Quadersandstein beschränkt? 1 ) Wir
müssen uns vorbehalten, in einer späteren Arbeit über den Einfluss
der Diluvialperiode auf die Oberflächengestaltung dos Riesengebirges
und anderer deutscher Mittelgebirge diesen Einwand ausführlich
zu behandeln, da es über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen
würde, das bereits über diesen Punkt gesammelte Material an dieser
Stelle wiederzugeben. Dass diluviale Verwitterungsformon in den
kristallinen Gesteinen nicht beobachtet sind, hat zum Teil seinen Grund
darin, dass diese Gesteine von der in der Gegenwart lebhaft wirkenden
chemischen Verwitterung verhältnismässig leicht zerstört werden,
dass also etwa vorhanden gewesene Verwitterungserscheinungen aus
der Diluvialperiode inzwischen vernichtet worden sind; überdies wird
berücksichtigt werden müssen, dass die kristallinen Gesteine nicht
wie die Quadersandsteine nackte Felsflächen dem Sandsturm entgegen-
stellten, sondern vielmehr zum Teil in eine vor allem aus dem Tertiär
stammende Lehmdecke eingehüllt waren. Und ob endlich nicht doch
an einigen Stellen auch in anderen Gesteinen als den Quadern der
Kreideformation die Spuren der Diluvialzeit mit ihren excessiven
Temperaturverhältnissen und heftigen Sandstürmen zu erkennen sind,
kann zurzeit weder in diesem noch in jenem Sinne entschieden werden,
weil derartige Studien noch fast vollständig fehlen. Die Untersuchung
der eigenartigen Lochbildungen im Granit des Riesengebirges, jener
von Berendt 2 ) für Gletschertöpfe, von Partsch 3 ) für Vertiefungen
stark angewitterter Felsstellen durch schweifendos Regenwasser
gehaltenen Bildungen, sowie das Studium einer Reihe sonderbarer
Felsgestalten, die allem Anschein nach im Zusammenhang mit der
Diluvialperiode stehen z. B. Plattenstein-Heidentisch bei Geber-
schweier, 4 ) werden den Gegenstand der späteren Arboit bilden.
•) Weitner: a. a. O. S. 610.
') O. Berendt: Sporen einer Vergletschern ng des Riesengebirges. Jahrbuch
der Kgl. preussischen geologischen Landesanstalt für das Jahr 1891. Berlin 1893
S. 37 ff.
■) J. Partsch: Die Vergletscherung des Riesengebirges zur Eiszeit.
Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. 8. Bd. Stuttgart 1894.
Seite 103 ff.
*) L. O. Werner : Megalithische Denkmäler im Oberelsass. Globus. Bd. XCV
Nr. 4. 1909. Seite 56. Abb. 7.
Ortgtal tom
UNIVERSITY OF MICHIGAN
188
Nachtrag.
Nach Niederschrift meiner Abhandlung erschien in Krakan eine sehr
bemerkenswerte Arbeit von Dr. vonLozinski 1 ) über die mechanische
Verwitterung der Sandsteine. Für unsere Betrachtung ist von
besonderer Wichtigkeit der zweite Teil dieser Abhandlung, in dem
Lozinski sich mit den grossen Blockbildungen beschäftigt, die er an
den Gehängen des ostkarpatischen Gorganyzuges, des südlichen Ural
und des Heuscheuergebirges beobachtet hat. Seine Resultate lassen
sich kurz in folgenden Sätzen zusammenfassen: 2 )
„Die tiefgehende mechanische Zertrümmerung der Sandsteine,
wie sie uns z. B. im Gorganyzuge oder auf der Oberfläche der
Heuscheuer entgegentritt, hat sich hauptsächlich im eiszeitlichen
Klima vollzogen. Als das diluviale nordische Inlandeis seine Maximal-
ausbreitung erreichte, war der Spaltenfrost in den an den Eisrand
angrenzenden Gebieten mit bedeutend gesteigerter Intensität wirksam.
Diese Gesteinszertrümmerung in der Umgegend des diluvialen Inland-
eises nennt Lozinski die periglazialeFazies der mechanischen
Verwitterung. Siehatsich heutzutage nurinden wider-
standsfähigsten Gesteinsarten, grösstenteils Sand-
steinen und Quarziten, erhalten. Am grossartigsten tritt die
periglaziale Verwitterungsfazies in den Schuttregionen des ostkar-
patischen Gorganyzuges und des südlichen Ural auf."
Die Anschauungen Lozinskis stimmen mit den meinigen in vollstem
Masse überein. In einigen weniger bedeutungsvollen Punkten, z. ß-
der Entstehung von Pilzfelsen durch löchorige Auswitterung der
Sandsteine in Tyssa in Böhmen (Seite 6 ff. seiner Abhandlung) kann
ich ihm allerdings nicht beipflichten.
l ) W. Lozinski: Über die mechanische Verwitterung der Sandsteine im
gemässigten Klima. Bulletin De TAcad£mie Des Sciences De Cracovie. Clasee
Des Sciences Math6matiques et Naturelles. Janvier 1909.
*) Vergleiche das Referat des Verfassers im Geologischen Zentralblatt Band 13,
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Landesanstalt. Berlin 1900.
63. E. Suess: Bau und Bild Österreichs. Wien 1903.
54. M. Vahl: De kvartaere Stepper i Mellevropa. Geografisk Tidskrift 1, 1901
bis 1902. Kopenhagen 1902.
55. J. Walther: Gesetz der Wüstenbildung. Berlin 1900.
56. J. Walther: Geschichte der Erde und des Lebens. Leipzig 1908.
57. K. A. Weithofer : Der SchatzlarSchwadowitzer Muldenflügel des nieder-
schlesischen-böhmischen Steinkohlenbeckens. Jahrbuch der Kaiserlich
Königlichen Geologischen Reichsanstalt. Wien 1897. Band 47, Heft 3.
58. L. O. Werner: Megalithische Denkmäler im Oberelsass. Globus, Band XCV,
No. 4. 1909.
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359
Im Laufe des Jahres 1908 hat die Gesellschaft folgende Mitglieder
durch den Tod verloren:
I.
Adolph Bieling.
9-
Karl Müller.
2.
Joh. Fricdr. Bohl.
IO.
Albert Panzer.
3-
Oberlandesgerichtsrat Dr. Herrn. Gossler.
ii.
Dr. A. Plagemann
4-
Direktor A. Hane.
12.
H. Sprick.
5-
Admiralitätsrat Koldewey.
IJ-
Carl Suhrberg.
6.
Carl Meisner.
14.
Dr. Fr. Traun.
7-
Bürgermeister Dr. Mönckeberg.
15.
Th. Wohlwill.
8.
Eduard L. Moll.
Mitglieder-Bestand am I. Januar 1909.
Ehrenmitglieder 15
Korrespondierende Mitglieder 8
Ordentliche Mitglieder:
Bestand Ende 1907 628
Eingetreten in 1908 39
667
Verstorben oder ausgetreten in 1908 35
Bestand am I. Januar 1909 632
Gesamt-Bestand am 1. Januar 1909: 655
Druck von Ackermann & Wulff Nacbfl., Groaardt A Gowa.
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Mitt. d. Geogr. Ges. i. H. Bd. XXIV, Taf. I.
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Abb. 1. Profil durch die Adersbacher Kreidemulde.
(Nach A. Wcithofer, der Schatzlar-Schwadowitzer Muldcnflügel.)
Massstab 1 : 200000. Ueberhöhung 3 : 1.
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Abb. 2. Profil durch die nördliche Spezialmulde des Adersbach
Weckelsdorfer Beckens.
Nach K. Flegel, Heuschcucr und Adcrsbach-Weckelsdorf.)
Massstab 1 : 71000. Uebcrhöhung 2»/a ! L
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Abb. 3. Profil durch das Heuscheuergebirge.
(Nach K Flegel, Hcuscheucr und Adersbach-Wcckelsdorf.)
Massstab 1 1 68000. Uebcrhöhung 2'/* : I.
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Mitt. (1. Geogr. Gen. i. II. Bd. XXIV, Taf. II.
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Abb. 4. Profil durch den Kreidegraben von Kronstadt i. B.
(Mach Aufnahmen von E. Obst.)
Massstab 1:32000. Ueberhöhung 2'/*:l.
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Abb. 5. Profil durch den Neisscgraben bei Habelschwerdt.
(Unter Zugrundelegung der Lcppla'schcn und Stürmischen Arbeiten und nach Aufnahmen von E. Obst.
Massstab 1:117000. Ueberhöhung 5:1.
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Abb. 6. Profil durch den Neissegraben bei Mittclwalde.
(Unter Zugrundelegung der Lcppla'schcn Arbeiten und nach Aufnahmen von E. Obst.i
Massstab 1:59000 Ueberhöhung 2 l / t :1.
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Mitt. d. Geogr. Ges. i. H. Bd. XXIV, Taf. VIII
Abb. 15. Steingitter i n Ari zona*
(Nach J. Walthcr, Gesetz der Wüstenbildung.)
Abb. 16. Hohlkehlen und Leisten an den Felsen von Weckelsdorf.
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Mitt d. Geojrr. Ges. i.fH. Bd. XXIV, Taf. IX
Abb. 17. Hammerfelscn auf dem Hampelfelde
von Westen gesehen.
Abb. 18. Dieselben Felsen wie in Abb. 17
von Süden gesehen.
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Mitt. d. Geoer. Ges. i. H. Bd. XXIV, Taf. X.
Abb. 19. Pilzfelsen auf dem „Käsebrett'' (Wünschelburger Lehne).
Abb. 20. Netzartige Verwitterung an den Sandstcinfelsen der Sachsischen Schweiz.
(Nach R. Beck, Ucbcr die korradierende Tätigkeit des Windes in der Sächsischen Schweiz.)
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Mitt. d. Geogr. Ges. i. H. Bd. XXIV, Taf. XI.
Abb. 21. Verwitterungserscheinungen an den Sandsteinfelsen von Adersbach.
(Nach W. Pctraschck, Oberflächen- und Pclsformcn in Adcrsbach-Weckclsdorf.)
Das Klichce stellte die Direktion der K. K. Geologischen Rcichsanstalt in Wien gütigst zur Verfügung,
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